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  • Do., 17. Juli 2014, 23:42 Uhr
    Weltmeisterliche Hausgeburt: Quentin Schweitzer erlebt als neuer Erdenbürger das WM-Finale / Freiberufliche Hebammen kämpfen um Existenz

    „Kommt das Jogi-Baby heute?”

    Sabrina und Stefan Schweitzer freuen sich mit Hebamme Inge Gerbig über die Geburt des kleinen Quentin aus Nordheim, der am Sonntagabend beim WM-Finale das Licht der Welt erblickte. Foto: Steffen Heumann


    NORDHEIM – An einem Freitag, den 13., haben sich Sabrina und Stefan Schweitzer das Ja-Wort gegeben, an einem Sonntag, den 13., wurde der dreijährige Sohn der Familie, Maurice, geboren. Und am Sonntag, den 13. Juli, erblickte der kleine Quentin das Licht der Welt. Das Glück der Schweitzers war perfekt. Nur wenige Minuten nach der Niederkunft am Sonntag markierte Mario Götze den Siegtreffer im WM-Finale gegen Argentinien. Schon wieder hatten Schweitzers Grund zum Feiern. Vor allem die frischgebackene Mama fieberte parallel zur Geburt mit der Nationalmannschaft und drückte fest die Daumen, damit der Titelgewinn wahr wird. „Beinahe Stadionatmosphäre”, schmunzelt die Nordheimerin rückblickend.

    In der Halbzeitpause der regulären Spielzeit erhielt Inge Gerbig den Anruf, dass das „Jogi-Baby” im Anmarsch sei. Wenige Minuten später war die Hebamme aus Worms vor Ort. Um 23.07 Uhr war es soweit. 3440 Gramm und 52 Zentimeter groß – Quentin der neue Erdenbürger war da und live dabei, wie Deutschland zum 4. Mal Weltmeister wurde. Brüderchen Maurice war inzwischen aufgewacht, um mit den Eltern und Inge Gerbig die freudigen Ereignisse zu feiern. „Alles verlief wie erwartet ohne Komplikationen”, erklärte Sabrina Schweitzer. Bewusst habe sie sich für eine Hausgeburt entschieden. „Ein viel persönlicheres Erlebnis in der ruhigen Atmosphäre der eigenen vier Wände”. Zudem habe die Chemie mit ihrer Geburtshelferin von Anfang an gestimmt. Sohn Maurice wurde in einer Klinik geboren. Die Erfahrung von damals hätten sie in der Entscheidung hinsichtlich einer Hausgeburt nur bestärkt.

    Freiberufliche Hebammen kämpfen um Existenz

    Noch am Samstag nahm Sabrina Schweitzer an der Seite von Inge Gerbig und vielen Mitstreiterinnen an einer Demo in Worms teil, um auf die Haftpflichtproblematik der Hebammen aufmerksam zu machen. Der Berufsstand der freiberuflichen Geburtshelferinnen ist vom „Aussterben” bedroht. Von bislang 5.000 auf bis zu 6.000 Euro soll der jährliche Versicherungsbeitrag steigen. „Das ist keine Perspektive”, weiß Inge Gerbig um die Existenzängste der jüngeren Kolleginnen. Berufsverband, Krankenkasse, Versicherer und Politik müssen einen gemeinsam Konsens finden, appelliert Gerbig an die beteiligten Akteure. Die Demonstration in Worms habe gezeigt, dass auch bei den Vertretern der politischen Parteien der Ernst der Lage erfasst worden sei. Sehr erfreulich sei die Unterstützung durch zahlreiche Eltern zu werten. „Ein deutliches Signal, dass alternative Geburtsformen gewünscht werden”, so Inge Gerbig. Hausgeburten lägen zudem im Trend, weiß die erfahren Hebamme. Rund 15 Prozent der etwa 300 Frauen, die Inge Gerbig im Laufe eines Jahres in ihrer Praxis betreut, wählen eine außerklinische Geburt.

    In der europäischen Menschenrechtskonvention sei das Recht auf die freie Wahl von Geburtsort und Geburtsbegleitung verankert. Im Sozialgesetzbuch sogar der Anspruch auf Hebammenhilfe. Die flächendeckende Versorgung sei in Gefahr. „Ich liebe meine Hausgeburten. Das ist für mich Erfüllung und Berufung zugleich”, hofft Inge Gerbig auf eine baldige Lösung. Ob nach ihrer Tochter auch das Enkelkind in ihre Fußstapfen treten wird, sei fraglich. „Ohne angemessene Vergütung und bei steigenden Versicherungsprämien eher unwahrscheinlich”, prognostiziert Inge Gerbig.

    Steffen Heumann

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