Mi., 28. Oktober 2020, 16:04 Uhr
Maskenpflicht auf bestimmten öffentlichen Straßen und Plätzen im Kreis / Neue Allgemeinverfügung in Kraft
Kontaktsport im Kreis ab Freitag grundsätzlich verboten
KREIS BERGSTRASSE – Am Mittwoch informierten Landrat Christian Engelhardt, die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz und der Kreisbeigeordnete Karsten Krug im Rahmen einer Video-Presskonferenz über die aktuellen Entwicklungen bezüglich der Coronavirus-Epidemie im Kreis Bergstraße. Dabei wurde eine neue Allgemeinverfügung vorgestellt, die auch die bisherigen Regelungen bezüglich des Besuchs in Kliniken und die Maskenpflicht im Unterricht an Schulen ab der Sekundarstufe I verlängert.
Landrat Christian Engelhardt erläuterte die Allgemeinverfügung: „Ab Freitag gilt: Der Kontaktsport wird im Kreis Bergstraße grundsätzlich verboten – mit Ausnahme von Bundesligisten. Dies gilt bis Ende November sowohl innen als auch außen. Zuschauerinnen und Zuschauer sind in geschlossenen Räumen nicht gestattet. Davon ausgenommen sind eine erziehungsberechtigte Person pro minderjähriger Person sowie die Trainerinnen/Trainer und Betreuerinnen/Betreuer.
Neu ist zudem eine Maskenpflicht auf bestimmten öffentlichen Straßen und Plätzen – unter anderem in Bürstadt auf der gesamten Alla-Hopp-Anlage außerhalb der sportlichen Aktivität und auf dem Marktplatz zwischen 8 und 19 Uhr sowie in Lampertheim am Schillerplatz und dem Kleinen Schillerplatz zwischen 8 und 19 Uhr, im Bereich der Ringstraße zwischen Alicestraße und Ernst-Ludwig-Straße und Eugen-Schreiberstraße zwischen Ernst-Ludwig-Straße und Hermann-Hesse-Straße (Umfeld Bahnhof Lampertheim inklusive Busbahnhof) und in der Bahnhofstraße zwischen Schulstraße und Fliederweg (Umfeld Bahnhof desStadtteil Hofheim) zwischen 6 und 22 Uhr. Dies gilt für alle Personen außer Kinder unter 6 Jahren oder Personen, die aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder einer Behinderung keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können. Diese Regelungen gelten bis zum 30.11.2020. Eine Verlängerung, inhaltliche Anpassung oder Ergänzung dieser Regelungen bleibt in Abhängigkeit von der jeweiligen epidemiologischen Lage vorbehalten.
Darüber hinaus werden bisherige Regelungen verlängert, so etwa das Besuchsverbot in Flüchtlingsunterkünften, die Besuche in Kliniken und Seniorenwohnheimen sowie die Maskenpflicht im Unterricht in den Schulen ab Sekundarstufe I. „Die Verordnung kann schnell durch eine Verordnung des Landes Hessen überholt werden”, betonte Landrat Engelhardt, aber da die bisherigen Regelungen nun ausgelaufen wären, hat der Kreis die neue Allgemeinverfügung als wichtig und sinnvoll erachtet.
Sollte der Inzidenzwert auf mehr als 150 Fälle pro 100.000 Einwohner steigen, wird ab der 8. Klasse
Hybridunterricht eingeführt. „Ab 8. Klasse deshalb, weil Schüler in diesem Alter auch ohne betreut zu werden einige Zeit zu Hause lernen können”, so Landrat Engelhardt. Diese Maßnahme ist freiwillig, wird den Schulen aber dringend empfohlen.
Darüber hinaus präsentierte ergeben sich aufgrund der jüngsten Videokonferenz mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Kreis folgende Regelungen: Ab Samstag werden kommunale Hallen und Gemeinschaftshäuser nicht mehr für Sport und private Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wird an die Vereine appelliert, ebenfalls auf Sport in ihren eigenen Hallen zu verzichten.
