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  • Fr., 24. Juli 2020, 12:01 Uhr
    Aktuelle Getreideerträge: Erntepressegespräch mit Hessischem Bauernverband und Regionalbauernverband

    Lebensmittel aus der Region – Anbauflächen in Südhessen unter Druck

    Am Erntepressegespräch nahmen auf dem Podium der Groß-Gerauer Kreislandwirt Werner Wald (von links), Dr. Willi Billau (Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Starkenburg), Karsten Schmal (Präsident des Hessischen Bauernverbandes) und Bernd Weber, Pressesprecher des Hessischen Bauernverbandes, teil. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Sonnengelb leuchten die reifen Kornfelder auch im Ried, sie sind jetzt weitgehend abgeerntet, die Mähdrescher haben auf den Stoppeln mit runden Strohballen malerische Akzente gesetzt. Wer am Donnerstag im Biedensand unterwegs war, konnte einen Mähdrescher im Einsatz beobachten. Seit Tagen war das Wetter im Ried und um Lampertheim herum ideal für die Getreideernte – es war trocken und sonnig. Doch es gibt in diesem Jahr bei den Getreideerträgen besonders große Unterschiede. Die Frühjahrstrockenheit hat im dritten Jahr in Folge den Kulturpflanzen und Landwirten zu schaffen gemacht. Darüber und über viele weitere Themen sprach der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Karsten Schmal am Donnerstag in der Maschinenhalle des landwirtschaftlichen Betriebes von Dr. Willi Billau, der als Landwirt und Vorsitzender des Hessischen Bauernverbandes Starkenburg im Rahmen des Erntepressegesprächs über die Ernte von Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren, von Feldgemüse und Kartoffeln berichtete.

    Was den Urlaubern in Südhessen wie die deutsche Toskana vorkommen mag, ist den Landwirten „das Kalifornien von Hessen“, ein Vergleich von Billau, der in seinem Redebeitrag auf die guten Wachstumsbedingungen besonders im Ried, aber auch auf die zunehmenden Probleme mit Trockenheit, praxisfernen Auflagen und Flächenverbrauch durch Wohnbebauung, Gewerbeansiedlung, Fotovoltaikanlagen und Verkehr hinwies. Schmal, der als Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes auch bundesweit Verantwortung trägt, rechnet in Hessen bei Getreide mit einer unterdurchschnittlichen Gesamterntemenge von knapp über zwei Millionen Tonnen, wenngleich die Niederschläge im Mai und Juni nach der sechs Wochen dauernden Frühjahrstrockenheit einiges wettgemacht hätten, für die Wintergerste jedoch zu spät. Wintergetreide und Raps waren gut über den milden Winter gekommen. Unter Spätfrösten im Mai und extremen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht hatten die Blütenanlagen der Wintergerste geschädigt. Schwer hatte es auch die Sommergerste für die Bierherstellung, es war zu trocken und der Bierabsatz war wegen der Coronakrise eingebrochen. Werner Wald, Kreislandwirt für den Kreis Groß-Gerau, bestätigte die Erfahrungen seiner Kollegen. Für die neue Ernte hochwertiger Braugerste gebe es keinen Platz, weil wegen der Corona-Krise an die Brauereien weniger Ware geflossen sei. Wichtigste Getreideart in Hessen ist der Winterweizen mit durchschnittlichen Erträgen in diesem Jahr, aber der geringere Eiweißgehalt drückt die Erzeugerpreise.

    Einige Getreidesorten wie Winterraps haben über die Jahre an Fläche verloren, obwohl dieser Raps hochwertiges Speiseöl, Biodiesel und Tierfutter liefert und zudem bei den Bienen beliebt ist, aktuell zeigt sich mit fast 50.000 Hektar in Hessen ein Aufwärtstrend. Mager fiel die Heuernte aus. Für ihr Entgegenkommen mit Flächenfreigaben zur Futternutzung dankte Schmal der Landwirtschaftsministerin. Lebensmittel aus der Region sind bei den Verbrauchern gefragt, das freut die Landwirte. Schmal fordert für die Landwirtschaft verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, damit die Versorgung weiterhin zumindest zum Teil sichergestellt ist. Bald werde es in Hessen keine Schweinebestände mehr geben, dann nützten auch regionale Schlachthöfe nichts, gab Schmal zu bedenken. Die Kosten laufen davon, Schlachtkosten und -gebühren seien deutlich teurer als für Großbetriebe wie Tönnies.

    Im Publikum lokale Landwirte und Vertreter der SPD Lampertheim. Vor Ort auch Rundfunk und Fernsehen. Foto: Hannelore Nowacki


    Auf weitere Probleme wie den hohen Wildschweinbestand machte Gerd Knecht, Vorsitzender des Lampertheimer Bauernverbandes, aufmerksam. Die vorgeschriebene Zwischenfruchtaussaat im Herbst sei wegen der im Frühjahr wachsenden Sonderkulturen nicht möglich. Zudem sieht er wegen der Coronakrise ein schwieriges Jahr kommen, wenn die Leute sparen. Keine Fotovoltaikanlagen auf Ackerflächen, das fordert auch der Hessische Bauernverband. Schmal denkt dabei an die wachsende Weltbevölkerung und die 800 Millionen Hungernden weltweit. Knecht wünscht sich mehr Nachdruck durch „extreme“ Forderungen, zum Beispiel die Nutzung von überdachungsfähigen Flächen wie über Autobahnen und Parkplätzen.

    Die Klimazonen wandern, in Südhessen werde das Klima mediterraner, beschrieb Regionalbauernverbandsvorsitzender Billau die Lage und zeigte Konsequenzen auf. „Wir brauchen mehr Wasser“, denn viele Kulturen müssten beregnet werden, aber die wachsende Einwohnerschaft von Frankfurt brauche auch mehr Wasser. Jeden Tag verliere die Landwirtschaft in der hiesigen Region von insgesamt noch 60.000 Hektar zwei Hektar Ackerland. „So kann es eigentlich nicht weitergehen“, mahnt Billau. Dass zur Spargel- und Erdbeerernte Saisonarbeiter einreisen durften, habe den Landwirten das Leben gerettet, resümierte Billau. Zudem hätten die Verbraucher ein Viertel mehr in der Direktvermarktung gekauft. Weggefallen seien im Frühjahr die Abnehmer in der Gastronomie, deshalb sei 30 Prozent weniger Spargel gestochen worden. Ein Problem sei die Konkurrenz aus den vier lateinamerikanischen Mercosur-Staaten, die dank des Freihandelsabkommens Obst und Gemüse mit höheren Grenzwerten liefern dürften als sie für deutsche Landwirte gelten. Hannelore Nowacki[ngg_images source="galleries" container_ids="1949" display_type="photocrati-nextgen_basic_thumbnails" override_thumbnail_settings="0" thumbnail_width="120" thumbnail_height="90" thumbnail_crop="1" images_per_page="300" number_of_columns="0" ajax_pagination="0" show_all_in_lightbox="0" use_imagebrowser_effect="0" show_slideshow_link="0" slideshow_link_text="[Show slideshow]" ngg_triggers_display="never" ngg_proofing_display="0" order_by="sortorder" order_direction="ASC" returns="included" maximum_entity_count="500"]

     

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