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  • Mo., 25. Februar 2019, 16:24 Uhr
    Erster Stadtrat Jens Klingler äußert angesichts explodierenden Kosten bei Kinderbetreuung klare Worte / SPD unterstützt Pläne der Verwaltung

    „Lassen Eltern bei Betreuung trotz hoher Kosten nicht allein”

    Die städtischen Kitas sollen nacheinander für den Ganztagesbetrieb umgerüstet werden – die Kita Guldenweg, die auch Familienzentrum werden möchte, soll hierbei den Auftakt bilden. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Im Kreis Bergstraße werden immer mehr Kinder geboren, zudem erfreut ich die Region eines stetig wachsenden Zuzuges gerade von jungen Familien – so auch in Lampertheim. Diese Entwicklung hat viele positive Seiten, bringt aber auch Probleme mit sich, denn die Städte und Gemeinden müssen immer mehr Betreuungsplätze für Kinder anbieten. Diese müssen nicht nur durch einen hohen finanziellen Aufwand geschaffen werden, sondern verursachen auch dauerhafte laufende Kosten. Um über die aktuelle Situation in diesem Bereich zu informieren, hatten der Erste Stadtrat Jens Klingler, der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Marius Schmidt und die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Hartmann zu einem Pressegespräch geladen – denn eines ist klar, alleine werden die Kommunen die steigenden Kosten dauerhaft nicht stemmen können. 

    Und so sprach der Erste Stadtrat Jens Klingler, in dieser Funktion sowohl für Finanzen als auch für Soziales zuständig, angesichts der deutlichen Kostenzunahme im Bereich der Kinderbetreuung Klartext: „Diese Situation treibt dem Finanzdezernenten die Schweißperlen auf die Stirn, wir gehen auf laufende Kosten von zehn Millionen Euro für die Kindertagesstätten zu. Wir sind als Kommune an einem Punkt, an dem wir uns diese Kosten nicht mehr leisten können: In den vergangenen drei Jahren haben haben wir jedes Jahr eine Million Euro mehr für die Kinderbetreuung und die Schulen, unter anderem für den Pakt für den Nachmittag, zu finanzieren, bei einem Haushalt mit einem Gesamtvolumen von 80 Millionen Euro. Wir benötigen Unterstützung, wir müssen das Land mit ins Boot holen.”

    Neue Kita in der Kernstadt

    Fest steht aber auch, dass die Stadt den Eltern die notwendigen Betreuungsmöglichkeiten bieten möchte – dabei herrscht sowohl in der Kernstadt als auch in den Stadtteilen dringender Handlungsbedarf. Der Stadtelternbeirat war bereits im Vorfeld bereits informiert worden, ebenso die Kindertagesstättenleitungen. „Wir haben die aktuellen Zahlen des Kreis Bergstraße bekommen, die wir nun in den Bedarfsentwicklungsplan einarbeiten. Dabei ist schon jetzt klar: Bis 2021 werden wir mindestens 42 Kinder mehr in Lampertheim haben, dies bedeutet zwei Kindergartengruppen, die wir Stand jetzt mehr brauchen – ohne einen Zuzug in unsere Region, ohne Familienzusammenführungen”, betonte Jens Klingler. Daher plant die Verwaltung bis 2021 mit einer weiteren Kita in der Kernstadt. „Lampertheim wächst. Wir besprechen dies jetzt mit der Politik und geben als Verwaltung das Signal, dass wir eine weitere Einrichtung benötigen.” Ein möglicher Standort stehe jedoch noch nicht fest. 