Bundeswehr im Einsatz
Seit Mittwoch ist die Bundeswehr mit 14 Soldaten dauerhaft im Einsatz und unterstützt das Gesundheitsamt sowohl bei den Testungen als auch bei der Nachverfolgung.
Immer wieder berichten Bürger, dass die Zahlen, die der Kreis veröffentlicht, von denen des RKI abweichen. Diesbezüglich erläuterte Landrat Engelhardt, dass die Zahlen des Kreises tagesaktuell sind, diejenigen des RKI aber aufgrund anderer Stichzeiten immer geringfügig davon abweichen. Der aktuelle große Unterschied sei durch Datenübertragungsprobleme zustande gekommen.
Zu einem möglichen „kurzen Lockdown”, der in der Konferenz zwischen Bundeskanzlerin Angela Merken und den Ministerpräsidenten der Länder erörtert wird, findet es Landrat Engelhardt „schade, dass ein solcher Lockdown erfolgt. Ich glaube, wenn sich alle konsequent an die gegebenen Regeln gehalten hätten, auch im privaten Bereich, wären solche tiefergehenden Eingriffe vermeidbar gewesen. Die, die sich an Vorgaben Gehalten haben, leiden ein Stück weit darunter, dass sich andere nicht daran gehalten haben. Ich mache mir Sorgen um die Gastronomie und den Veranstaltungsbereich, und wir werden strenger kontrollieren, das eingehalten wird, was einzuhalten ist.”
„Infektionsgeschehen ist dramatisch”
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz stellte klar: „Das Infektionsgeschehen im Kreis ist dramatisch. Wir haben kein lokales Infektionsgeschehen mehr, sondern eines von nationaler Dimension. Es ist daher absolut geboten, dass es jetzt einheitliche Maßnahmen gibt und man vernünftig und zielgerichtet reagiert. Ich kann nur an alle appellieren, das sie verstehen, was die Stunde geschlagen hat. Die Situation hat in letzten zwei Wochen dramatisch zugenommen, wir müssen nicht mehr darüber diskutieren, ob es eine Pandemie gibt, sondern wir müssen dringend handeln.” Denn im Oktober habe es bisher 640 Infektionen gegeben, im Vergleich zu 108 im September. „Wir sind an Kapazitätsgrenzen angekommen, auch bei den Testungen. Die Allgemeinmediziner können diese nicht mehr alleinedafür verantwortlich sein, daher danke ich dem DRK, die in kürzester Zeit Testungen durchgeführt haben und -führen: Auf das Ehrenamt ist Verlass!”
Viele Kontaktursachen seien im privaten Bereich wie Feiern, aber auch im Freizeit- und Arbeitsbereich zu finden. „Die Infektionsgefahr ist überall dort hoch, wo sich Menschen begegnen, daher ist umso wichtiger, die persönlichen Kontakte stark einzuschränken”, appelliert die Gesundheitsdezernentin.
Bei der stationären Versorgung sei die aktuelle Lage so, dass diese gesichert ist, auch wenn es zunehmend mehr Covid-Patienten in stationärer Behandlung gibt. Der jüngste Patient darunter ist 17 Jahre alt. „Das Alter schützt vor einem Verlauf, der eine stationäre Behandlung nötig macht, nicht”, stellte Diana Stolz klar. Das Alter der aktuell Infizierten beginnt bei Säuglingen und geht bis ins hohe Alter. Am Mittwoch waren zudem 17 Schulen im Kreis mit Infektionsfällen betroffen.
Der Kreisbeigeordnete Karsten Krug richtete einen Appell an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zu stärkeren Kontrollen. Bezüglich des ÖPNV betonte er: „Wir haben seit den Ferien verstärkt Fahrzeuge in der Schülerbeförderung eingesetzt und überprüfen derzeit, wo noch Bedarf ist. Gleichzeitig warten wir aber auch aktuelle Entwicklung bezüglich möglichem Hybridunterricht ab, der zu einer Entlastung in diesem Bereich führen würde.” Die Situation in den Flüchtlingsunterkünften sei aktuell so, dass es
13 infizierte Flüchtlinge gibt und 19 in Quarantäne sind – bei 2.500 Flüchtlingen im Kreis insgesamt. Benjamin Kloos