Aktionsbündnis der BILA und der Lampertheimer Landwirte mobilisierte rund 3.000 Menschen
Lampertheimer unterstützen Protestaktion
Auf einem rund sieben Kilometer langen Rundweg zeigten die BILA Mitglieder, hier Helmut Hummel, auf, was die C-Trasse für die Feldgemarkung und die landwirtschaftlichen Betriebe bedeuten würde. Foto: Eva Wiegand
LAMPERTHEIM – Sie machen sich bereits seit rund zehn Jahren stark, nun fand nach der Lichter-Demo am 1. März 2019, die den Schutz des Waldes im Fokus hatte, am Wochenende erneut eine Aktion der Bürgerinitiative Lampertheim (BILA), gemeinsam mit den Lampertheimer Landwirten, gegen den eventuellen Verlauf der neuen ICE-Neubaustrecke auf der Teilstrecke zwischen Lorsch und Lampertheim statt. Ihrem Ziel, den Widerstand gegen die C-Trasse deutlich zu machen und die Bahn dadurch dazu zu bringen, die in der Region bevorzugte Konsenstrasse zu realisieren, ist die BILA am vergangenen Sonntag wieder ein Stückchen näher gekommen – viele Menschen haben sich informiert und sich über das Ausmaß der Zerstörung, sollte es zur Zerschneidungsvarinate kommen, informiert. Eigentlich sollte Ende September die von der Bahn favorisierte Trassenführung bekanntgegeben werden. Dieser Termin hat sich nun auf Ende des Jahres verschoben. Darin sieht BILA Sprecher, Dekan Karl-Hans Geil, ein gutes Zeichen: „Das zeigt, wie genau wir beobachtet werden und auch die Lichter-Demo hat deutlich gemacht, wie groß der Widerstand hier ist. Dieser Tag heute stellt noch einmal klar, dass sich hier nicht nur ein paar alte Herren gegen die C-Trasse wehren“, betonte Geil, der mit seinen Mitstreitern aus BILA und den Landwirten, die durch die Zerschneidung ihrer Felder betroffen wären, am Aktionstag der Bevölkerung deutlich machen wollte, wie groß der Grad an Schädigung mit der C-Trasse sein würde. „Mit der Zerschneidungsvariante würden die Entwicklungen der letzten 20 Jahre zunichte machen. Da war man bemüht, die Biotope zu vernetzten“, erklärte Geil. An sechs Stationen, unter anderem dem Angelweiher, der Grube Feuerstein und den Biotopen Heidebuckel und Bruch, erläuterte der Rundweg die zu erwartenden Schädigungen der Natur. Hier hielten die Organisatoren am Sonntag an allen Stationen mit Plakaten und kurzen Erläuterungen viele Informationen zur Bedeutung der Biotope für die Besucher bereit. Problematisch sieht Geil auch die Qualität des Eingriffs, die bei der Suche der Bahn nach der wirtschaftlich günstigsten Variante bisher gar keine Berücksichtigung fand. „Bei der Suche nach der günstigten Varinate geht es nur um quantitative Parameter“, erläutere er weiter. „Dass es bei dem Korridor der Zerschneidungsvarinate von 80 Metern Breite aber bei Weitem nicht bleiben wird, ist sicher. Es gehen viele weitere Flächen während des Baus verloren“, mit schlimmsten Folgen für den Wald und die Existenz der Lampertheimer Landwirte, ist sich Geil sicher. Deshalb war der Sonntag für das Aktionsbündnis ein großer Erfolg. Viele waren dem Aufruf gefolgt und im Vergleich zur Lichter-Demo konnte bei der Protestaktion am Sonntag eine deutliche Steigerung verzeichnet werden. „Eine genaue Zahl ist nicht ermittelbar. Wir schätzen nach Rücksprache mit den Stationen zwischen 3000 und 4000 Menschen“, teilte Geil im Nachgang mit. Doch nicht nur die Bürger unterstützen die BILA. Es zeigte sich: Einigkeit herrscht auch zwischen dem Kreis und den betroffenen Kommunen. So war auch die Lorscher Bürgerinitiative „Mensch vor Verkehr“ mit ihrem Sprecher Dr. Jürgen Reiter vertreten. Neben Landrat Christian Engelhardt, meldeten sich der Landtagsabgeordnete Alexander Bauer, Erster Stadtrat Jens Klingler und der Kreisbeigeordnete Karsten Krug zu Wort und stellten klar, dass sich die Region nicht gegen die Bahntrasse selbst stelle, sondern gemeinsam eine ganz konkrete Variante fordere - „Mensch und Natur vor Verkehr“. „Die ICE-Trasse muss kommen, aber so, dass es für alle verträglich ist“, betonte Klingler. Marius Schmidt, der Fraktionsvorsitzende der SPD, der auch für die Bundetagsabgeordnete Christine Lambrecht sprach, machte deutlich, dass es ihr Anliegen sei, die C-Trasse zu verhindern und bei der Konsensvariante zu bleiben. Die Bahn habe es eilig und könne sich gerichtlichen Widerstand zeitlich nicht leisten, machte der Landrat deutlich. Schließlich sicherte er die Unterstützung des Kreises zu: “Kommune und Kreis werden dort gegen die Strecke vorgehen, wo sie unseren Anforderungen nicht gerecht wird.“ Eva Wiegand