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Fr., 12. Mai 2017, 09:00 Uhr
Lesen mit Herz – erster Auftritt der Lyrikgruppe erreichte die Herzen
Lyrik an der Hochzeitschaukel zwischen Liebe und Leben
Für die abwechslungsreichen Gedichtvorträge spendeten die Zuschauer viel Applaus. Im Bild: Renate Gayer (rechts) und Johanna Tausch. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Herzluftballons wiesen den Weg zu dem besonderen Ort, an dem sich außergewöhnliches ereignete – eine „Lesung mit Herz“ in der alla hopp!-Anlage an der Hochzeitsschaukel, die ein blühendes Herzbouquet zierte. Die erst seit einigen Monaten bestehende Bürstädter Lyrikgruppe hatte zu dieser Lesung unter freiem Himmel eingeladen, auf gutes Wetter hoffend. Es wurde der schönste Tag der Woche. Die Zuschauer fanden einen weichen Rasenteppich und Sitzbänke ohne Lehne vor, der Eintritt war frei, nur die Getränke waren zu bezahlen. In den Gläsern funkelten Sekt und Wein. Günter Schwering, Leiter des nahe gelegenen Altenheims St. Elisabeth hatte die Bewirtung übernommen, die frisch gebackenen Herzplätzchen hatte Siegfried Gebhardt mitgebracht, eine Gratisgabe für das Publikum. Eine zwanzigminütige Pause teilte die Lesung in einen ersten Teil mit 13 und einen zweiten mit 14 Gedichten. In der stimmungsvollen Atmosphäre im Grünen, während die Abendsonne noch zwischen den Baumkronen strahlte und die milde Mailuft nur ein wenig abkühlte, hörten die Besucher den vortragenden Gruppenmitgliedern aufmerksam zu. Renate Gayer wartete mit ihrer Begrüßung noch den letzten Glockenschlag von St. Michael ab, um die Besucher auf die Reise quer durch die Literatur um das Thema Herz vorzubereiten. „Lehnen Sie sich zurück, aber nicht zu weit“, war ihre Empfehlung für die nächsten zwei Stunden – damit hatte sie die erste Pointe des Abends gelandet und ein lachendes Publikum vor sich. Alle Gedichte und Texte hatte die Gruppe zuvor einer Prüfung unterzogen. Besinnliches und Lustiges, Herzliches und Schmerzliches waren ausgewogen im Programm zusammengetragen, vielleicht mit einem Hang zur Lust an der heiteren Gemütsverfassung. Eugen Roth mit seinen aus dem Leben gegriffenen heiteren Betrachtungen kam fünfmal zu Ehren, zweimal von Christa Kilian vorgetragen, auch von Ringelnatz war mit dem kleinen Gedicht „Briefmarke“ ein besonders witziges Gedicht zu hören. Was Wilhelm Busch einst reimte, kommt auch heute noch gut an, wie sich zeigen sollte. Die Freude an der Lyrik wollte die Gruppe nicht im stillen Kämmerlein genießen, sondern öffentlich gemeinsam mit allen Freunden der Dichtkunst inmitten der alla hopp!-Anlage, gab Gruppenmitglied und Moderator Kaupe bekannt. Kaupe, stilecht mit dickem rotem Plüschherz am Revers baumelnd vor das Publikum tretend, führte amüsant locker durch die Lesung, informierte die aufmerksam lauschenden Zuhörer über die vortragenden Gruppenmitglieder und wusste Details zu den verstorbenen und noch lebenden Dichter zu erzählen, deren Gedichte stimmungsvoll vorgetragen wurden. Rita Lausecker, zuständig für die Organisation, hatte herausgefunden, dass die wenigen Herren wahre Lyrikfreunde sind und nicht etwa von ihren Frauen zum Mitkommen genötigt wurden. Johanna Tausch, das jüngste Gruppenmitglied, hatte sich von Goethe „Willkommen und Abschied“ und von der Philosophin Hannah Arendt „So ist mein Herz“ inspirieren lassen. Als Autorin mit eigenen Gedichten sprach Monika Barmann diese auch selbst, Gedichte über den Gleichklang, die Erfüllung, die wahre Liebe mit Leidenschaft für den Garten mit seinem Eigenleben, Herzensblüten und Farben des Südens. Lieder wie das von Sarah Connor gesungene „Wie schön du bist“, gelesen von Monika Barmann, und „Hungriges Herz“ von der Musikgruppe MIA, das Christa Kilian las, beeindruckten durch ihre Ausdrucksstärke, ebenso das Lied „Auf anderen Wegen“ von Andreas Bourani. Gabi Winkler und Renate Gayer sprachen es im Duett. Von der tiefgehenden Schönheit der lebendigen Liebe zeugt Reinhard Fendrichs Lied „Weils a Herz hast wie a Bergwerk“, das Gabi Winkler ausdrucksvoll im originalen österreichischen Dialekt sprach. Vor 36 Jahren war sie aus Krieglach nach Bürstadt gekommen. Siegfried Gerhardt hatte sich für das Gedicht „Einsicht“ von Eugen Roth und „Lichtlöcherherz“ von Gabi Scherzer entschieden. Mit den „Drei Spatzen“ von Christian Morgenstern setzte er ein lustiges Ausrufezeichen. Bürgermeisterin Barbara Schader äußerte sich in einem Schlusswort begeistert zu dieser Kulturveranstaltung, für die sie gerne die alla hopp!-Anlage zur Verfügung gestellt habe. Der Betriebshof hatte für Sitzbänke und die Beschallungstechnik gesorgt. Das neue Logo „Bürstadt – Bürgerstadt mit Herz“ auf einem Rollbanner hatte einen prominenten Platz erhalten. Die nächste Lyriklesung ist für den Herbst geplant. Hannelore Nowacki
„Lesen mit Herz“ war eine außergewöhnliche Lyrikveranstaltung, die in der alla hopp!-Anlage bei schönstem Maiwetter für viele heitere Momente sorgte. Foto: Hannelore Nowacki