    Stadtteile wachsen

    Ganz konkreter Bedarf bestünde auch in Hüttenfeld. Hier sei die Zahl der Kinder, die einen Betreuungsplatz benötigen, auf einem hohen Niveau stabil. „Aber wir haben in Hüttenfeld zu wenig Platz und müssen eine weitere Gruppe einrichten. Hierzu sind wir im Gespräch mit der Kirchengemeinde, die einen Raum für die Kita zur Verfügung stellen kann”, erläuterte der Erste Stadtrat. In Hofheim sind die Kinderzahlen am Steigen, während in Rosengarten die Zahlen sinken. „Auch in Hofheim ist mindestens eine Gruppe zu wenig, durch den neuen Wohnraum, der in den Rheinhessen III und IV geschaffen wird, werden die Zahlen weiter ansteigen. Aktuell stehen wir in Kontakt mit der Gemeinde St. Michael und dem Familienzentrum, das hier aktuell für rund 450.000 Euro um- und gebaut wird. Wir sind sehr dankbar, dass die Leitung und die Gemeinde einverstanden sind, zehn Plätze zu schaffen”, so Jens Klingler weiter. Zudem wird geprüft, in wie weit Kinder aus Hofheim die Kita in Rosengarten besuchen können. Und: „Es gibt die Option, in der alten Schule in Hofheim ein bis zwei Kindergartengruppen unterzubringen. Dies wäre ein idealer Standort und eine sinnvolle Nutzung des Gebäudes, auch wenn hier natürlich auch Geld in die Hand genommen werden muss. Dies wäre eine gute Übergangslösung für mindestens drei Jahre, um zu sehen, wie sich die Zahlen genau entwickeln.”

    Ganztagesbetrieb ermöglichen

    Ein weiteres Problem: Keine der städtischen Kitas, mit Ausnahme der neuen Kita Farbenfroh in der Ringstraße, sind für Ganztagesbetrieb ausgerichtet, auch hier steigt jedoch der Bedarf. Der Plan der Stadtverwaltung sieht vor, jedes Jahr eine der städtischen Kitas so umzubauen, so dass eine Mensa möglich ist. Begonnen werden soll mit der Kita Guldenweg, da hier aufgrund des Wasserschadens ohnehin Renovierungsarbeiten anstehen, die man so integrieren könnte. Laut Jens Klingler sind hierfür 150.000 Euro an Kosten für den Umbau geplant. Zumal die Kita Guldenweg auch Familienzentrum werden möchte, was gerade mit Blick auf das benachbarte Seniorenwohnheim sehr sinnvoll ist. 

    Erweiterte Öffnungszeiten?

    Es gibt also viel Handlungsbedarf. Ein positives Signal aus der Politik sendete in diesem Zusammenhang. Marius Schmidt. „Wir unterstützen die Forderung der Verwaltung bezüglich einer Unterstützung durch das Land und auch die Pläne bezüglich der Modernisierung der bestehenden Kitas sowie eines Neubaus in der Kernstadt”, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Dabei lege die SPD bei der Kinderbetreuung nicht nur Wert auf die Quantität, sondern vor allem auch auf die Qualität. So müsse dem veränderten beruflichen Umfeld der Eltern Rechnung getragen und über die Öffnungszeiten geredet werden. „Zwei Kitas sollen mittelfristig bis 18 Uhr öffnen, zudem ist in diesem Bereich eine Vernetzung zu Tageseltern eine wichtige und sinnvolle Ergänzung und Alternative, um eine passgenaue Betreuung zu gewährleisten“, ist Marius Schmidt überzeugt. 

    Bezüglich der Familienzentrum betonte er, dass es wichtig sei, nicht allein das Kind, sondern die ganze Familie in den Mittelpunkt zu rücken. Die Kita Guldenweg sei hier die erste Option, die SPD unterstütze diesen Wunsch. Ein weiterer Schwerpunkt sei der steigende Bedarf an einer Einzelintegration, immer mehr Kinder bedürften einer individuellen Förderung. Wichtig sei hier, die Kitas und die Erzieherinnen zu sensibilisieren. „Wir dürfen kein Kind zurücklassen, auch hier ist das Land gefordert”, so Marius Schmidt. In diesem Zusammenhang ergänzte Karin Hartmann, dass viele Familien ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr nachkommen und denken, dass hierfür die Betreuungseinrichtung zuständig ist. Dabei müsse das Elternhaus vielmehr Partner bei der Erziehung sein. Benjamin Kloos

     

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