Di., 06. Juni 2017, 10:37 Uhr
Historischer Weg durch Bürstadts Geschichte neu beschildert
Kleiner Streifzug durch die Innenstadt

Hier und da gibt es in Bürstadt ein Fachwerkhaus, doch dieses ist ein ganz besonderes, wie die Teilnehmer des kleinen Streifzuges durch die Bürstädter Geschichte von Theo Held erfuhren. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Der kleine Streifzug durch die Bürstädter Geschichte begann am Samstagnachmittag im Festsaal des Historischen Rathauses, der mit seiner prächtigen Stuckdecke und den Gemälden ein Schmuckstück darstellt. Rechtzeitig zum 1250-jährigen Jubiläum der ersturkundlichen Erwähnung von Bürstadt wurde der „Historische Weg“ mit Informationstafeln zu den geschichtsträchtigen Stätten und Gebäuden überarbeitet und neu gestaltet. Auch das neue Faltblatt mit informativen Texten von Hans Held und Theo Held zum Historischen Weg, herausgegeben von der Stadt Bürstadt, liegt vor. Zum Streifzug waren alle interessierten Bürger eingeladen, allerdings machte sich an diesem wunderschönen Sonnentag nur eine überschaubare Gruppe auf den Weg. Bürgermeisterin Barbara Schader begrüßte die Teilnehmer im Festsaal, um dann das Wort an Theo Held zu übergeben, der den Zuhörern in seinem Vortrag zur Bürstädter Geschichte viele Details von der prähistorischen Zeit bis in die Gegenwart zu berichten wusste. Dabei schöpft Theo Held aus vielen historischen Quellen und Erzählungen sowie aus einem reichen eigenen Erfahrungsschatz. Bei der anschließenden Erkundung der geschichtlichen Stätten gab er sachkundige Auskunft auf Fragen der Teilnehmer, die sich von seinen Hinweisen und dem Gesehenen beeindruckt zeigten. In der Katholischen Kirche St. Michael zeigte Theo Held die besondere Bauweise, die wegen einer späteren Erweiterung mit der neuen Altarausrichtung aus dem üblichen Rahmen fällt. Auch Bruno Gündling, der sich schon zu Lebzeiten von Hans Held im Heimatmuseum engagierte, wusste einiges zur Geschichte der Stadt und der historischen Gebäude beizusteuern. Für ihn sei die Arbeit im Heimatmuseum und für die Bürstädter Geschichte zur Berufung geworden, erklärte er. Von der Jungsteinzeit bis zur Bedrohung durch die Pest und auch später gab es in Bürstadt gute wie schlechte Zeiten, das wurde den Teilnehmern deutlich. Zum Glück folgte dem Hochwasser im Winter 1882/83, das Bürstadt vollständig überschwemmte, kein weiteres mehr. Die Hochwassermarke wurde an der Station 6 neu angebracht. An der Station zuvor ist im Garten des Anwesens aus dem Jahr 1778 ein alter Schöpfbrunnen zu sehen, in dem sich ein seltener Hirschzungenfarn angesiedelt hat. Unter den Fachwerkhäusern in der Stadt ist eines in der Peterstraße sehenswert, das 1733 erbaut wurde, und sogar als Schulhaus genutzt wurde. Damals zählte die Gemeinde Bürstadt nur etwa 720 Einwohner. Ein ganz besonderes Fachwerkanwesen, das „Brückmannsche Haus“, wurde zum Heimatmuseum, das die Familie Gräf seit 2000 nach Terminvereinbarung für interessierte Besuchergruppen, Schulklassen und Kindergärten öffentlich zugänglich macht. Beim Rundgang sahen die Teilnehmer den Nachen „Waltraud“, der nie zur Hochwasserrettung eingesetzt wurde, und erlebten wie der Lehrer früher mit dem Rohrstock hantierte, von Bruno Gündling scherzhaft statt schmerzhaft vorgeführt. Ein lederner Löscheimer hat aus Lampertheim nach Bürstadt gefunden, wurde jedoch von einem hiesigen Einwohner zum Feuerlöschen verwendet. Der Historische Weg endete am Samstag im ersten Stock des Rathauses mit Blick auf die Vitrinen in prähistorischer Zeit. Jeder kann diesen Weg nehmen und sich vom Faltblatt, das unter anderem im Rathaus ausliegt, informativ leiten lassen. Hannelore Nowacki