Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Kleine Stadt mit Strahlkraft – Provinz ohne provinziell zu sein
Mo., 12. Oktober 2015, 16:57 Uhr
Kunstausstellung im Bürgerhaus setzte Erfolgsgeschichte fort
Kleine Stadt mit Strahlkraft – Provinz ohne provinziell zu sein
In heiterer Atmosphäre bei freiem Eintritt wurde die Kunstausstellung des Künstlervereins Bürstadt am Freitagabend eröffnet. Bürgermeisterin Barbara Schader traf mit ihrem Eindruck das Erleben vieler Besucher: „Traumhaft schön“, nannte sie die Ausstellung. Der Erste Vorsitzende des Künstlervereins Dr. Bernd Kalusche ermunterte in seiner Eröffnungsrede mögliche Unterstützer der Kunstszene auch zu finanziellem Engagement. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – „Die Provinz lebt“. Eine erfreuliche Feststellung in Bezug auf Bürstadt, die der Erste Vorsitzende des Künstlervereins Dr. Bernd Kalusche an den Anfang seiner Eröffnungsrede stellte. Der „eher überschaubaren, kleinen Stadt“ bescheinigte Kalusche eine lebendige Kunstszene, durch den Ideenreichtum der Mitglieder des Kunstvereins und auch dank vieler Unterstützer und des Entgegenkommens der Stadt Bürstadt. „Genau sie alle sind es nämlich, die uns hier in der Provinz eben aus dem Provinziellen herausheben“, meinte Kalusche. Allerdings - mit großzügigen Fördergeldern und Raum zum Experimentieren, für ein offenes Atelier und eine Malschule für Kinder würde er gerne mit den Kunstmetropolen gleichziehen. Es gehe nicht um die Förderung beschaulicher Hobbys, machte Kalusche klar. „Wir brauchen die Kunst für das Fortbestehen unserer kulturellen Identität“. Die Kunst nehme persönliche Probleme und Entwicklungen der Welt auf, Erinnerungen, Ängste, Schönheit und Hässlichkeit. Der Künstlerverein Bürstadt bewies mit seiner Ausstellung von Freitag bis Sonntag im Bürgerhaus, dass die Kunst in Bürstadt und Umgebung viele Freunde hat. Bei freiem Eintritt suchten ungezählte Besucher die Begegnung mit der Kunst in den Sparten Malerei, Fotografie und Skulpturen. Breite Wandelgänge führten zu den Kunstwerken und an ihnen vorbei, neue Perspektiven eröffneten sich an jeder Biegung. Viel Raum für Gespräche war so geschaffen, zum Innehalten und Betrachten. In der Cafeteria bot sich Gelegenheit zur Erfrischung und weiteren Gesprächen. Fast 70 Kunstschaffende hatten ihre Werke ausgestellt – etwa 300 Arbeiten aus neuerer Zeit und aus vielen Gegenden Deutschlands. Auch der regionale Nachwuchs war gut vertreten. Im Fachbereich Kunst der Erich-Kästner-Schule war ein Gesamtkunstwerk mit verblüffender Wirkung entstanden. Wie als Einladung zum Zugreifen war der Tisch gleich am Eingang gedeckt. Doch was im ersten Augenblick noch appetitlich anmutete, war pure Kunst, die Nahrungsmitteln wie Pizza, Pasta und Pommes den Reiz nahm. Auch das feine Tortenbackwerk war nichts weiter als künstliches Kunsthandwerk. Eine gelungene, humorvolle Kunstbegegnung, die zum gemeinschaftlichen Lachen anregte. Die Kunst-AG der städtischen Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“ unter der Leitung von Marianne Giegrich präsentierte gerahmte Zeichnungen und Malereien, die sich auf eigener Stellwand harmonisch in die Umgebung einfügten – kein Kinderkram, sondern kindliche Kunst. Der Künstlerverein bedankte sich bei der Kunst-AG der „Villa Kunterbunt“ mit einer hochwertigen Staffelei. Jugendförderpreise erhielten Schülerinnen aus den Kunstkursen der Erich-Kästner-Schule unter der Leitung von Jeanette Masuth: Für Fotografie Suzann Ohl und Lea Hoffmann für Malerei.
Oh, wie lecker? Nein, es handelt sich bei diesem reichlich gedeckten Tisch um Kunst aus der Erich-Kästner-Schule. Foto: Hannelore Nowacki
Am Sonntagnachmittag wurden die Hauptpreise an Künstler in den Kategorien Malerei, Fotografie und Skulptur verliehen. Eine Zeichnung von Robert Pfann (Bild Nr. 159) war den 3. Preis in der Kategorie Malerei und Fotografie wert. Der 2. Preis ging an Tom Lepschi für seine Großfotografie (Exponat Nr. 71). Silke Steinert holte mit ihrem Bild in Mixed Media (Exponat Nr. 197) den 1. Preis. Den Preis für die beste Skulptur erhielt Mathias Junker für seine Eisenskulptur (Exponat Nr. 563). Zur Ausstellungseröffnung am Freitagabend strömten die Besucher ins Bürgerhaus, um einen ersten Rundgang mit einem Glas Sekt und einem kleinen Imbiss zu genießen. Draußen war die Dunkelheit, im Bürgerhaus empfing die Besucher eine schöne, offene Atmosphäre der Verständigung, der fast grenzenlosen Fantasie und Neugier auf noch unbekannte Welten. Die Musikgruppe „Sinnsucher“ mit Mitgliedern der Behindertenwerkstatt Bensheim gab der Vernissage rockig und temperamentvoll den musikalischen Rahmen. Spannung und Entspannung waren möglich, wobei dies jeweils vom Geschmack und Blickwinkel des Betrachters abhängt. Günter Schmitt hatte sein großformatiges Blütenwerk mit Acryl auf Leinwand „Entspannung“ betitelt. „Angst“ hatte Rainer E. Rühl seine Skulptur genannt, ein gebeugter Mann im Eisenkäfig. Bürgermeisterin Barbara Schader nannte in ihren Grußworten zur Eröffnung die Ausstellung „traumhaft schön“ und gratulierte dem Künstlerverein für „dieses perfekte Zusammenspiel“. Hannelore Nowacki