Christian Habekost gastierte als „Palatinator“ im ausverkauften Bürgerhaus
Lehrstunden in kurpfälzischer Lebensart
Christian Habekost feierte am Mittwochabend im Bürgerhaus ein Wiedersehen mit Bürstadt und traf dabei mit seinem neuen Solo-Programm ins Schwarze. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – „Hallo, ich kumm gleich“ hallte es im Bürgerhaus aus der Tiefe des Raums, aus tiefer Dunkelheit heraus. Schon kam Beifall auf. Das Publikum im ausverkauften Bürgerhaus blickte gespannt zur schwarzen Bühne. Und dann plötzlich: Da stand er – „Der Palatinator“. Groß und schlank, der pfälzische Zungenschlag so heftig und ausdauernd wie die Salven von Schwarzeneggers Pumpgun, die er als Terminator so erfolgreich einzusetzen wusste. Der große Unterschied: Habekost nimmt die „Zuvielisation“ zielsicher aufs Korn, schießt ein Babbelfeuerwerk ab, dass es dem Publikum das Zwerchfell über die Ohren zieht (Achtung: dieser Ausdruck ist original Habekost). Nach diesem fulminanten Intro legte Christian Habekost die Cyberbrille und Jacke ab und machte in Zivil – aber nicht weniger treffsicher - mit seinem neuen Solo-Programm „Der Palatinator“ weiter. Dem Kulturbeirat der Stadt Bürstadt war es ein zweites Mal gelungen, Christian Habekost nach Bürstadt zu holen. Frank Herbert meinte: „Wenn die Bedingungen wie in Bürstadt stimmen, kommen die Künstler gerne wieder“. Habekost ist höchst unterhaltsam und bietet Kultur im Gewand des Kabaretts mit einigen unkorrekten, aber sehr zum Lachen reizenden Seitenhieben, unter anderem auf die Lehrer und die Schwaben. Vielleicht liegt es daran, dass im Schwabenland die Vierteleschlozzer zu Hause sind, während die Eingeborenen der Pfalz ihren Wein aus dem Dubbeschoppe-Glas in vollen Zügen genießen – bis sie „voller sind als der Vollmond“ - sagt Habekost. Denn diese besonders grifffesten Gläser fassen genau einen halben Liter Wein. Sein dialektisch-philosophischer Exkurs über das Dubbeschoppe-Glas erklärt, warum das so ist. Häufig geht beim „Palatinator“ der Volltreffer mitten ins Herz und trifft dabei auch die Erinnerung an Zeiten als es all das nicht gegeben hat, was heute nervt. Dr. Christian Habekost (er ist wissenschaftlich geprüft) bietet ideenreiche Wortspiele, Mund-Artistik und dialektische Gleichungen, die klar machen: Auf Hochdeutsch ist vieles länger und längst nicht so unterhaltsam. Im abgedunkelten Bürgerhaus nahm das vergnügte Lachen kein Ende und auch nach zwei Lehrstunden in kurpfälzischer Lebensart zuzüglich Pause wollte das Publikum noch mehr haben von dem Stoff, den Habekost ihnen einschenkte. Rhythmischer und nicht aufhörender Beifall brachte dem Publikum eine Zugabe ein. Hannelore Nowacki