Die Lampertheimer Sängerinnen und Sängern waren Teil der über 2.200 Choristen, die den stimmgewaltigen Hintergrund für das Pop-Oratorium „Luther“ bildeten. Foto: oh
LAMPERTHEIM - Ausverkauft! – so schallte es den Lampertheimer Sängerinnen und Sängern entgegen, die am Samstag Mittag in der Mannheimer SAP-Arena eintrafen. Sie waren Teil der über 2.200 Choristen, die den stimmgewaltigen Hintergrund für das Pop-Oratorium „Luther“ bildeten. Das Projekt ist ein Teil der vielen Veranstaltungen, die an den Thesenanschlag durch Martin Luther vor 500 Jahren erinnern. Bereits vor mehr als fünf Jahren begannen die ersten Vorbereitungen für dieses Mammut-Projekt. Seit der umjubelten Premiere in der Westfalenhalle in Dortmund (schon im Herbst 2015) tourt das als Musical komponierte Werk durch die großen Hallen in Deutschland. Das Besondere dabei ist, dass sich der große Chor immer neu bildet und sich jeweils aus Sängern der Region zusammensetzt. So hat sich auch in Lampertheim die Idee gebildet, einen Projekt-Chor für dieses Ereignis zu gründen. Vor gut einem Jahr meldeten sich dann Mitglieder aus mehreren Chören und interessierte Einzelsänger, schon nach den Sommerferien begannen die Proben. Unter der Leitung der Kantoren Heike Ittmann und Andrea Hintz-Rettenmaier wurden die Grundlagen gelegt. Erster Höhepunkt der Vorbereitung war die Regionalprobe in der Mannheimer Christuskirche, als schon über 800 Begeisterte zusammen kamen. Einer der beiden Chorleiter war übrigens Achim Plagge, der mit seiner Eberbacher Kantorei vor einigen Jahren bereits in der Lampertheimer Domkirche anlässlich des Oratoriums „Die Glocke“ zu Gast war. Zur Hauptprobe wurde extra die Ludwigshafener Ebert-Halle gemietet, um erstmals alle 2.200 Sänger zu versammeln. Schon da gab es die ersten Gänsehaut-Momente, als sich der Klang diese gewaltigen Chors entfaltete. Überraschend erschien auch der Komponist Dieter Falk, den viele als Juror einer Casting-Show aus dem Fernsehen bekannt ist. Pfarrerin Sabine Sauerwein jedenfalls war begeistert. „Es ist ein beeindruckendes Erlebnis, dass die Generationen verbindet.“ Die mit acht Jahren jüngste Teilnehmerin und der mit 87 Jahren älteste Sänger wurden extra begrüßt und mit viel Applaus bedacht. Anstrengend war der Tag der Aufführung. Schon mittags öffneten sich die Türen der Arena und es bildeten sich lange Schlangen. Schnell füllten sich die Reihen und der Chor bildete hinter der Bühne eine regelrechte weiße Wand, die bis unter das Hallendach reichte. Bei Sound-Check und Generalprobe mit einem kompletten Durchlauf bekamen die Lampertheimer schon eine Ahnung, was an dem Werk begeistert. Eingängige Melodien sowie eine hintergründige und symbolhafte Handlung, die im modernen Gewand umgesetzt wurde, ohne jedoch die Person Luthers zu glorifizieren und zu überhöhen. Nachdenklich stimmte, dass schon vor 500 Jahren manche Themen genau so aktuell waren wie sie auch heute noch polarisieren. Kaiser (Präsidenten), die mit Dekreten regieren und auf Berater mit eigenen Interessen hören, Macht und Gier der Banken oder die Sympathie des Volkes nach starken Führern, die es „denen da oben“ mal richtig zeigen. „Schade, dass wir von der Aufführung nicht so viel sehen können“ waren sich die Spargelstädter einig, da der Komponist dem Chor nur wenige Pausen im ganzen Stück gönnt. Zumal es neben Gesang an mehreren Stellen auch eine Choreographie umzusetzen galt, die das Geschehen auf der Bühne eindrucksvoll untermauert. Lohn der Mühen des vergangenen Jahres war eine ausverkaufte SAP-Arena, in die auch viele Lampertheimer den vergleichsweise kurzen Weg fanden. Nach stehenden Ovationen und einem jubelnden Publikum fuhren die Sängerinnen und Sänger zwar müde, aber glücklich zurück ins Ried. Mehr Fotos und ein kurzes Video sind auf der Facebook-Seite der Dekanatskantorei Ried zu finden. zg