Ergänzung der 68 ehrenamtlich Tätigen der Tafel Lampertheim durch Hauptamtliche mit großem Engagement für Bedürftige
„Lebensmittel retten – Zeit schenken“
Die Verantwortlichen der Tafel Lampertheim (v.l.n.r.): Dr. Ute Weber-Schäfer (Tafelkoordinatorin des Diakonischen Werks Bensheim), Bereichsleiterin Susanne Hagen, Teamleiterin Erika Kalpin und Isabelle Moeller-Dutoit, Teamleiterin / Logistik und Koordination. Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM – „Jeden kann es treffen - von heute auf morgen“ betonten die Hauptverantwortlichen der Tafel Lampertheim im Rahmen eines Pressegesprächs, denn beispielsweise durch Langzeitarbeitslosigkeit, plötzliche Erkrankung, Verschuldung oder fehlende Berufs- und Schulabschlüsse kann die Abwärtsspirale jeden Einzelnen ganz schnell mitten aus dem gewohnten Leben reißen; der Weg in die Bedürftigkeit kann rasant erfolgen - „davor ist niemand geschützt“. Genau für diese Personen setzt sich die Tafel Lampertheim ein, die unter der Trägerschaft des Diakonischen Werkes steht.
„Keiner muss in Deutschland hungern“ lauteten die Worte der Verantwortlichen im Rahmen eines Pressegesprächs – somit könnten Bedürftige mehr Geld frei haben, um am gemeinschaftlichen Leben teilhaben zu können. Am Tafelstandort Lampertheim werden aktuell 416 Personen, davon über 33 Prozent Kinder, versorgt. Nur 18 Prozent der Kunden sind älter als 63 Jahre, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung deutlich höher ist.
Zur Tafel Lampertheim gehören die Ausgabestellen Lampertheim, Bürstadt und Rimbach im Odenwald. Seit einigen Monaten werden die ehrenamtlich tätigen Helfer derTafel Lampertheim von Hauptamtlichen unterstützt, darunter die Bereichsleiterin Susanne Hagen sowie Dr. Ute Weber-Schäfer, die als Tafelkoordinatorin des Diakonischen Werks Bensheim fungiert. Die Diplom-Kauffrau Weber-Schäfer war zuvor in der Management- und Prozessberatung tätig. „Unsere Aufgabe ist es, die Ehrenamtlichen zu unterstützen und ihnen den Rücken frei zu halten für ihre herausfordernden Aufgaben“, merkte sie an. Trotz Zentralisierung in Bensheim sei ein selbständiges Operieren der einzelnen Standorte angestrebt. Vorteile der Zentralisierung sind darin zu sehen, dass beispielsweise gemeinsame Hygieneschulungen stattfinden können oder auch die Öffentlichkeitsarbeit zentral gesteuert werden könne. Treffen mit dem Träger, der sich um Dinge wie Mietangelegenheiten und Versicherungen kümmert, finden in regelmäßigen Abständen statt. Es wird nach dem Motto „share best practice“ gehandelt, einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch untereinander.
Hagen fügte hinzu, dass der Betrieb der Tafel Lampertheim, die seit 10 Jahren existiert, prima läuft. Es gibt feste Ausgabetage, dienstags und donnerstags, an denen im 15-minütigen Wechsel eingekauft werden kann. Ein Erwachsener zahlt 2 Euro, der Partner, der im gleichen Haushalt wohnt, zusätzlich 1 Euro, Kinder unter 18 Jahren müssen nichts zahlen.
