
BIBLIS – Bei den Bauarbeiten auf dem MC-Platz hinter dem Rathaus stieß der Baggerführer M. Stolarczuk mit seiner Baggerschaufel auf einen festen Widerstand. Behutsam legte er den nur in etwa 50 cm Tiefe auf einer Backsteinunterlage liegenden Grenzstein frei. Zusammen mit dem hinzugekommenen Bürgermeister Volker Scheib, schoben sie mit bloßen Händen die letzten Erdkrusten zur Seite und erkannten das Mainzer Rad. Das Hoheitszeichen der früheren Landesherren Kurfürst und Erzbischof von Mainz. Umgehend wurde der rund 180 Kilo schwere Fund im Rathaus unter gebracht und die Mitglieder vom Verein für Heimatgeschichte hinzugezogen. Montags darauf kamen Gisela Gibtner und Günter Mössinger vom Verein, reinigten behutsam das Stück, nahmen Maß und dokumentierten den roten Sandstein mit dem wunderbar erhaltenen, in Relief gearbeiteten Mainzer Rad. Schon bald stellte sich heraus, dass dieser mächtige Stein an keiner Landesgrenze stand. Er hatte auf der Rückseite kein weiteres Hoheitszeichen, wie von einem Grenzstein an der Landesgrenze zu erwarten wäre. Auch auf den Schmalseiten war keine Spur einer Zahl oder eines Buchstabens vorhanden.
Schon vor Jahrzehnten hat der verstorbene Bibliser Heimatforscher, Vermessungs-Oberinspektor Valentin Schmitzer, den früheren Herrenhof südwestlich der St. Bartholomäuskirche verortet. Der jetzige Fund des Herrenhofsteines am äußersten Rand der Grundstücke in der Hochschildstraße, lässt darauf schließen, dass der Herrenhofbezirk noch größer war, als bisher angenommen und sich zumindest über die Hochschildstraße zum MC-Platz erstreckte. Möge der Stein in Zukunft einen angemessenen, witterungsgeschützten Standplatz auf dem multicodierten Platz im Ortskern finden. zg
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