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Do., 10. März 2022, 09:05 Uhr
VERNISSAGE: „Unsere Ausstellung hat sich verändert, die Welt hat sich verändert“
Kunstprojekt „Frauen 2022“ im Alten Haus gestartet
Durch den Ukrainekrieg hat sich vieles verändert, auch die Ausstellung „Frauen 2022“ von Heike Kissel-Eltrop und Anette Jansen, die noch bis zum 23. April im Alten Haus in der Lindenstraße 42 zu sehen ist. Foto: Petra Gahabka
HOFHEIM – Eigentlich sollte „Frauen 2022“ eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt Frauen-PopArt werden. Bunte Farben, Feiern mit Sekt, so hatten Anette Jansen und Heike Kissel-Eltrop die Vernissage am Internationalen Frauentag im Alten Haus geplant. Doch dann kam der russische Angriff auf die Ukraine – und die beiden Künstlerinnen reagierten.
Am 8. März wird auf der ganzen Welt an die Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen erinnert. Gerade in Kriegssituationen sind sie von Gewalt und Leid besonders betroffen. Das sieht man derzeit auch am Schicksal von Millionen Ukrainerinnen, die sich vor Bomben fürchten müssen und auf der Flucht sind. „Es wäre dem Frauenthema nicht gerecht geworden, wenn wir den Krieg ausgeblendet hätten“, sagen Jansen und Kissel-Eltrop. Innerhalb weniger Tage haben sie ihr Konzept modifiziert. Neue Werke wie das Resin-Art-Bild „Ukraine“ in den Landesfarben blau und gelb wurden geschaffen, ein Video gedreht und das Gartenzimmer, das seinen Namen dem üppigen Blumendekor der Sitzgruppe verdankt, umgestaltet. In Dauerschleife lief dort am Dienstagabend das von Marlene Dietrich gesungene Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“, verbunden mit der Frage, wann die Menschheit endlich aus den Fehlern früherer Generationen lernen werde. Unzählige Fotos von Blumen schmücken den Raum, die Stiefmütterchen blühen in den Farben der ukrainischen Nationalflagge.
Für die Gäste der Vernissage, darunter Bürgermeister Gottfried Störmer und Ortsvorsteher Alexander Scholl, beide mit Gattin, gab es zur Begrüßung gelbe Rosen. Aufgrund der Pandemie hatten sich die Künstlerinnen gegen eine Eröffnung im üblichen Sinne entschieden. Stattdessen lief ein Video, in dem sie zur aktuellen Situation Stellung beziehen. „Krieg in Europa. Frauen, Männer und Kinder in Not. Unsere Ausstellung hat sich verändert, die Welt hat sich verändert“, heißt es darin. Ihr Blick richtet sich auf Frauen ohne Stimme, ohne Rechte, ohne Wert, ohne Zuhause. „Unsere Bilder zeigen Statements, unsere Skulpturen zeigen Hoffnung, verbunden mit Solidarität.“ In den ausgestellten Fotografien, Figuren aus Modelliermasse, Zeichnungen, Fototransfer-, Resin- und Betonarbeiten spiegeln sich Wünsche, Ängste und Verletzlichkeit wider. Der Titel des Werkes „The Power of Art“ gewinnt in vielfacher Hinsicht an Bedeutung. Die Reaktionen der Besucher reichten von „Eine sehr beeindruckende Ausstellung“ bis „Ein großes Lob an Euch“.
Seit Kissel-Eltrop und Jansen das Alte Haus Ende 2020 eröffnet haben, galt es viele Herausforderungen zu meistern. Ihre große Leidenschaft zur Kunst half ihnen dabei. Zwischen Ausstellungen und Workshops, die in der Lindenstraße 42 regelmäßig stattfinden, liegt ihnen die Projektreihe „Frauen“, die sie 2018 gestartet haben, besonders am Herzen. Die aktuelle Schau, die noch bis zum 23. April im Alten Haus zu sehen ist, bildet den Auftakt einer Fotoausstellung, die sich mit Frauen unserer Gesellschaft beschäftigt. Im gesamten Kalenderjahr werden deren Geschichten im Fokus stehen und im oberen Stockwerk des Alten Hauses fest installiert. „Wir werden die interaktive Ausstellung monatlich der Öffentlichkeit vorstellen und sind gespannt, wie wir Frauen zeigen können und welche Erfahrungen wir sammeln dürfen“, freut sich das kreative Duo und ruft zum Mitmachen auf. Die Finissage am Weltfrauentag 2023 schließt dann die Ausstellung ab und soll nachhaltig prägen. Jansen und Kissel-Eltrop planen deshalb einen Kunstkatalog zu gestalten, der die vielfältigen Fotografien der Frauen und ihre Aussagen zeigt. Petra Gahabka
Öffnungszeiten der Ausstellung
Samstag, 12. März, und Sonntag, 13. März, jeweils 11 bis 18 Uhr.
Bis zum 23. April jeweils donnerstags von 16 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 16 Uhr.
Infos unter www.Anette-Jansen.de und www.Eltrop4art.de