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    KUNDGEBUNG: Mehrere hundert Teilnehmer auf dem Schillerplatz demonstrierten für Vielfalt und Toleranz

    Lampertheimer zeigen Flagge und setzen Zeichen für demokratische Werte

    Auf dem Schillerplatz hatten sich zur Kundgebung hunderte Teilnehmer versammelt, die den Rednern durch Applaus ihre Zustimmung signalisierten. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Mehrere hundert Teilnehmer waren dem Aufruf des Lampertheimer „Bündnis für Demokratie“ zur Teilnahme an der einstündigen Kundgebung für Vielfalt und Toleranz, gegen Hetze, Ausgrenzung und Hass gefolgt. „Lampertheim zeigt Flagge“ war das gewählte Motto des gemeinsamen Aufrufs von 25 Organisationen anlässlich des Internationalen Tags gegen Rassismus. Auch aus den Nachbargemeinden waren Menschen am späten Donnerstagnachmittag auf den Schillerplatz gekommen, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Die Idee zur Kundgebung war von Bürgermeister a. D. Erich Maier, Oliver Schmitt, Renate Nagel und Gewerkschafter Norbert Fuchs ausgegangen, die sich auch um die Organisation gekümmert hatten. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde stellte unentgeltlich die Lautsprechertechnik zur Verfügung. Die Redner repräsentierten ein breites politisches und gesellschaftliches Spektrum.

    Eindringliche Appelle für Demokratie und Vielfalt

    Einer der Redner war Jürgen Eberle, der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung in Bürstadt, der sich gegen jegliche Form von Rassismus und Diskriminierung wandte und aufrief, gemeinsam ein Zeichen zu setzen, nicht nur heute, sondern jeden Tag. „Lasst uns zusammenstehen für Vielfalt, Respekt und Toleranz, lasst uns mit Mut, Herz und Verstand für diese Sache kämpfen für eine Welt, in der alle Menschen gleichberechtigt und in Frieden miteinander leben können“. In seiner einleitenden Ansprache sagte Oliver Schmitt, Ortsvorsteher in Rosengarten und einer der Initiatoren der Kundgebung, angesichts der Entwicklung in den letzten Monaten sei es wichtig, an diesem Tag für Menschenrechte für alle ein Zeichen zu setzen – „für Lampertheim und unser Land“. Schmitt erinnerte an den Ursprung dieses Internationalen Tags gegen Rassismus, als am 21. März 1960 in Südafrika unter dem Apartheidsregime bei einer Demonstration 69 Teilnehmer starben. Aus der Mitte der Gesellschaft komme das breite Bündnis aus 25 Organisationen mit Teilnehmern aus Lampertheim, Biblis, Bürstadt und Groß-Rohrheim, die Haltung und Flagge zeigen, betonte Marius Schmidt in seiner Rede. Das machte Mut meinte der Erste Stadtrat und Vorsitzende der Integrationskommission, der möchte, dass die Mitmenschlichkeit siegen werde, dass es normal ist verschieden zu sein. Auch mit Blick auf den jährlichen Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März. Bürgermeister Gottfried Störmer begann seine Rede mit den Worten „heute ist mein Glaube an die Demokratie gestärkt – Lampertheim zeigt Flagge heute und an jedem anderen Tag“. Sein Appell: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Lampertheim eine Stadt bleibt, in der jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, willkommen ist und sich zuhause fühlen kann“.

    Marius Schmidt, Erster Stadtrat der Stadt Lampertheim und Vorsitzender der Integrationskommission, macht sich für die Vielfalt und Mitmenschlichkeit stark. Foto: Hannelore Nowacki


    Mahnung: Jetzt gegen Hetze, Ausgrenzung und Hass eintreten

    Gewerkschafter Karl Klemm vom DGB Lampertheim spannte in seiner Rede den politischen Bogen von der Hitler-Diktatur bis zur Gegenwart und rief dazu auf, „den Mund aufzumachen gegen Hetze und den Hintern hochzukriegen“. Von Anfängen könne keine Rede mehr sein, betonte Klemm in Erinnerung an das Erstarken der NPD vor Jahrzehnten. Sein Aufruf: „Lassen Sie uns zusammenstehen – die Welt ist das, was ihr daraus macht“. Der Imam und Theologie der Lampertheimer Ahmadiyya-Gemeinde Murtaza Ahmad Mannan stellte fest, dass Rassismus nicht der Vergangenheit angehöre. Im Koran habe Gott jedoch klargemacht, dass die Menschen eine Familie sind. Die Lampertheimer Stadtverordnete Petra Brandt stellte sich als Bürgerin und Mensch mit Behinderung, lesbische Frau und Teil der LGBTQ-plus-Gemeinde vor und warnte, dass es von Vorurteilen nicht weit sei bis zur Diskriminierung. Mit großem Unbehagen habe sie von den rechtsradikalen Deportationsfantasien gehört. Das richte sich gegen alles, was unsere Gesellschaft ausmache. Die AfD sei für sie die größte Bedrohung „unserer Demokratie in Deutschland“. Im Rückblick auf die deutsche Vergangenheit und den 20-Prozent-Wähler-Anteil der AfD in Lampertheim bei der letzten Landtagswahl meinte sie, eine solche menschenfeindliche Ideologie dürfe sich nicht ausbreiten und Rechtspopulisten seien keine Alternative. Pfarrerin und stellvertretende Dekanin der evangelischen Kirche für die Bergstraße Silke Bienhaus kündigte an als Christin zu sprechen, den Worten ihrer Vorrednerin mit dem Appell für eine offene Gesellschaft und Menschenrechte schloss sie sich ausdrücklich an. Sie machte deutlich, dass mit der Demokratie bald Schluss sei, wenn Rechtsaußen das Sagen habe wie die Erfahrungen von 1933 gezeigt hätten. „Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben“. Bienhaus wies darauf hin, dass die Bibel durchdrungen sei von Fluchterfahrungen und zitierte die Worte Jesu: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“. Als letzter Redner ging Manfred Forell von der Initiative „Vielfalt.Jetzt!“ ans Mikrofon, um unter anderem an den Leitgedanken des Grundgesetzes im Artikel 1 zu erinnern: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ein Gedanke, der längst nicht von allen Bundesbürgern umgesetzt werde. Die AfD ordnete er als rückwärtsgewandt ein und bezog sich mit einem Ausspruch des Philosophen und Soziologen Theodor Adorno auf die Gefahr des Faschismus, dieser habe gesagt: er habe Angst vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.

    Hannelore Nowacki

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