Da die meisten der Helfer bereits älter sind, ist die Tafel dringend auf neue Helfer angewiesen; alte, aber auch junge Personen, die sich für solche Aufgaben interessieren, sind jederzeit herzlich willkommen. Auch mit den Kunden, darunter über 33 Prozent Kinder, ist man sehr zufrieden. Der Anteil der über 60-jährigen steigt dabei stetig an. Isabelle Moeller-Dutoitzeichnet sich seit 4 ½ Jahren als ehrenamtliche Teamleiterin der Ausgabestelle in Lampertheim verantwortlich; gleichzeitig ist sie für die Logistik und Koordinationstätigkeiten zuständig. „Wir haben 30 Fahrer, die in Dreier-Teams arbeiten und die Spender abfahren, die uns wohlgesonnen sind“ erwähnte sie. Sie organisiert hauptsächlich die Monatspläne für die Fahrer, die bereits zwei bis drei Monate im Voraus erstellt werden müssen. Gemeinsam mit Karlheinz Stumpf sorgt sie für die Unterstützung der gemeinnützigen Einrichtung in der Gewerbestraße. Sie lobte das Fahrerteam, das die Voraussetzungen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein voll und ganz erfüllt - „ein sehr gutes Team, in dem sich alle untereinander sehr gut verstehen“, fügte sie hinzu. Generell sollten Bedürftige ihre Vorbehalte und das Schamgefühl, zur Tafel zu gehen, über Bord werfen und sich überwinden. „Unser Laden sieht aus wie ein richtiges Geschäft, in dem sehr gute Ware angeboten wird“ ergänzte sie. Gute Worte seien dabei ebenfalls nicht außer Acht zu lassen, denn die Tafel sei ein Treffpunkt für viele und ein Ort der Begegnung. „Unverschuldete Einzelschicksale führen die Menschen zur Tafel“ merkte sie an. Das 10-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr tat der Tafel gut, um weiter existieren zu können. Jede Ausgabestelle benötige knapp 50 Tausend Euro: Strom- und Benzinkosten sowie Müllgebühren zählen zu den laufenden Kosten. Nur frisches Obst und Gemüse sowie Backwaren werden von den Spendern angenommen, auf die die Tafel dringend angewiesen ist.
Als Ziel habe man sich gesetzt, ein neues Tafelauto anschaffen zu können. Der momentan genutzte Sprinter sei schon etwas in die Jahre gekommen. Die hohen laufenden Kostenmüssen gedeckt werden – die Stadt Lampertheim leistet hier bereits ihren Beitrag dazu. Der Tafel fehlt es leider an regelmäßiger finanzieller Unterstützung in Form von Zuschüssen. Kleinere Spenden, sowohl finanziell oder in Form von Sachspenden von Seiten der Bevölkerung werden von den Mitgliedern sehr wertgeschätzt – als Wichtigstes seien allerdings die Zeitspenden durch das Ehrenamt zu nennen, so Hagen.
Moeller-Dutoit, die bereits seit 1980 in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich tätig ist, zeigte sich zufrieden damit, etwas an ihre Mitmenschen weitergeben zu können.
„Lebensmittel retten – Zeit schenken“ lautet das Motto für 2019, wie Hagen mitteilte. Im Juni wird eine Pfandbon-Aktion zugunsten der Tafel Lampertheim stattfinden.
„Die Verantwortlichen der Tafeln, die beim Diakonischen Werk angegliedert sind, haben ein christliches Menschenbild und möchten die Ideen des hessischen Verbandes und des Bundes weitertragen“ merkte Hagen an und hofft gemeinsam mit ihren Mitstreitern auf eine weiterhin positive Akzeptanz in der Bevölkerung und Unterstützung durch neue Helfer und Spender. Besonders wichtig ist es laut Hagen, dass sowohl ältere als auch jüngere Menschen, die bedürftig sind, ihre Schamgrenze überwinden. Es sei eine „win-win“-Situation für alle, da die Geschäfte die abgegebenen Waren nicht entsorgen müssen und die Tafel diese kostengünstig an Bedürftige weitergeben kann. „Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Überfluss und Bedürftigkeit“, so Hagen.
Wer sich für ein ehrenamtliches Engagement bei der Tafel interessiert, kann jederzeit gerne Kontakt aufnehmen mit Isabelle Moeller-Dutoit unter Telefon 06206/94130 oder per Mail an isabelle-dutoit@web.de. Auch Schüler und Studenten sind herzlich willkommen – auch Schülerpraktika sind möglich. Sigrid Samson