„KLASSIK ZWISCHE BERGSTROß UN RHOI“: Ensemble „Audace“ spielte in der Gustav-Adolf-Kirche
Liebe zur Musik war jederzeit spürbar
Das Ensemble „Audace“ begeisterte in der Hüttenfelder Gustav-Adolf-Kirche. Foto: ehr
HÜTTENFELD – Die evangelische Kirchengemeinde Hüttenfeld setzte ihre kulturelle Konzertreihe unter dem Motto „Klassik Zwische Bergstroß un Rhoi“ mit dem Ensemble „Audace“ in der Hüttenfelder Gustav-Adolf-Kirche fort. Die vier Streicher/innen spielten das Streichquartett op. 132 von Ludwig van Beethoven, Das Streichtrio d-moll von Max Reger und aus dem Streichquartett F-Dur von Maurice Ravel den 2.Satz.
Das Ensemble Audace besteht seit 2017 aus Musikern des Nationaltheaters Mannheim, der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen und des hr-Sinfonieorchesters. Ihre Konzerte sind geprägt von höchster Virtuosität, intelligenter Interpretation und kammermusikalischer Perfektion. All dieser Komponenten bedarf es für die Wiener Klassik, denn nichts gilt als „schwerer“ zu spielen als diese. Und der Name „Audace“ – was soviel bedeutet wie „gewagt“ – war an diesem Abend Programm. Alle Stücke hatten ihre eigenen Herausforderungen, die die vier jungen Musiker/innen bravourös meisterten.
Die erste Violine wurde gespielt von Maximilian Junghanns. Er war der 1. Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Gera-Altenburg, ehe er sich dem hr-Sinfonieorchester anschloss. Sein Mitspieler Felix Wulfert an der 2. Violine ist Mitglied der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Alexander Michael Petersen vom Nationaltheater Mannheim an der Viola stammt aus Boston. Abgerundet wurde das Quartett von Eun-Ae Junghanns am Cello, die ebenfalls am Nationaltheater agiert.
Der Abend in der gut besuchten Gustav-Adolf-Kirche begann mit Max Regers Streichtrio. Die Geschichte des Streichtrios verlief anders als die vergleichbarer Kammermusik-Gattungen nach Beethoven, weil die großen Romantiker – Mendelssohn, Schumann und Brahms – keine Werke in dieser Besetzung schrieben. So blieb es Max Reger vorbehalten, die bedeutendsten romantischen Streichtrios zu komponieren. Dies geschah erst nach der Jahrhundertwende, an der äußersten Grenze der Spätromantik. Das Trio ist von klassizistischer Prägung und gefällt durch gelösten, gelegentlich gar heiteren Charakter. „Audace“ zeigte hier schon eindrücklich und virtuos, auf was sich das Publikum an dem Abend eingelassen hatte.
Für das zweite Stück des Abends wählte das Ensemble den 2. Satz von Maurice Ravels opus 35 in F-Dur mit der Bezeichnung Très rythmé. So war der Satz geprägt von Tanzrhytmischen Teilen gepaart mit Elementen der Rapsodie. Auffallend auch die nicht einfachen Tonartwechsel.
Langanhaltender Applaus verabschiedete die Musiker in die Pause.
Danach präsentierten die vier Musiker/innen das Quartett op. 132 in a-moll von Ludwig van Beethoven. Es zählt zu seinen „späten Quartetten“ und wurde erst nach dem Tod des Komponisten veröffentlicht. Es beruht trotz seines für damalige Verhältnisse avantgardistischen und emotionalen Klangs auf einem 5-sätzigen Divertimento, bei dem ein zentraler, ruhiger Teil von Tanzsätzen flankiert wird.
Das Ensemble brachte jedenfalls etwas in die kleine Hüttenfelder Kirche, was man dort nur selten bestaunen konnte. Das Zusammenspiel von „Audace“ bestach sowohl durch perfekte Synchronizität, als auch durch höchste Sensibilität. Die tiefe Emotionalität und Liebe zur Musik war auch für das ungeschulte Ohr spürbar und wurde mit stehendem Applaus belohnt. ehr