Für Zauneidechsen wurde in der Siedlerstraße ein naturnaher Unterschlupf errichtet. Foto: oh
LAMPERTHEIM – Nein, es handelt es sich nicht um Feuerholz, das hier am Rand der Versickerungsmulden in der Siedlerstraße zwischen Holzpfosten ordentlich aufgestapelt wurde.
In der vergangenen Woche haben Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste nach Vorbereitung durch den Fachdienst Umwelt der Stadtverwaltung sogenannte „Asttristen“ errichtet. Diese „platzsparenden“ Totholzhaufen sollen künftig als Unterschlupf für Zauneidechsen dienen.
Das Zauneidechsenvorkommen wurde bei einer Untersuchung für ein Artenschutzgutachten durch einen von der Stadt beauftragten Biologen festgestellt. Besiedelt wurden demnach die südexponierten Straßenböschungen entlang der B 44 und Rosenaustraße, aber auch die Grundstücke selbst. Der sandige Boden erwärmt sich schnell und begünstigt die Fortpflanzung – was die festgestellten Jungtiere beweisen. Auch ursprünglich in Südeuropa beheimatete Mauereidechsen wurden entdeckt.
Das Artenschutzgutachten ist Bestandteil der Vorbereitungen für den geplanten Neubau der Kindertagesstätte in der Siedlerstraße. Als eine nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Tierart darf die Zauneidechse weder gefangen, verletzt oder getötet, ihre Entwicklungsformen (Eier) und ihre Lebensräume nicht beschädigt oder zerstört werden.
Aus diesem Grund muss vor Beginn der Bauarbeiten sichergestellt werden, dass das Grundstück frei von Eidechsen ist – daher wird bereits jetzt das Gras sehr kurz gemäht und Bretter, Steinhaufen oder ähnliche Versteckmöglichkeiten entfernt. Ein anschließend aufgestellter Reptilienschutzzaun verhindert dann das Wiedereinwandern der Zauneidechse.
Totholz, wie bei den aufgestapelten Haufen, ist ein wichtiges Element im Lebensraum der streng geschützten Zauneidechsen. Liegende Stämme, Wurzelteller, umgestürzte Bäume oder Asthaufen sind wertvolle Sonnen- und Versteckplätze. An kühlen oder nassen Tagen nutzen die wechselwarmen Reptilien Holz gerne als Sonnenplatz, weil es sich rasch erwärmt und schnell trocknet.
Aufgeschichtet wurden Stämme, Äste und Zweige, die bei städtischen Baumpflegearbeiten anfielen. Die Holzpfosten sorgen dafür, dass das Totholz nicht vom Wind auseinandergetragen wird. Liegende Baumstämme werden in nächster Zeit zusätzlich als Verbindung zwischen den Asttristen ausgelegt. Die Ränder der Versickerungsmulden sollen außerdem künftig selten gemäht werden und sich so zu Altgrasstreifen entwickeln.
Die neuen Asttristen bewirken als vorgezogene Ausgleichsmaßnahme (CEF – Maßnahme - continuous ecological functionality) eine Verbesserung und Erweiterung des Eidechsenlebensraumes.
Für letzte Sicherheit wird schließlich eine Begehung des Baugrundstücks durch eine sogenannte Ökologische oder Umwelt – Baubegleitung sorgen, die die Fläche nochmals nach Eidechsen absucht, bevor dann die Bagger rollen dürfen. zg