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Mo., 05. Oktober 2020, 10:01 Uhr
KOMPASS: Präventionsrat über Ergebnis der Sicherheitsbefragung informiert
Lichtkonzept für Stadtpark – Präventionstag im Mai
Bürgermeister Gottfried Störmer zeigte sich von der bearbeiteten Themenvielfalt begeistert. Fachbereichsleiter Uwe Becher fasste die Studie der Universität Gießen zur Sicherheitsbefragung für den Präventionsrat zusammen. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Wie sicher fühlen sich die Einwohner der Stadt Lampertheim? Was sollte verbessert werden? Das Sicherheitsgefühl lässt sich nun mit dem Ergebnis der Sicherheitsbefragung in Lampertheim und allen Stadtteilen beziffern, notwendige Maßnahmen können daraus abgeleitet werden, über die sich Arbeitsgruppen und Stadtverwaltung Gedanken machen. Über den Auswertungsbericht der Universität Gießen zur Sicherheitsbefragung im Rahmen des hessischen Landesprogramms KOMPASS (Kommunalprogramm Sicherheitssiegel) wurde der Präventionsrat am Donnerstagabend im Foyer der Hans-Pfeiffer-Halle informiert. Bürgermeister Gottfried Störmer, Vorsitzender des Präventionsrates, begrüßte die Mitglieder zur Sitzung und zeigte sich abschließend begeistert von der Vielzahl der bearbeiteten Themenfelder. Eine zweite Erhebung für Lampertheim wünscht sich Störmer vom Land Hessen, um nach einiger Zeit ein Ergebnis zu bekommen, ob die geplanten Präventionsprojekte überhaupt eine Auswirkung haben. Uwe Becher, Leiter des Fachbereichs 30 Verkehr, Sicherheit undOrdnung, fasste den über 50 Seiten starken Bericht der Uni Gießen in seinem Vortrag zusammen. Angeschrieben wurden 3.800 Bürger nach dem Zufallsprinzip, berücksichtigt wurden dabei die Bevölkerungsanteile in den Stadtteilen. Für die Stichprobe hätte schon eine Rücklaufquote von 10 Prozent genügt, doch erreicht wurden erstaunliche ca. 24 Prozent, das sind 911 Teilnehmer, wie Becher betonte. Die Stadtverwaltung führt diesen Erfolg auf ihrevorbildliche Arbeit zurück. Bei der Befragung ging es nicht nur um Straftaten, neben der eigentlichen Kriminalität wurde das Thema Sicherheit vor allem mit dem Fokus auf das Sicherheitsempfinden und die Lebensqualität anhand von insgesamt 96 Fragen erkundet. Während sich die Lebensqualität auf gutem bis durchschnittlichem Niveau befindet, wurden auch dringlichste Probleme offenkundig: 50,9 Prozent der Befragten sind undiszipliniert fahrende Autofahrer ein Ärgernis, an falsch oder behindernd Parkenden stören sich 42 Prozent, an Schmutz und Müll 34,3 Prozent der Befragten. Auch schlechte Straßenbeleuchtung mit 26,3 Prozent und Vandalismus mit 24 Prozent haben hohes Problempotenzial. Bei der Frage nach „Angstorten“ nahmen die Bahnhöfe Lampertheim mit 110 Nennungen und Hofheim mit 22 Nennungen Platz eins ein, in Hüttenfeld war es mit drei Nennungen die Lampertheimer Straße, in Rosengarten der Friedhof mit einer Nennung. In Neuschloß fürchtet man sich vor allem vor verhaltensauffälligen Personen, gefolgt von Gruppen junger Männer fremder Herkunft. Als Präventionsmaßnahmen wünschen sich die Bürger zum Beispiel mehr Polizeipräsenz in den dunklen Stunden am Bahnhof, im Stadtpark,bei Unterführungen und Spielplätzen, auch die Ordnungsbehörde sollte sich mehr zeigen, im Stadtpark, in der Innenstadt, in Wohngebieten und Nebenstraßen. Im öffentlichen Raum wollen die Bürger unter anderem verstärkte Verkehrsüberwachung, Tempo-30-Zonen, Straßen- und Gehwegesanierung und Schulwegesicherheit. Wie geht es weiter mit der örtlichen Sicherheitslage im Zusammenwirken von Stadt, Polizei, Bürgern und kommunalen Akteuren wie den Präventionsrat? Eine Feinanalyse soll Aufschluss bringen.
