STADTUMBAU: Neu gestalteter Alfred-Delp-Platz mit Aktionstag eröffnet
„Lampertheim ist auf gutem Weg“
LAMPERTHEIM – Ball spielen, bei den frisch bepflanzten Hochbeeten vorbeischauen, die Info-Tafeln der Stadtverwaltung zum Stadtumbau anschauen oder die Steinquader als Sitzgelegenheiten ausprobieren – auf dem neu gestalteten Alfred-Delp-Platz war schon vor der offiziellen Eröffnung zur Mittagszeit am vorigen Samstag einiges los. Die neuen Spielgeräte wurden nicht nur in Augenschein genommen, der Spaß am Spiel gewann wie beim Ballspiel an der Teqball-Platte, die wie auf den ersten Blick wie eine Tischtennisplatte aussieht, aber interessant gewölbt ist. An der vielseitigen Calisthenics-Anlage holten später zwei Mädchen Schwung.
Nachdem die Sonne pünktlich kurz vor der Eröffnung die Wolken vertrieben hatte, war Zeit zu chillen – Sitzsäcke in Schwarz luden dazu ein. Alan und Tim vom Jugendbeirat, beide zwölf Jahre alt, fanden ihre Ruheinsel sehr bequem. Tomaten, Auberginen, Kohlrabi, Erdbeeren, Petersilie und einiges mehr hatten Bewohner des Altenheims Mariä Verkündigung gemeinsam mit der Garten-AG der nahe gelegenen Goetheschule in den Tagen zuvor in drei Hochbeete gepflanzt. Mitgemacht hatte auch Marie Luise Andres, die nun mit Heimleiterin Rebecca Bauer zu einem Rundgang dorthin unterwegs war.
Am roten Band griffen Bürgermeister Gottfried Störmer (parteilos, von rechts), der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) und der Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf (Grüne) zur Schere. Dabei waren von NH Projektstadt Leiter Stadtentwicklung Markus Eichberger, Projektleiter Tjark Albrecht, Fachbereichsleiter Gregor Voss sowie MdL Alexander Bauer (CDU), Erster Stadtrat Marius Schmidt (SPD) und MdL Josefine Koebe (SPD). Foto: Hannelore Nowacki
Der Tag der Eröffnung war zugleich Aktionstag, Tag der Nachbarn, der bundesweit für mehr Gemeinschaft vor Ort wirbt, und Tag der Städtebauförderung. Auch der Alfred-Delp-Platz hat von Landesfördermitteln profitiert: Zwei Drittel der Gesamtfördersumme von rund 2,4 Millionen Euro, also 1,5 Millionen Euro kamen vom Land Hessen, die Stadt Lampertheim brachte als Eigenanteil mit 742.000 Euro das weitere Drittel auf. Als Quartierstreffpunkt für alle Generationen und Ort für Spiel und Bewegung hat der Alfred-Delp-Platz sich bei der Eröffnung präsentiert. Ganz fertig ist der Platz noch nicht, Bänke und Sitzgarnituren werden noch geliefert, die Leuchten sollen Mitte Mai eingebaut werden und am grünen Klassenzimmer wird noch eine Pergola errichtet. Außerdem wird es noch einen begrünten Pergolagang mit zwei Bänken geben.
Vor den Reden kam die Musik der MIL Walking Band, die den Schwung der Begeisterung aufnahm. „Zeig mir den Platz an der Sonne, wo alle sich verstehen, da wird die Sonne nie untergehen“ hieß es dem Anlass angepasst im Liedtext von Helmut Wehe.
Lob vom Minister, zufriedener Bürgermeister
Ein herzliches Dankeschön bekam die Landesregierung in Wiesbaden von Bürgermeister Gottfried Störmer, die für Lampertheim tief in den Fördertopf gegriffen hatte, auch für die Zehntscheune. Klimafreundlich seien 1.000 Quadratmeter Fläche für den Parkplatz an der Neuen Schulstraße dauerhaft entsiegelt worden, betonte Störmer. Versickerungsflächen wurden erweitert und ein grünes Klassenzimmer für die Grundschule geschaffen. Die öffentliche Toilettenanlage habe für viele Diskussionen gesorgt, mit der Begrünung auf der Rückseite sei jedoch ein Kompromiss gefunden worden.
„Alles in allem können wir alle mit der Anlage zufrieden sein“, sagte Bürgermeister Störmer, „der Bürgermeister ist es auf jeden Fall“. Der Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf (Grüne), in Vertretung des Landrats, betonte, dass hier in Würdigung des Ehrenbürgers Delp ein starkes Zeichen für Demokratie gesetzt werde. Die Stadtgesellschaft brauche Platz um sich austauschen zu können, Urbanität brauche Raum, mit dem Ergebnis: „Man sieht, dass es sich lohnt“. Kaweh Mansoori, der neue hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (SPD) und stellvertretender Ministerpräsident, ließ die interessierten Zuhörer wissen, dass der Städtebau der Landesregierung ein großes Anliegen sei, gefördert mit 100 Millionen Euro in diesem Jahr und 5,5 Millionen Euro für Lampertheim einschließlich der Zehntscheune.
Die Eröffnung des neu gestalteten Alfred-Delp-Platzes zog zahlreiche Besucher aus der ganzen Stadt und der Nachbarschaft an (links hinten das Alten- und Pflegeheim Mariä Verkündigung). Foto: Hannelore Nowacki
Die Menschen zusammenzubringen, darum gehe es, wobei deren Engagement eine große Rolle spiele. „Lampertheim ist auf dem guten Weg“, meinte der Minister auch mit Blick auf die Beteiligungsplattform auf der Homepage und wünschte viel Freude an diesem Platz.
Unter den Ehrengästen war der Vorsitzende der Mannheimer Alfred-Delp-Gesellschaft Dr. Peter Kern, der mit den Politikern später im kleinen Rahmen an der Gedenkstele für den Lampertheimer Ehrenbürger Pater Delp über dessen Bedeutung für die heutige Gesellschaft und Demokratie sprach.
Kritik von Anwohnern
Nicht zufrieden sind einige Anwohner, die das Gespräch mit dem TiP suchten. „Eine Schande“, rief ein Anwohner mit Blick auf die Toilettenanlage. Auch Saad Masraf kann sich mit dem Anblick der Toilettenanlage vor seinem Haus nicht anfreunden, ein anderer Platz wäre möglich gewesen, ist er überzeugt. Damit die Begrünung der Rückwand zügig gedeiht, will seine Ehefrau Melanie Keinrath-Masraf für die Pflege sorgen. Mit Widrigkeiten ist jedoch zu rechnen, wie sich während des Gesprächs zeigte: Eine Mutter ließ ihr Kind ins Beet Pipi machen. Darauf angesprochen, erklärte sie, die 50 Cent für die Toilette habe sie nicht dabei. Über 30 Parkplätze seien weggefallen, kritisiert Masraf, weit mehr also als die von der Stadt gezählten acht. Und wo können Besucher parken? Vor den Häusern gehe es aufgrund des Parkverbotes nicht mehr. Das betreffe auch die Bewohner der Seniorenwohnungen. Und dann ist da noch die neue Pflasterung, die ungünstigerweise zu den Grundstücken hin abfalle, das stört auch eine Nachbarin.