SPORT IN BIBLIS: Bürgermeister Scheib im Gespräch mit Vereinen zur Öffnung der Hallen und Plätze
Kontaktfrei trainieren und proben ab 2. Juni
Die Gemeinde Biblis spendierte jedem Verein eine Flasche Desinfektionsmittel zum Start. Für alle weiteren benötigten Mengen und Masken müssen die Vereine selbst sorgen. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Im großen Saal des Bürgerzentrums waren die Sitzplätze und Tische am Montagabend mit großem Abstand aufgestellt, wie es die Regeln in der Coronakrise vorschreiben. Bürgermeister Volker Scheib hatte die Vereinsvorstände eingeladen, um die Regeln zur Nutzung der gemeindeeigenen Halle und Plätze bekannt zu machen und zu besprechen. Auf den Raum verteilt hatten fünfzehn Vereinsvertreter Platz genommen, angemeldet hatten sich zwanzig, wie der Bürgermeister im Gespräch mit der Presse vorab anmerkte, fünf Teilnehmer erwartete er zusätzlich. Insgesamt habe er in Biblis vonseiten der Vereine 45 Ansprechpartner. Aus Platzgründen fand ein zweiter Informationsabend am Dienstag mit weiteren angemeldeten Vereinsvertretern statt. Der Bürgermeister erklärte, dass die Verwaltung zur Umsetzung von Beschlüssen des Kreises Bergstraße nur der Partner vor Ort sei. „Wichtig ist für uns, dass umgesetzt wird, was verlangt ist“. Welche Grenzen beim Vereinssport gelten, hatte die hessische Landesregierung in der „Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung“ geregelt, die am 9. Mai in Kraft getreten ist. Weitere Regelungen und Auflagen hat das Hessische Ministerium des Innern und für Sport in einem Erlass veröffentlicht. „Ein Stück weit in die Normalität kommen“ beschrieb Bürgermeister Scheib das Ziel für Biblis. Nachdem Bürstadt die Sportstätten schon seit einer Woche geöffnet hatte, sah sich Scheib mit dem Vorwurf der „Verhinderungspolitik“ konfrontiert. Dagegen wehrte sich Scheib, jede Gemeinde habe ihre eigenen Gegebenheiten. Mit der Einladung an die Vereinsvorstände hatte die Verwaltung auch ein vorgefertigtes Kontakt- und Hygienekonzept verschickt, das als Voraussetzung zur Nutzung der Sportstätten unterschrieben zurückzusenden ist. Ein eigenes Konzept könne ebenso eingereicht werden. Besonderen Wert legte Scheib darauf, den Vereinsvorständen ihre Eigenverantwortung für die Einhaltung aller Regeln klarzumachen. Denn nur „wenn die Zahlen so bleiben, können wir auf dem Weg der Öffnung bleiben“. Die klare Ansage: „Der Vorstand ist rechtlich haftbar“. Geldbußen von 5.000 bis zu 50.000 Euro seien möglich. „Urvertrauen“ und „Vernunft“ nannte Scheib als Voraussetzung für die Öffnung der Sportstätten.
Kontaktfrei trainieren – wenig normal
Was laut Bürgermeister Scheib zu beachten ist: Alle Sportarten, Begegnungen und Spiele müssen kontaktfrei ausgeführt werden, Abstand 1,5 Meter, bei Bewegung muss die Maske aufgesetzt werden. Geöffnet werde nur ein WC, nur eine definierte Gruppe hat Zutritt, Namen und Adresse müssen dokumentiert sein. Trainer, Betreuer oder Übungsleiter müssen regeln, dass vor der Halle kein Stau oder Treffen entsteht. Sie müssen gewährleisten, dass niemand krank ins Training kommt. Wiedersehensfreude mitUmarmung ist nicht erlaubt. Kontaktfrei bedeute auch, dass der Ball nicht aufgenommen werden darf. Einen Sport- und Trainingsbetrieb wie vor der Coronakrise üblich, sieht Scheib nicht, es gehe vielmehr um Taktik, Strategie und Gymnastik, um die Gemeinschaft, nicht um Leistungssport. Nach dem Training müssen die Vereine alles gereinigt hinterlassen, beispielsweise die Matten und Geräte, sowie gut durchlüften. Für Böden und WCs sei die Gemeinde Biblis zuständig. Unmut und Kritik kam im Saal auf, diese Reinigungsarbeiten seien kaum umsetzbar und zumutbar. Dagegen rief Scheib auf, „ohne Emotionen, einfach mal logisch darüber nachzudenken“. Untereinander sollen die Vorstände regeln, dass nach einer schweißtreibenden Sportart nicht gleich die Bodengymnastik kommt. Stehend sind pro Person 5 Quadratmeter, bei Bewegung wie beim Handball 10 Quadratmeter vorgesehen. Beim Singen sieht Scheib durch die Aerosolverteilung das höchste Risiko, das mache ihm am meisten Bauchschmerzen, auch die Blasmusik sei mit diesen Regeln kaum händelbar. Anders sei es bei Proben der Theatergruppe, wenn auf Abstand geachtet wird. Mehrere Wortmeldungen zeigten, dass die neuen Regeln keine Begeisterung hervorrufen. Der normale Trainingsbetrieb sei so nicht möglich, war der Einwand, man müsse das gesamte Trainingssystem umwerfen. Bürgermeister Scheib wies darauf hin, dass man Abstriche machen müsse wie überall im täglichen Leben und besänftigte: „Wir arbeiten an den Möglichkeiten, alles wieder so normal wie möglich zu gestalten. Wenn alles glatt läuft, rechnet er in vierzehn Tagen mit weiteren Erleichterungen. Zusammenfassend bekannte Scheib: „Die Herausforderungen für uns als Verwaltung sind enorm“. Hannelore Nowacki