So., 16.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 20. August 2025, 14:20 Uhr
    HEIMATMUSEUM LAMPERTHEIM: Erster Mundartabend nach fünf Jahren Pause mit drei ausverkauften Vorstellungen „Dess schafft nid emol die Faierjawea“

    Lebendiger Dialekt in Gedichten und Volksstück

    Nachbar Philipp (Christoph Oberfeld) wird jetzt vom Friseurmeister (Stefan Weis) persönlich eingeseift, nachdem Friseurhelferin Martha (Ronja Kärcher) den richtigen Kniff nicht wusste und die Meistergattin Luis (Marion Justen) den armen „Nochba“ mit dem Rasierpinsel malträtiert hatte.
    Foto: Hannelore Nowacki

    LAMPERTHEIM –  Nach fünf Jahren Pause erlebten die Zuschauer wieder einen Mundartabend im romantischen Innenhof des Heimatmuseums, zur Premiere und an den beiden folgenden Abenden ausverkauft. Das frühere bäuerliche Gehöft wurde um das Jahr 1737 erbaut und nach der über ein Jahr dauernden Renovierung im April letzten Jahres wieder eröffnet. Ein kräftiger Nussbaum ist in Jahrzehnten gewachsen und trägt zur anheimelnden Atmosphäre bei. Der warme Sommerabend, der einem sonnigen Tag mit heißen 30 Grad und mehr gefolgt war, kurbelte den Durst der Besucher bei der Premiere letzte Woche an, auch  Brezeln waren im Angebot. Stefan Herz, Vorsitzender des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins (HKuMV), eröffnete den Abend mit der Begrüßung mehrerer Ehrengäste, unter ihnen Bürgermeister Gottfried Störmer und sein Nachfolger Alexander Scholl sowie Pfarrer Christian Rauch und Spargelkönigin Nadine III., die anschließend in ihrer Ansprache die Leistung und den Zeitaufwand im Ehrenamt würdigte, die der Verein mit seiner erneuerten Theatergruppe erbringt. „Feiern Sie mit uns die Rückkehr unseres Mundartabends“, rief Vereinsvorsitzender Herz den Zuschauern zu, denen er Humor und Können in jeder Zeile in Aussicht stellte. Als Oahsaga oora als Conférencier führte Rainer Müller durch das Programm, das mit mundartlichen Gedichten und Versen in der ersten Stunde begann und nach einer Pause im zweiten Teil ein Volksstück von Heinrich Karb in einem Aufzug aus dem Jahr 1996 mit dem Titel „Dess schafft nid emol die Faierjawea“ auf die erneuerte Bühne brachte. Das Bühnenbild zeigte einen Friseursalon um das Jahr 1900, an dem die Museumsgeister gemeinsam mit dem versierten technischen Apparat der Volksbühne Hand angelegt hatten. Im Rückblick auf die fünf Jahre meinte Müller das sei wie ein Jahr Worschd ohne Senf gewesen, andererseits fühle es sich an „als wär’n wir nicht fortgewesst“.  

    Heinz Eichenauer liebt Lampertheim, wie er auch gesanglich mit seinem Lied deutlich machte.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Gereimter Ohrenschmaus in Lampertheimer Mundart

