
LAMPERTHEIM – Die Glocken der Domkirche luden am Sonntag zum Festgottesdienst ein, der am Sonntag genau 70 Jahre nach dem Wiederaufbau die Wiederweihe feierte. Das Datum 18. Oktober hat eine besondere Bedeutung, denn auch der ursprüngliche Kirchenbau wurde an einem am 18. Oktober eingeweiht – im Jahr 1868. Damals erhielt die angewachsene evangelische Kirchengemeinde zum ersten Mal ein eigenes Gotteshaus. Bis dahin hatten beide Konfessionen die Andreaskirche genutzt. Den Einzug in die nicht ganz voll besetzte Kirche von Pfarrerin Sabine Sauerwein und Pfarrer Markus Müsebeck mit dem Kirchenvorstand der Lukasgemeinde begleitete auf der Empore eindrucksvoll der Evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Josua Hörner. „Lobet den Herren“ war das erste Lied der Gemeinde, das Thomas Adelberger an der Orgel begleitete. Pfarrerin Sauerwein beschrieb das lebendige Gemeindeleben in der Domkirche, hier werde gebetet, gelacht und geweint. „Seit 70 Jahren ist die Domkirche unser Zuhause“. Das Lob Gottes kam auch im Psalm 84 zum Ausdruck, den Pfarrer Müsebeck im Wechsel mit der Gemeinde betete. Darin heißt es: „Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar“. „Im 1. Buch der Könige, aus dem Traudel Becker in der Lesung vortrug, geht es um das Gebet des Königs Salomo bei der Einweihung des neu erbauten Tempels in Jerusalem, das mit einer Frage deutlich machte: Gott ist größer als ein Tempel: „Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ Nach dem Glaubensbekenntnis erklang von der Empore fröhliche Musik – der Posaunenchor spielte einen Geburtstagsglückwunsch für die Domkirche. „Hoch die Hände!“ Auf der Kanzel stehend, mit Blick auf die versammelte Gemeinde, fragte Pfarrerin Sauerwein, wer schon am 18. Oktober 1956 dabei war. Eine Hand ging erkennbar in die Höhe. Vertrauen und Zuversicht in die Zukunft hätten die damaligen Vorfahren der Lukasgemeinde bewiesen, betonte Pfarrerin Sauerwein im historischen Rückblick. Aus der jüngeren Vergangenheit nannte sie Veranstaltungen wie die Friedensgebete und die Musikveranstaltungen „Open the Door“ sowie Ereignisse wie den Glockenkorso durch die Stadt. Von Herzen folgte ihr Glückwunsch zum Geburtstag an die „liebe Domkirche“. Wobei die Zahl 70 im biblischen Sinn eine besondere Zahl ist, die unter anderem für Vollständigkeit stehe, wie Pfarrerin Sauerwein deutlich machte.
Foto: Hannelore Nowacki
Neues kommt auf die Gemeinde 2027 zu
Auch ist der 18. Oktober der traditionelle Gedenktag des Evangelisten Lukas, eine bemerkenswerte Verbindung zur Weihe und Wiederweihe der Domkirche. Erst seit 1962 trägt die Gemeinde den Namen Lukasgemeinde. Im neuen Jahr 2027 beginne für die Gemeinde etwas Neues, kündigte Pfarrerin Sauerwein ein wenig wehmütig an. „Zurück in die Zukunft“ könnte die Überschrift heißen, denn ab Januar sind die vier Kirchengemeinden Lukas, Martin-Luther, Neuschloß und Hüttenfeld zur „Evangelischen Kirchengemeinde Lampertheim“ fusioniert und nur noch als Bezirke gesehen. Auch die Sanierung der Domkirche beginnt im neuen Jahr, die zwei Jahre andauern kann. In dieser Zeit werden Gottesdienste in der Notkirche gefeiert. Pfarrer Müsebeck rief dazu auf, das Vermächtnis derer zu bewahren, die durch ihre Entschlossenheit und ihren Glauben die Kirche wieder aufgebaut hatten und dankte ihnen. Zum Heiligen Abendmahl stellten sich zahlreiche Gottesdienstbesucher an, die bei vier Abendmahlhelfern ihre in Wein getauchte Hostie in Empfang nahmen, begleitet von leisen Orgelklängen. Im Gebet sprach Pfarrer Müsebeck: „Du hast uns gestärkt mit Brot und Wein, lass uns selbst zum Zeichen deiner Liebe werden“. Die Kollekte dieses Sonntags ist für die Sanierung der Domkirche bestimmt, gab Pfarrerin Sauerwein bekannt. Nach dem Segen und Applaus nach dem letzten Musikbeitrag waren die Gottesdienstbesucher zum Sektumtrunk eingeladen. Mit dem Kauf eines Ansteckers, der die Silhouette der Domkirche mit Sonnenaufgang zeigt, kann man sich an den Kosten für die Sanierung beteiligen (pro Stück 3,50 Euro, drei Stück 10 Euro). Auch durch Spenden an den Förderverein Domkirche kann man die kostenträchtige Sanierung unterstützen.
Hannelore Nowacki






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