
BÜRSTADT – Den direkten Draht zur regionalen Wirtschaft suchte die Bürstädter Kommunalpolitik zum Auftakt der jährlichen Sommertour. Die CDU-Fraktion um ihren Vorsitzenden Levin Held sowie die Parteivorsitzende und Erste Stadträtin Julia Kilian-Engert besichtigte den Garten- und Landschaftsbau-Spezialisten „Gärten von Gärtner“. Verstärkt wurde die Delegation durch den Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen und dessen Fraktionsspitze sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. Inhaber Franz Gärtner blickt auf eine lange Historie zurück: Der Betrieb wurde 1910 vom Großvater als Gärtnerei gegründet und in den 80er und 90er Jahren erfolgreich zum Landschaftsbau umstrukturiert. „Wenn ich heute Bilanz ziehe, war die Abkehr vom reinen Zierpflanzenbetrieb absolut lebensnotwendig“, betonte Gärtner mit Blick auf den Verdrängungswettbewerb durch Großmärkte. Mittlerweile beschäftigt das etablierte Unternehmen 26 Mitarbeiter.
Biologische Filtertechnik statt Chemie
Das Fundament des Betriebs bildet seit 15 Jahren der konsequente Verzicht auf chemische Insektizide und Herbizide, wovon die heimische Tierwelt direkt profitiert. Auf dem 4.000 Quadratmeter großen Areal präsentierte Gärtner einen Mustergarten, dessen Herzstück ein moderner Naturpool ist. Das Badewasser wird hierbei komplett ohne Chlor über eine durchdachte grüne Filterzone und permanente Zirkulation sauber gehalten. Seine fachliche Expertise bringt Gärtner auch ehrenamtlich in der Stadtentwicklung ein, unter anderem beim lokalen Agendatisch Naturschutz und der Gestaltung des Naturparks Krieglachring.
Herausforderung Nachwuchs und Wetterkapriolen
Ein zentrales Thema des politischen Austauschs war der allgegenwärtige Personalmangel. Trotz glücklicher Personalzuwächse im Vorjahr durch regionale Betriebsschließungen bleibt die Suche nach guten Arbeitskräften im Handwerk zäh. Die Digitalisierung sieht der Chef pragmatisch: Eine KI könne zwar Angebote kalkulieren, das Setzen von Steinen erfordere jedoch weiterhin menschliches Können. „Das Handwerk bleibt schlicht unersetzbar“, unterstrich der Geschäftsführer. Zukunftssorgen bereiten dem 68-Jährigen, dessen Nachfolge durch die Übergabe an einen Kompagnon im kommenden Frühjahr bereits geregelt ist, vor allem die klimatischen Veränderungen. Gärtner plädierte bei den Mandatsträgern vehement für mehr Bäume in Neubaugebieten und sprach sich gegen leblose Schottergärten aus. Flexiblere Arbeitszeiten über Überstundenkonten helfen dem Team bereits jetzt, extremen Hitzetagen zu begegnen. Die Fraktionen waren sich abschließend einig, dass der enge Dialog zwischen Politik und Wirtschaft der Schlüssel für ein gesundes Bürstadt bleibt. zg
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