Kleine Ausstellung neu entdeckter historischer Pläne in der Nordheimer Simultankirche am 9. September
Kleines Siegel zeugt von großer Geschichte
Das kleine Siegel ist Zeugnis einer langen Geschichte der Burg Stein. Foto: oh
NORDHEIM – Die Nordheimer Heimatgeschichtler haben im Generallandesarchiv in Karlsruhe die Baupläne ihrer Simultankirche gesucht. Dabei fanden sie auch eine briefliche Stellungnahme von dem damaligen Rentamtmann Johann Babtist Feldhofen, der von 1810 bis 1821 das Rentamt Lampertheim leitete. Feldhofen unterstützte nach Kräften das Bauvorhaben an der Simultankirche in Nordheim. Er organisierte für den 17. Oktober 1812 einen Vor-Ort-Termin der ranghöchsten Bausachverständigen Süddeutschlands, Friedrich Weinbrenner aus Karlsruhe und Georg Moller aus Darmstadt in Nordheim.
Bisher ist nur sehr wenig über die Arbeit des ehemaligen Rentamtes Lampertheim bekannt, da die älteren bischöflich wormsischen Akten in den Revolutionskriegen 1793 verbrannten. Die jüngeren Akten wurden 1900 als Altpapier vernichtet.
Das Rentamt Lampertheim war der Nachfolger der Kellerei Stein ehemals in der Burg Stein in Biblis-Nordheim angesiedelt. Nach Erbauung des Rentamtgebäudes in Lampertheim wurde dieses Sitz der Kellerei zum Stein. Wie das Siegel belegt, dauerte es noch lange, bis sich die Bezeichnung Amt Lampertheim eingebürgert hatte. Das Siegel zeigt den heraldisch nach rechts schreitenden doppeltgeschwänzten Hessischen Löwen. Dipl. Stadtarchivar Hubert Simon in Lampertheim konnte die Umschrift des sehr seltene Siegels deuten: LANDGR(äflich) HESS(ische) KELLEREI LAMPERTHEIM. Das Siegel kann erst nach 1802, dem Jahr der Hessischen Besitzergreifung der Kellerei Lampertheim entstanden sein. Beachtlich ist, obwohl Landgraf Ludwig X. im Jahr 1806 zum Großherzog Ludwig I. von Hessen aufgestiegen ist, blieb das Siegel mit dem niedrigeren Adelsprädikat noch mindestens sechs Jahre im Gebrauch der Kellerei Lampertheim.
Es wird herzlich zu einer kleinen Ausstellung der neu entdeckten historischen Pläne eingeladen, die am Tag des offenen Denkmals, am Sonntag, 9. September, in der Simultankirche in Biblis-Nordheim aus Anlass der 200-jährigen Kirchenerweiterung von 11 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr zu sehen ist. Führungen zu jeder vollen Stunde. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung wird durch ein kleines Programm umrahmt: Um 9.45 Uhr findet ein Gottesdienst unter Mitwirkung des Gesangvereins Volkschor Nordheim statt. Nach dem Gottesdienst wird der Volkschor unter Leitung von Herrn Raphael Kuhn noch einige Lieder darbieten. Um 14.30 und 15.30 Uhr wird die Ausstellung durch Organist Joschka Althoff musikalisch umrahmt. zg