Die Matthäuskirche in Darmstadt war das Ziel des diesjährigen Jahresausflugs des Evangelischen Bundes Lampertheim. Foto: oh
LAMPERTHEIM - In jedem Jahr führt der Jahresausflug des Evangelischen Bundes in eine sehenswerte Kirche in der näheren Umgebung von Lampertheim. Am 13. Oktober war die Matthäuskirche in Darmstadt das Ziel. Sie liegt in der Heimstättensiedlung in Darmstadt, in der die Flüchtlingswellen nach dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg Häuser und Heimat fanden. Die Grundsteinlegung für die Matthäuskirche fand vor 70 Jahren am 3. September 1949 statt. Sie gehört zu den sogenannten „Notkirchen“, die der Architekt Otto Bartning nach dem zweiten Weltkrieg in ganz Deutschland erbaute. Das Notkirchenprogramm war ein Holzbausatz-System, bei dem alles, vom Dachsparren bis zur Altardecke, nach Katalog bestellt werden konnte. Im Gegensatz zu einigen anderen Notkirchen in Deutschland – bei denen eine nur teilweise zerstörte Kirche saniert wurde – entstand die Matthäuskirche komplett neu. Die Darmstädter Heimstättensiedlung hatte zuvor kein eigenes evangelisches Kirchenbauwerk. Die Gemeindemitglieder setzten den Bausatz selbst, innerhalb von 1.500 Arbeitsstunden, zusammen.
Der heutige Gemeindepfarrer Andreas Schwöbel nahm sich viel Zeit, um der interessierten Gruppe die Besonderheiten der Kirche nahezubringen. Das Dach ist ganz aus Holz, das aus dem Schwarzwald stammte und bildet in seiner Form ein Zeltdach, das den damals so ungesicherten und entfremdeten Menschen in besonderer Weise Schutz, Wärme und Vertrauen bot. Die unverputzten, aus Trümmersplittstein ausgemauerten Innenwände der Kirche sind ausgestaltet mit Malereien des Heidelberger Malers Willi Sohl. Die biblischen Motive, die in Eitempera aufgetragen wurden, spiegeln die Traurigkeit und teilweise auch die Verlorenheit der Menschen in den Nachkriegsjahren wider, aber sie zeigen auch die Hoffnung auf eine Zukunft unter Gottes Geleit und die Gemeinschaft, die die Einzelnen in ihrem Schicksal stärkt. Die einfühlsame Interpretation von Pfarrer Schwöbel und die deutlichen Worte, die er für den heutigen Auftrag von Kirche fand: das Evangelium zu bekennen und für die Menschen da zu sein berührte die Gruppe des Evangelischen Bundes sehr. Leider ging der Aufenthalt in Darmstadt viel zu schnell zu Ende, da bei Fahrtbeginn ein Stau die Reisezeit beeinträchtigt hatte. Mit einer gemeinsamen Abendvesper in Lorsch endete der diesjährige Ausflug, der in der Gruppe übereinstimmend guten Anklang fand. zg