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  • Mo., 12. April 2021, 16:39 Uhr
    GEDENKEN: Erinnerung an Corona-Tote am 18. April in Kapelle des Waldfriedhofs Neuschloß / Persönliche Botschaft kann an Trauerbaum angebracht werden

    Lebendiges Zeichen der Trauer, Erinnerung und der Hoffnung

    Die Stadtverwaltung und die Kirchengemeinden Lampertheims haben gemeinsam eine Möglichkeit geschaffen, die der aktuellen Lage angemessen ist und die es ermöglicht, Abschied zu nehmen und ein Zeichen der Erinnerung und der Hoffnung zu setzen. Foto: www.pixabay.com


    LAMPERTHEIM – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat offiziell am 18. April zum gemeinsamen Gedenken an die Verstorbenen in der Corona-Pandemie aufgerufen. An diesem Tag werden die Bürgerinnen und Bürger gebeten, innezuhalten, um den Hinterbliebenen eine Stimme zu geben und in Würde Abschied von den Toten zu nehmen. Denn dies war aufgrund der aktuellen Bestimmungen leider nicht immer der Fall. In Lampertheim laden die Stadtverwaltung und die Kirchengemeinden gemeinsam zu einem besonderen Gedenken ein: Am Sonntag, 18. April, wird in der Kapelle des Waldfriedhofs in Neuschloß von 12 bis 14 Uhr ein zentrales Erinnern und Gedenken ermöglicht, natürlich unter der Einhaltung der Abstands- und Sicherheitsbestimmungen. Das Gedenken ist auch den Hinterbliebenen gewidmet, die ihre Angehörigen beim Sterben nicht begleiten durften und denen trostspendende Rituale der Trauer nicht möglich waren. 

    Für die Beteiligten ist es wichtig zu betonen, dass jedem Menschen, unabhängig seiner Konfession oder Glaubensrichtung, die Möglichkeit gegeben wird, in der Kapelle in Neuschloß innezuhalten, Abschied zu nehmen, zu trauern und Hoffnung zu schöpfen. Bei diesem Angebot handelt es sich jedoch nicht um einen Gottesdienst. In der Zeit von 12 bis 14 Uhr können am Sonntag Besucherinnen und Besucher in begrenzter Anzahl die Kapelle betreten und ihr persönliches Gedenken begehen. Es besteht die Möglichkeit kurz innezuhalten und auf einer bereit gestellten Karte eine persönliche Botschaft an einen Trauerbaum anzubringen. Angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen findet das Gedenken unter den notwendigen Schutzauflagen statt. Die Besucher werden gebeten, zum Ausfüllen ihrer Botschaft einen eigenen Stift mitzubringen, da die Weitergabe an Personen außerhalb des gleichen Hausstandes aus hygienischen Gründen nicht gestattet ist. Zeitweise kann es zu Wartezeiten vor der Kapelle kommen. Natürlich ist auch auf den Friedhöfen an den jeweiligen Gräbern ein Gedenken und Trauer möglich. Während beider Stunden werden Vertreter der Kirchengemeinden vor Ort sein, um für ein persönliches Gespräch oder seelsorgerisch zur Seite stehen zu können.

    Zusätzlich zum sichtbaren Zeichen des Trauerbaums werden am Sonntag um 12 Uhr die Kirchengemeinde mit einem gemeinsamen Glockengeläut beginnen. Damit soll neben dem sichtbaren auch ein hörbares Zeichen des Gedenkens gesetzt werden und allen, die nicht zur Kapelle kommen können, die Möglichkeit gegeben werden, innezuhalten. Und vor dem Stadthaus werden die Fahnen auf Halbmast gehängt.

