KONZERT: Unterhaltsamer Abend in der evangelischen Kirchengemeinde Hüttenfeld
Lieber Bach als Mozart zu Gast
Begeisterten das Publikum: Petra Fluhr, Jakob Fliedl und Alexandra Obermeier (v.l.). Foto: oh
HÜTTENFELD – Die evangelische Kirchengemeinde Hüttenfeld hatte in ihrer Konzertreihe „Klassik zwische Bergstroß un Rhoi“ Petra Fluhr (Oboe), Alexandra Obermeier (Klarinette) und Jakob Fliedl (Fagott) der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zu Gast. Es war ein unterhaltamer Abend in der unter Coronabedingungen gut besuchten Gustav-Adolf-Kirche, bei dem zwischen den musikalischen Beiträgen allerhand Wissenswertes über die Eigenarten und Schrullen alter Meister zu erfahren war.
So berichtete Petra Fluhr, dass Wolfgang Amadeus Mozart sehr egomanisch war und stets im Mittelpunkt stehen musste. Einladungen, die ihm nicht opportun erschienen, kommentierte er in seinem oft vulgären Jargon:“wenn ich umsonst fressen will, kann ich das auch zu hause tun“. Als Gast bei Mozart sollte man trinkfest gewesen sein und auch singen können. Denn nicht selten mussten seine Gäste seine neuesten Kompositionen spontan vom Blatt singen können. Johannn Sebastian Bach schien da ein weitaus angenehmerer Gatsgeber gewesen sein. Er trank und aß auch ausgiebig und hatte ein offenes Haus. Er liebte die Geselligkeit und seine Dienstwohnung mit 15 Zimmern war immer mit Familienangehörigen, Schülern und Musikern gut besucht.
Georg Friedrich Händel hingegen liebte die Völlerei und nahm auf seinen Körper keine Rücksicht, was ihm viele Kuraufenthalte einbrachte. Auch Johannes Brahms war kein Kostverächter und wünschte sich „ein Wiederkäuer zu sein“.
Erik Satie liebte in seiner Kompositionskunst das eher Einfache, war aber ansonsten ein exzentrischer Scherzkeks und als Gast fühlte man sich beim nicht immer ernst genommen. Der Amerikaner John Cage war ein passionierter Pilzsammler und so durfte die Sporenpflanze auf seinem Speiseplan nicht fehlen. Ja er hielt, obgleich er Musiker und Komponist war, sogar Vorlesungen über Pilzkulturen.
Zwischen den Wortbeiträgen wurde aber auch musiziert, und das auf höchstem Niveau.
Das Trio eröffnete den Abend mit Wolfgang Amadeus Mozart und den ersten beiden Sätzen seines Divertimentos in B-Dur . Die drei Musiker/innen verstanden es mühelos, das eigentlich von Mozart als Liebhaber der Blasinstrumente für Bassetthörner geschriebene Werk, in dieser reduzierten Version zu interpretieren.
Ludwig van Beethoven schrieb eine Variation zu Mozarts "La ci darem la mano" aus DonGiovanni. Hier zeigte die Münchnerin Alexandra Obermeier mit ihrer Klarinette, dass dieses Instrument, das der musikalische Laie eher dem Jazz oder Klezmer zuordnet, auch in der Klassik einen hohen Stellenwert hat. Sie ist seit vier Jahren bei der Staatsphilharmonie als stellvertretende Solo-Klarinettistin tätig.
Das Praeludium und Fughetta in e-moll von Johann Sebastian Bach aus dem „Wohltemperierten Klavier“ in dieser Besetzung zu hören war schon außergewöhnlich aber durchaus gekonnt dargeboten. Besonders dem Fagottisten Jakob Fliedl wurde Einiges abverlangt. Den 33-jährigen gebürtigen Österreicher führten zahlreiche Stationen unter Anderem über Neu Seeland, Göteborg und München als stellvertretender Solo-Fagottist nach Ludwigshafen.
Der im letzten Jahrhundert lebende englische Komponist Gordon Jacob ist eher unbekannt. Sein Trio für die drei an diesem Abend gespielten Instrumente brachte die eher moderneren Töne in die Gustav-Adolf-Kirche. Petra Fluhr brillierte hier mit ihrer Oboe. Sie ist schon seit längerer Zeit Mitglied bei der Staatsphilharmonie und in Hüttenfeld inzwischen keine Unbekannte mehr, da sie die Konzertreihe „Klassik zwische Bergstroß un Rhoi“ arrangiert.
Den Abend beendete das Trio mit Libor Sima und seinen 5 Miniaturen für Holzbläser. Der zeitgenössische Fagottist machte auch durch Kompiositionen auf sich aufmerksam. Seine Minituren beendeten passend einen witzigen und dennoch interessanten Abend. ehr