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  • Sa., 25. April 2020, 07:37 Uhr
    Der Notdienst der Lampertheimer und Bürstädter Tafeln mithilfe des Lions Clubs ist bestens angelaufen / „Tafelbetrieb light“ ab dem 5. Mai geplant

    „Kleine Vollsortimenter“ gingen auf Tour!



    Ein Teil der insgesamt 60 Freiwilligen machten sich am Donnerstag auf zur 2. Auslieferung in einem Radius von Groß-Rohrheim bis sogar nach Viernheim. Zuvor wurden bereits am Mittwoch und Donnerstagmorgen die Kisten vorbereitet. Foto: Robert Lehr


    Es kostet viel Überwindung, zu einer Tafel zu gehen. Man gesteht sich selbst und anderen ein, dass man Hilfe bei der Bewältigung des Alltags benötigt. Was aber ebenso schwer wiegt, ist die Abhängigkeit von den Zuwendungen in Form von Lebensmitteln. Und die wiegt in einer Krisenzeit wie heute ganz besonders schwer. Denn zahlreiche Tafeln in Deutschland mussten ebenso wie jene in Lampertheim und Bürstadt wegen der aktuellen Corona-Pandemie ihre regelmäßige Lebensmittel-Ausgabe einstellen. Wichtiger Grund hierfür ist die Altersstruktur der ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter, die als Ruheständler meist selbst zur Risikogruppe für eine Infektion gehören.



    Für Dr. Ute Weber-Schäfer eine schwer tragbare Situation. Die Koordinatorin der Tafeln in Lampertheim und Bürstadt, die vom Regionalen Diakonischen Werk Bergstraße getragen werden, versorgt in beiden Gemeinden derzeit rd. 300 Haushalte mit insgesamt knapp 800 dort lebenden Personen. Die Tafeln sind regulär an jeweils 2 Tagen in der Woche für rd. 3 Stunden geöffnet.


    Die Tafelkoordinatorin weiß, dass die ausbleibende Versorgung der Kundinnen und Kunden durch die Tafeln ohnehin zu großen Problemen in den Haushalten führt, nicht nur zu finanziellen: „Da sind z.B. Familien oder Alleinerziehende, deren Kinder normal in der Kita oder Schule verköstigt werden“. Diese müssten jetzt aber zuhause essen, was auch wieder Kosten verursache. Zusammen mit dem Stress, der durch die ungewohnte Nähe im Zuhause entstehen könne, würden vielfach „kritische Situationen entstehen“.


    Eine besonders wichtige Gruppe seien laut Weber-Schäfer die Rentnerinnen und Rentner, die dringend auf die Unterstützung der Tafel angewiesen seien, gehörten die über 65-Jährigen schließlich zu den besonders gefährdeten Risikogruppe. Insgesamt seien es 42 Haushalte in Lampertheim und Bürstadt, in der mindestens ein Angehöriger dieser Altersgruppe lebe. Doch in den Zeiten des kompletten Lockdowns „fehlt es an jüngeren Menschen, die mit einem Bring-Service diese wichtige Lücke schließen“.


    Und so freute sich Dr. Ute Weber-Schäfer umso mehr über die Unterstützung, die ihr durch den Lions Club Lampertheim unter Präsidentin Karin Salber zuteil wurde. „Unser Service-Club hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu helfen, wo Hilfe nötig ist“, erinnert Salber an den Anspruch der Lions weltweit. Und so ist es ihr und ihrem Vorstand gelungen, vor Ort mit eigenen Mitgliedern, aber auch solchen des TV Lampertheim, des VfB Lampertheim, des Chores „Ephata“, des Rotary Clubs, der Boxclubs „Punching“ und des FC Olympia Lampertheim in Kooperation mit der Diakonie eine verlässliche ca. 60-köpfige Helfertruppe zusammenzustellen. Im Wechsel ist sie zu normalen Arbeitszeiten bereit, in ihren Privatautos einen Notdienst für ältere Tafelkunden aufzunehmen. Die Helfer bringen u.a. Nudeln, Kaffee, Milch, Yoghurt, Zwiebeln und Obst, aber auch mal was Süßes in die Haushalte.


    Lieferung kommt bestens an
    Bei den Kunden kommt diese Lieferung bestens an. Karin Salber und Ute Weber-Schäfer wissen daher von der großen Dankbarkeit, mit der ihr Engagement belohnt wird. Auch an den Reaktionen ihre Helferinnen und Helfer sieht Karin Salber durchweg positive Aspekte. Dem Team sei „die Freude anzumerken, mit der sie selbst bei den Kunden für Freude sorgen“. Gleichzeitig erlebten die Helfer, wie hier „qualitativ hochwertige Lebensmittel gerettet und sinnvoll an bedürftige Menschen weitergegeben werden können“.


    Nach den ersten beiden Touren sind jetzt am 7. und 28. Mai zwei weitere geplant, wobei Dr. Ute Weber-Schäfer bereits am 5. Mai zu einem „Tafelbetrieb light“ zurückkehren möchte. So sollen die beiden Tafeln mit halbierten Öffnungszeiten für die mobilen Kunden wieder offen sein. Diese würden aber alle per Post über ein individuelles Datum mit Uhrzeit informiert, an dem sie zur Ausgabe kommen können. Nur so könne die Sicherheit und Gesundheit aller geschützt werden.



    „Wir stehen mächtig unter Druck“, gibt Dr. Ute Weber-Schäfer unumwunden zu, „unser Tafelbetrieb muss schnellstmöglich wieder in gewohnter Weise funktionieren!“ Dass sie mit den Lions jetzt dabei helfe, „einen Schritt in Richtung Normalität zu machen“, freut Karin Salber, deren Service-Club die Tafel Lampertheim auch regelmäßig mit Geldspenden unterstützt.

    Die Kisten stellen laut Dr. Ute Weber-Schäfer einen „kleinen Vollsortimenter“ dar. Einbesonderer Dank geht an die Bäckerei Hug für ihre extra gepackten Brot- und Brötchentüten. Foto: Robert Lehr



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