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Mo., 25. Oktober 2021, 13:47 Uhr
BERATUNGSSTELLE: Anonyme, kostenfreie und kompetente Unterstützung für Eltern, Kinder und Jugendliche / Ehe-, Familien- und Lebensberatung ergänzen Angebot
„Kleine Probleme nicht zu großen werden lassen”
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz und der Leiter der kreiseigenen Beratungsstelle Frank Occhionero (v.r.) stellten den Jahresbericht der Beratungsstelle in der Blücherstraße vor. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in der Blücherstraße 26 ist eine bekannte Adresse in Lampertheim und in der Riedregion, viele Menschen haben hier Rat und Hilfe gefunden – auch und gerade in Zeiten von Corona, in denen das Team neue und für die Ratsuchenden attraktive Wege geht. Der Leiter der Beratungsstelle Frank Occhionero sowie die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz stellten am Montag den Jahresbericht 2020 vor und erläuterten die Neuheiten in der Arbeit dieser wichtigen Einrichtung.
Ein Schwerpunkt stellt dabei die Beratung in Kindertagesstätten dar – sowohl für ErzieherInnen als auch für Eltern. „Durch personelle und konzeptionelle Veränderungen konnten wir im Jahr 2020 damit beginnen, allen Kindertagesstätten im Ried ein aufsuchendes Betreuungsangebot vorzuschlagen. Ausgehend von den zuvor zwölf Einrichtungen nutzten zum Jahresende 29 Einrichtungen Beratung in Kindertagesstätten. Eine grundlegende Veränderung in diesem Bereich ist, dass wir nunmehr immer unter Einbeziehung der Eltern arbeiten. Es ist uns möglich, den organisatorischen Rahmen so zu gestalten, dass wir sechsmal pro Jahr in allen Einrichtungen eine zweistündige Sprechstunde anbieten können”, erläuterte Frank Occhionero. Auch das Beratungsangebot selbst stand im Fokus – denn durch Corona wurden Videoberatungen mit aufgenommen. „Diese haben sich gut bewährt, das Beratungsangebot lässt sich hierüber sehr gut transportieren”, so Frank Occhionero weiter. „Durch die Videoberatung wurde der Weg zur Beratung vereinfacht, gerade auch für Jugendliche. Für diese ist der direkte Weg oftmals schwierig, das Angebot der Videoberatung ist gerade für diese deutlich niedrigschwelliger“, ergänzte die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz. Zudem sei die Videoberatung auch bei der Beratung von getrennt lebenden Eltern ein sinnvolles Mittel. Darüber hinaus werden mittlerweile auch Beratungsspaziergänge angeboten.
Im Ried für Familien da
Die Beratungsstelle arbeitet im Einzugsbereich der Riedregion des Kreises Bergstraße für die Menschen der Städte und Gemeinden Lampertheim, Viernheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim. Die Anmeldung erfolgt telefonisch oder persönlich zu den Öffnungszeiten. Der Leiter der Beratungsstelle Occhionero gab einen Überblick über die Angebote, die sich an Familien, Eltern, Kinder, Jugendliche, Paare und Einzelpersonen richten. Die Anmeldung erfolgt telefonisch oder persönlich zu den Öffnungszeiten. „Wir arbeiten mit persönlichen Terminvereinbarungen. In dringenden Fällen werden nach telefonischer Voranmeldung umgehend und ohne Berücksichtigung der Warteliste Krisengespräche angeboten”, betonte Frank Occhionero. Grundprinzipien der Arbeit seien dabei stets die Freiwilligkeit der Teilnahme sowie Vertraulichkeit und Schweigepflicht. Die Erziehungsberatung ist gebührenfrei, die Ehe- und Lebensberatung wird aus Kirchenmitteln finanziert.
Glückliche Familien sollten ein selbstverständlicher Anblick sein – damit dies so bleibt, bietet die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in der Blücherstraße 26 eine vielfältige Beratung. Foto: www.pixabay.com
Im Bereich der Erziehungsberatung gab es im Jahr 2020 insgesamt 580 Fälle, davon 116 in der Außenstelle Viernheim, alle anderen in Lampertheim. Dies sei ein leichter und sicher auch durch Corona bedingter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Der größte Teil der Klienten kommt aus der Riedregion. Schwerpunkt der Beratungen sind mit 37 Prozent Beratungen in Zusammenhang mit Trennung und Scheidung sowie mit 32 Prozent Erziehungsfragen. Bei 11 Prozent der Fälle geht es um emotionale Probleme der Kinder und Jugendlichen. Am häufigsten ist die „klassische Familie” mit 45 Prozent in der Beratung vertreten, der Anteil der Alleinerziehenden ist jedoch auf 41 Prozent gestiegen. Auch im vergangenen Jahr meldeten sich deutlich mehr Mütter als Väter bei den Beratungsstellen. Durch Corona und die Videoberatung konnten die Wartezeiten stark reduziert werden, 86 Prozent der Erstgespräche fanden bereits innerhalb eines Monats statt.
Ergänzt wird das Angebot der Beratungsstelle durch die Ehe-, Familien- und Lebensberatung, die gemeinsam durch den Kreis, das Kreisjugendamt, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau sowie das Diakonische Werk Bergstraße vorgehalten wird. Hier gab es im vergangenen Jahr 48 Ehe- und Paarberatungen, 27 Lebensberatungen und vier Familienberatungen.
„Nutzen Sie das Angebot!”
„Wir haben sehr früh die Bereiche Jugendamt und Gesundheitsamt verzahnt, damit wir Kinder und Familien im Blick behalten können. Denn der Kinderschutz hat für uns den höchsten Stellenwert”, erläuterte die für beide Bereiche zuständige Erste Kreisbeigeordnete. „Vielen Dank an die Beratungsstellen, die sich in Zeiten von Corona neu erfunden haben. Die Krise hat hier neue Türen geöffnet, etwa durch die Videoberatung. Gerade die Zusammenarbeit mit den Kitas ist ein Konzept, das uns auszeichnet. Denn hier werden Familien in ihrem Lebensumfeld abgeholt.”
Grundsätzlich habe sich die Lebenswelt von Familien in der Pandemie verändert, viele Kinder und Eltern seinen zuhause gewesen. „Viele Familien haben die gemeinsame Zeit genossen oder auch neue Rituale eingeführt, aber für viele Familien war es auch eine besondere Herausforderungen, mehr Zeit miteinander zu verbringen und zudem HomeOffice und HomeSchooling miteinander zu kombinieren. Dies hat Familien, aber auch Beziehungen an ihre Belastungsgrenze gebracht, und genau hier greift das Angebot der Beratungsstelle”, so Diana Stolz, die einen dringenden Appell an alle richtet, dieses Angebot auch anzunehmen: „Wenn man das Gefühl hat, Beratung zu brauchen oder eine Belastung spürt, sollte man sich bitte hierher wenden! Niemand sollte sich schämen, das Angebot zu nutzen – es ist anonym, kostenfrei und kompetent. Denn man muss kleine Probleme nicht zu großen werden lassen. Bitte nutzen Sie das Angebot!” Benjamin Kloos