    Die ersten beiden Gedichtvorträge hörten die Zuschauer von Erika Krämer-Tomczak, wie Heinz „Clever“ Eichenauer und Peter Bischof eine der tragenden Säulen der Lampertheimer Mundart. Nach den eigenen Versen zu „Loambedde“ mit romantischen Ausblicken auf den Biedensand mit Vogelzwitschern und Appelwiesen und einer kulinarischen Reise zu den heimischen Genüssen mit Gemüse und einer „Supp aus Spargelbrüh“ berichtete sie im Gedicht von Heinrich Karb über Erlebnisse beim „Frankforter Dokter“. Heinz Eichenauer, Kerweborscht und gefeierter Kerweredner, der kein Blatt vor den Mund nimmt, führte das Publikum stimmungsvoll und stimmgewaltig in die Zeit zurück, als man in Lampertheim noch über 100 Wirtschaften und Kneipen kannte, wo sich die Leute getroffen haben, eine richtige Kneipenkultur sei es gewesen – eine Liebeserklärung mit Namen und Örtlichkeiten wie die Dorfschenke in der Kaiserstraße, die heute nicht mehr geläufig sind. Auch das Singen ist Eichenauer in die Wiege gelegt, wie seine selbst gedichtete Liebeserklärung an seine Heimatstadt bewies, ein Lied mit Herz gesungen und zum Mitsingen, belohnt mit rauschendem Applaus: „Ja, ich lieb dich mein schönes Lampertheim“. Neu im Bunde der Mundartvortragenden ist Irini Huthmann, die mit dem Gedicht von Walter Beck ein Loblied auf die „Worschd“ ausbringt, insbesondere die Blut- und auch die Leberwurst. Peter Bischof erweiterte das fleischliche Thema detailreich mit seinem Vortrag „Schlachtfest im Monnemer Hof“ über die Wurst hinaus. Auch das ist lang her, als es in Lampertheim überall noch Metzger gab und Metzger Rudi für die Sau parat stand.  

    Die Blicke auf die Bühne gerichtet, amüsierten sich die Zuschauer bei mundartlichen Gedichten und Geschichten.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Beim Friseur raucht‘s

    Als Heinrich Karb sein Mundartstück „Dess schafft nid emol die Faierjawea“ im Jahr 1996 schrieb, nahm er fiktive Geschehnisse aus einem Friseursalon in der Zeit um 1900 aufs Korn. Damals wie heute bot sich das Warten auf die Rasur oder die neue Frisur für Gespräche zu aktuellen Themen an. Dass in Amerika ein Apparat zum Rasieren erfunden wurde, war für den Friseurmeister kein Grund zur Beunruhigung. Im Friseursalon auf der Bühne ging es rund, immerhin hatten zehn „Speela“ ihre Rollen auszufüllen. Da wurde gebabbelt, das Neueste aus der Zeitung berichtet  und auch geschimpft, wenn Friseurmeister Michel Becker (Stefan Weis) und auch die resolute „Meschdagaddin“ Luis Becker mit den Leistungen der Friseahelfan Martha (Ronja Kärcher) und Geselle Andres (Simon Kärcher) nicht zufrieden waren. Zum Kartoffelschälen verschwand „dess Leamädsche“ Erna (Katrin Justen) hinter der Bühne in der Küche, wo auch der nicht sichtbare Damensalon verortet war, in dem Emma Bauer (Angelika Keßler), dem Feuerwehrhauptmann Georg Bauer (Patrick Rupp) „soi Fraa“, verschönert wurde. An Kunden mangelte es nicht, de Nochba Philipp (Christoph Oberfeld) kam zur Rasur, ebenso Brandmeister Emil (Rainer Anthes) in roter Feuerwehr-Ausgehuniform, aus feinem Wollstoff und vom Schauspieler selbst genäht. Ein weiterer „Kunne“, der Zacharias, wurde von Claudia Jörgensen dargestellt. Geselle Andres befand, dass Metzger Wacker gute Worschd habe und der Feuerwehrhauptmann wusste, dass die Benzinkutschen, die neuerdings in Lampertheim zu sehen waren, ihr Benzin beim Apotheker holen. So ein Fläschchen zur Anwendung beim Friseur führte zur Überraschung der Kundin zum Schluss zu einem Knall und viel Rauch. Regie führten Stefan Weis und Wolfgang Keßler, Christian Kärcher sufflierte und Käthe Lahr-Bachert hatte die Speela frisiert. Zum Abschluss sangen Zuschauer und Mitwirkende gemeinsam das Lampertheimer Spargellied, mit der historischen Drehorgel begleitet, die Christoph Oberfeld rasant bediente.  

    Hannelore Nowacki

     

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige TicketshopAnzeige 3 Anzeige - 2