Im Stadtpark ist die Drogen- und Alkoholszene abends, nachts und besonders samstagsnachts ein Problem, verbunden mit Lärmbelästigung der Anwohner. Katja Stotz-Şen vom Fachbereich 30 berichtete von den Plänen, die Lage zu verbessern. Foto: Hannelore Nowacki
Stadtpark im Fokus
Ergebnisse liegen bereits von der Arbeitsgruppe Stadtpark (AG) vor. Ein objektiver Ist-Zustand zum Stadtpark entstand durch Meldungen über die Ordnungsbehörde, Polizei, Technische Betriebsdienste und Anwohnermeldungen, berichtete KOMPASS-Beraterin Katja Stotz-Şen vom Fachbereich 30. Die Anwohner wurden im Juni mit einem Schreiben um Meldungen gebeten. Mit polizeilicher Beratung entstand ein Beleuchtungskonzept, das individuell steuerbare Leuchten vorsieht, die über Winter installiert werden. Nach einer Testphase soll im Februar eine Begehung stattfinden, eine Bürgerbeteiligung ist geplant. Büsche werden zur besseren Übersicht zurückgeschnitten. Graffitikunst soll das Toilettenhäuschen verschönern, damit die Malerei kunstgerecht gelingt, wird es im Mai einen Graffiti-Workshop für Jugendliche unter dem Motto Kinderrechte geben. Diese Verschönerung soll mit weiteren Projekten und Ergebnissen beim geplanten Präventionstag mit Sicherheitskonferenz im Mai 2021 vorgestellt werden. Sabine Vilgis, Leiterin der Technischen Betriebsdienste, erläuterte dem Präventionsrat das Beleuchtungskonzept für den Stadtpark, bei dem auch der Insektenschutz mitgedacht wird. Was wirkt besser gegen unerwünschten Aufenthalt in der Nacht auf dem Spielplatz und beim Toilettenhäuschen – Dunkelheit oder viel Licht? Die AG hat sich probeweise für die Dunkelheit entschieden, um dem Problem Lärm und Drogenszene im Stadtpark zu begegnen.
Konzept der Jugend- und Suchtberatung
Adrian Steier-Bertz, Diplom-Sozialarbeiter bei der AWO-Suchtberatungsstelle PRISMA in Lampertheim, stellte das Konzept für die Jugend- und Suchtberatung vor, ein Projekt der Vernetzung mit vielen Akteuren. Streetworker als Bindeglied zwischen betroffenen Gruppen und der Stadtverwaltung sollen die Gruppen Jugendlicher im öffentlichen Raum aufsuchen, den Suchtabhängigen soll mit Angeboten im Hier und Jetzt geholfen werden, der Zugang soll ihnen erleichtert werden. Im Stadtpark soll regelmäßig Präsenz gezeigt werden. Steier-Bertz befürwortet eine dreijährige Projektphase mit einer Teilzeit-Fachkraft von PRISMA.
Sicherer Schulweg
In Zusammenarbeit von Annette Wunder-Schönung, Leiterin der Schillerschule, der KOMPASS-Beauftragten der Polizeistation Christian Wegerle und KOMPASS-Beraterin Katja Stotz-Şen vom Fachbereich 30 Stadtverwaltung wurden Lösungsansätze für den sicheren Schulweg erarbeitet, ein Konzept soll folgen. Von den Eltern waren 30 Rückmeldungen gekommen. Wegerle unternimmt für die Schulwege-Erziehung mit allen zwölf Klassen der Schillerschule einen jeweils 90-minütigem Stadtspaziergang. Ziel sei es alle Schulen einzubeziehen. Die Selbstverteidigung, ein weiteres Projekt für Schüler, soll in Zusammenarbeit mit der vhs in einem integrierten Netzwerk gegen Gewalt durchgeführt werden. Hannelore Nowacki
Information
Die Mitglieder des Präventionsrates
Stadt Lampertheim: Bürgermeister und 1. Vorsitzender Gottfried Störmer* (*gesetzte Mitglieder), Uwe Becher* und Katja Stotz-Şen* Fachbereich (FB) 30 und 30-1, Sabine Vilgis FB 70, Sandra Garbrecht FB 60 Stadtplanung, Dirk Dewald Stadtmarketing, Manfred Scholz FB 40-3 Jugendförderung, Klaus Reiber FB 30-2 Feuerwehr, Martin Stangohr Behindertenbeirat, Krisitina Delceva FB 50-2 Flüchtlingshilfe und Gleichstellungsbeauftragte Sonja Niederhöfer.
Polizeistation Lampertheim/Viernheim: KOMPASS-Beauftragte Christina Wegerle* und Leiter der Polizeistation Matthias Seltenreich*.
Netzwerke: Adrian Steier-Bertz (PRISMA - AWO-Jugend- und Suchtberatung), Werner Brall (Seniorenbeirat), Melina Kugler und Arne Jaedke (Jugendbeirat).
Fraktionen: Die Fraktionsvorsitzenden Stefan Nickel (Grüne), Edwin Stöwesand (CDU), Thomas Bittner (FDP) und Sozialausschussmitglied Christiane Krotz (SPD).
Aus den Stadtteilen: Alexander Scholl (Ortsvorsteher Hofheim), Karl Heinz Berg (Ortsvorsteher Hüttenfeld) und Carola Biehal (Vorsitzende der Bürgerkammer Neuschloß).