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  • Mo., 19. Oktober 2015, 09:14 Uhr
    „KW Biblis transparent!“ - Thema Strahlung mit Vortrag, Besichtigung und Experimenten

    Kraftwerk Biblis im Dialog mit interessierten Bürgern

    Wann bekommt man das sonst zu sehen? Bei der informativen Besichtigungstour zum Regensammler und Messhaus Süd nahmen die Besucher sogar das kühle Nieselwetter in Kauf. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Das Thema Strahlung ist vielseitig und was die Kernkraft angeht, durchaus strittig. Doch den etwa zwanzig Bürgern, die am Donnerstag in das Informationszentrum des Kraftwerks Biblis gekommen waren, ging es offenkundig nicht um besonders kritische Fragen zum Rückbau des Kraftwerks oder das Hinterfragen von Messmethoden, Auswertung und Beteiligung der Öffentlichkeit. Im Vordergrund standen das Interesse am Thema an sich und die Wissbegierde, wie die Messarbeiten im Kernkraftwerk Biblis, das nicht mehr im Leistungsbetrieb ist,  konkret aussehen. Neugierig machten auch die im Programm vorgesehenen Testmessungen an Gegenständen des Alltags, die am Schluss, nach  zweieinhalb Stunden die Aufmerksamkeit fesselten. Die Kraftwerksleitung von RWE Power hatte im Rahmen ihrer  Informations-Initiative „KW Biblis transparent!“ interessierte Bürger zu dieser Veranstaltung rund um das Thema Strahlung eingeladen und um Anmeldung gebeten. „Was ist Strahlung und wie wird sie gemessen?“ war als „Thema im Fokus“ dieser zweiten Veranstaltung der Fokustage. Kraftwerksleiter Horst Kemmeter begrüßte die Besucher kurz im Konferenzsaal des Informationszentrums, um dann dem Leiter des Strahlenschutzes Michael Baschnagel Raum zu geben für seinen ausführlichen Vortrag über die komplexen Facetten von ionisierender Strahlung und anderen Strahlungsarten aus allen Bereichen des Lebens, von der medizinischen bis zur kosmischen Strahlung und der natürlichen Strahlung im Boden. In einigen Gegenden Deutschlands, wie beispielsweise im Schwarzwald und Bayerischen Wald, gibt es im Untergrund Thorium und Uran, aus dem das gasförmige Radon entsteht und in die Häuser eindringen kann oder als Uran im Mineralwasser nachweisbar ist. Weitere natürliche Strahlungsquellen sind Granite und diverse Baustoffe. Schon die Beantwortung der Frage, was Strahlung ist, birgt eine umfassende physikalische Erklärungskaskade in sich, angefangen vom Aufbau des Atomkerns und seiner Hülle bis zu den verschiedenen Strahlenarten, der Alpha-, Beta, Gamma- und Neutronenstrahlung. Diese haben verschiedene Reichweiten, wie die Alpha-Strahlen nur wenige Zentimeter in der Luft, während die Beta-Strahlung bis in den Meterbereich geht. Die nicht geladenen Gamma- und Neutronenstrahlen haben hingegen ein hohes Durchdringungsvermögen, wie die Zuhörer erfuhren. Was ist eine Dosis? Auch diese Frage wurde exakt beantwortet. Im Strahlenschutz ist dies die von einer Person aufgenommene Strahlenmenge oder noch genauer ausgedrückt: „Die pro Maßeinheit kg eines biologischen Gewebes absorbierte Energie in Joule durch ionisierende Strahlung gewichtet mit de Strahlungswichtungsfaktor“. Meistens werde diese Äquivalentdosis in Milli-Sievert (mSv) angegeben, wobei der Jahresgrenzwert nach der Strahlenschutzverordnung für die Bevölkerung 1 mSv beträgt.  Die Umgebungsüberwachung des Kraftwerks Biblis begann 1972 mit Messungen noch vor der Inbetriebnahme. Die Ableitung von Luft und Wasser werde auf radioaktive und konventionelle Stoffe überwacht und bilanziert, erklärte Baschnagel. Die aktuellen radiologischen Messdaten aus der Umgebung des Kernkraftwerks sind online beim Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie jederzeit abrufbar. Im herbstlichen Nieselwetter machte sich die Besuchergruppe unter Führung von Patrick Sittinger auf den Weg zum Messhaus Süd auf der grünen Wiese, das wöchentlich angefahren wird. Alle zwei Wochen werden die Filterpatronen gewechselt, alle Daten werden automatisch protokolliert. Monatlich ist das Umweltmessmobil in der Mittelzone unterwegs, das Georg Koy einigen Besuchern vorführte, die nicht zum Messhaus gingen. Erstaunliches zeigten die Messgeräte, die im Informationszentrum für die praktischen Experimente mit verschiedenen Materialien aus dem täglichen Leben aufgebaut waren. Axel Scholz spannte eine Badfliese aus den 1970er Jahren ein, wie sie noch in vielen Bädern vorhanden sind – sie strahlte. Auch der Granitstein und das Blaukorn gaben deutliche Impulse ab. Einer strahlenden Zukunft steht also nichts im Wege. Hannelore Nowacki

    Wo man die Radioaktivität nicht vermutet, steckt sie drin und strahlt unaufhörlich über Jahrzehnte wie die Fliesen und der Granit. Sogar die Glühstrümpfe aus älterer Produktion für Campingleuchten strahlen. Foto: Hannelore Nowacki


     

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