    Bürgermeister Gottfried Störmer betonte bei der Vorstellung dieser besonderen Gedenkveranstaltung, dass diese „wichtig ist, auch um ein Signal an die Bevölkerung zu senden: Die Corona-Pandemie ist nicht zum Ignorieren da, sondern sie ist eine Gefahr für die Gesundheit. Allein in Lampertheim sind 50 Menschen an und mit Corona verstorben. Es ist gut, dass Bundespräsident Steinmeier bereits frühzeitig signalisiert hat, dass wir uns an diese Verstorbenen erinnern sollen. Wir möchten am Sonntag die Möglichkeit bieten, den Toten in angemessener und stiller Weise für sich und individuell zu gedenken. Ganz großer Dank für das Mitwirken und die Anregungen seitens der Kirchengemeinden.“

    Der Erste Stadtrat Marius Schmidt betonte die große Leistung, die hier vollbracht wurde, in so kurzer Zeit eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen und erläuterte den Ablauf am Sonntag. „Abschied nehmen ist Start des Erinnerns. Wir haben in Lampertheim aufgrund von Corona nicht nur 50 Einzelschicksale, Familien und Freundesgruppen, sondern auch Menschen, die nicht richtig Abschied nehmen konnten. Corona ist ein einschneidendes Ereignis einer ganzen Generation von Menschen. Daher sollten wir am Sonntag eine Tradition des würdigen Gedenkens starten, die es in Lampertheim dauerhaft geben soll. Die Kapelle ist an diesem Tag für zwei Stunden geöffnet, musikalisch untermalt durch Matthias Karb. Zudem erinnert ein Video des Chor Ephata an die Lampertheimer Corona-Toten.” 

    Das Gedenken soll neben dem Trauern und Erinnern auch ein Zeichen der Zuversicht und des Lebens senden. Es soll Kraft spenden und der Hoffnung Ausdruck geben, dass man die Pandemie mit gemeinsamen Kräften überwinden kann. Daher wartet am Ausgang der Kapelle in Neuschloß auch eine von den Kirchengemeinden gemeinsam gestaltete Botschaft der Hoffnung. 

    Abschied soll ermöglicht werden

    Birgit Bongiorno von der katholischen Pfarrgruppe ist seit mehr als zehn Jahren im Beerdigungsdienst tätig. „Es ist sehr berührend und es nimmt einen mit, dass Menschen sich in dieser Zeit nicht verabschieden können und in  ihrer Trauer zurückgelassen werden. Gerade in den Krankenhäusern ist häufig kein Abschied möglich. Es gibt viele Menschen, die trauern, auch ohne Konfession. Alle, die Begleitung suchen, sind bei uns herzlich willkommen, denn Trauerspaziergänge und persönliche Gespräche sind auch zur Zeit möglich.” Pfarrerin Sabine Sauerwein von der Lukasgemeinde ergänzte, dass es wichtig ist, „auch an die Menschen zu erinnern, die an Einsamkeit leiden, an Kinder und Jugendliche, die ein wichtiges Jahr verliere und an Menschen, die in Sorge um ihre Existenz sind. Auch an diese kann und soll an diesem Tag gedacht werden.”

    Weitere Angebote in Hofheim

    Zusätzlich zum Gedenken in Neuschloß gibt es in Hofheim zwei weitere Angebote des Erinnerns und Gedenkens, die als Ergänzung zu sehen sind:  Die katholische Pfarrgemeinde St. Michael wird einen Gottesdienst zum Gedenken an die Coronaopfer feiern, darüber hinaus wird es auf dem Kirchplatz ein Trauergesteck und ein Licht geben, welches für jeden zugänglich ist. Auch hier sind Trauerkarten vorhanden. „Dies ist ein Angebot für alle, die den Weg nach Neuschloß nicht machen können. Uns ist es wichtig, an diesem Tag auch in Hofheim ein Angebot vor Ort zu unterbreiten”, so Katrin Scholl für die Gemeinde. Pfarrer Holger Mett von der evangelischen Kirchengemeinde Hofheim ergänzte, dass auch vor der evangelischen Kirche ein geschmücktes Kreuz einlädt, um Abschied zu nehmen und eine Kerze anzuzünden. Gemeinschaftspastor Matthias Luz von der Liebenzeller Gemeinde wird in Vertretung für alle Menschen, die nicht nach Neuschloß kommen können, dort vor Ort sein. Benjamin Kloos

    Info

    Die Organisatoren bitten darum, dass am Sonntag nicht alle Interessierten um 12 Uhr kommen, sondern den Zeitraum der zwei angebotenen Stunden ausnutzen.

     
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