Fr., 03. April 2020, 09:46 Uhr
80.000 Erntehelfer dürfen laut Bundeskabinett im April und Mai einreisen
Landwirtschaft braucht weiterhin viele Helfer
LAMPERTHEIM – Am Donnerstagnachmittag wurde der Beschluss der Bundesregierung bekannt – insgesamt dürfen 80.000 Erntehelfer in Deutschland einreisen, verteilt auf April und Mai. Es geht darum, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gesichert werden muss. Einfach wird es trotzdem nicht, denn die Erntehelfer werden nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts einer Gesundheitsprüfung unterzogen und müssen 14 Tage lang im Betrieb von den bereits anwesenden Mitarbeitern getrennt untergebracht werden, ist der Pressemitteilung von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht zu entnehmen. Können die Landwirte in Lampertheim und im Ried nun aufatmen? Der TIP hat drei Lampertheimer Landwirte am Donnerstagabend für eine telefonische Stellungnahme erreicht. „Sehr erfreut“ zeigt sich Dr. Willi Billau über die Kabinettsentscheidung. Aber – es gehe nur einfliegen und es sei nur ein Viertel der Erntehelfer, die gebraucht werden. Normal seien 300.000 ausländische Erntehelfer in Deutschland, zurzeit seien 100.000 da, erklärt Billau, der auf eine Nachregulierung hofft. Die Verteilung auf die Betriebe müsse „äußerst sorgfältig geschehen – wir wissen noch nicht wie das genau läuft“. Die Frage sei auch, ob die Erntehelfer aus Osteuropa überhaupt kommen wollen. Ein allgemeines Problem: „Kein Tag ohne neue Informationen“. Und wie sieht es mit den Leuten aus der Region aus, die sich aktuell bewerben? „Grundsätzlich sind wir froh, wenn jemand kommt und bleibt“. Diese Helfer können beispielsweise eingesetzt werden zum Maschinen bedienen oder Spargel ausfahren, „wo es eben geht“. Bei allen Herausforderungen gelte: „Wir sind kreativ“. Eine pragmatische Haltung, die bei den Interviews insgesamt deutlich wurde. „Die Entscheidung ist positiv und für die Versorgung der Bevölkerung unbedingt notwendig“, sagt Gerd Knecht, „die Landwirtschaft ist systemrelevant“. Ob diese Regelung eine Lösung ist, werde sich zeigen. Zu den Problemen gehöre: Zurzeit keine Flugverbindung, Ausgangssperre in Rumänien und Leute haben Angst wegen Corona in Deutschland. Nach Lösungen werde mit vielen weiteren Akteuren gesucht. Statt 90 dürften die Erntehelfer nun 115 Tage bleiben, eine Erleichterung. Werner Hartmann findet die Entscheidung „grundsätzlich positiv“. Ob die Einreise mit dem Auto oder Flugzeug möglich ist, müsse jetzt geprüft werden. Die Lage bleibe angespannt, für die Verteilung der Erntehelfer gebe es keine klare Linie oder Formel. Ein weiteres Problem – bei voller Spargelernte könne nicht alles verkauft werden, weil die Gastronomie fehle. Sehr eindrucksvoll findet Hartmann die sehr große Bereitschaft der Menschen hier der Landwirtschaft zu helfen. Hannelore Nowacki