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  • Fr., 28. Oktober 2022, 10:05 Uhr
    MUNDART: Bäschdedder Babbler erinnern an die Kultur des Festefeierns 

    „Mär muss die Feschde feijern, wie se falle“

    Bei den Bäschdädder Babblern darf gelacht werden, aber auch die Wehmut im Rückblick auf glückliche Zeiten der Vereins- und Straßenfeste hatte ihren Platz. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Vereinsgeschichten in Bürstadt sind häufig auch Lebensgeschichten mit jahrzehntelanger Erfahrung des Feierns, aber auch jüngere Bürstädter wissen wie es geht: Feste feiern wie sie fallen. Bei den Bäschdädder Babblern, dieser lockeren Vereinigung mundartbegeisterter Sprecher, waren die Berichte zur alten Bürstädter Kultur des Feierns am Mittwochabend das Programm. Dazu kommt noch die Freude am Erzählen in Bürstädter Mundart oder wie man in Bürstädter Babbler-Kreisen auch sagt: „Jeder darf babble, wie em de Schnawwel gewachsen is“. Der Saal im Vereinsheim des Männergesangvereins (MGV)  in der Waldgartenstraße war voll, für weitere Besucher musste noch schnell ein weiterer Tisch aufgestellt werden. Für Speis und Trank war gesorgt, wobei man sich nicht mit Wasser begnügen musste, auch wenn Musiker Willi Winkler das Lied vom „Bäschdädder Wasser“ so schön zu Gehör brachte. Babbler-Boss Frank Gumbel stimmte die Besucher mit seiner Rede auf die kommenden geplanten zwei Stunden ein. Noch viel mehr war den Veranstaltern eingefallen, doch wie Oberbabbler Gumbel feststellen musste: Das Programm war schon „picke packe voll gewesd“. Daher kann es gut sein, dass es eine Fortsetzung gibt. Planmäßig auf die Minute waren die 15 Vorträge durchgetaktet, doch mit nicht allzu strenger Klingel. Mit dem Landtagsabgeordneten Alexander Bauer, Erstem Stadtrat Christoph Lang und der Stadtverordneten Saskia Wenz war die Politik zur Freude der Bäschdädder Babbler ordentlich vertreten, außerdem war Kalle Horstfeld von der Lampertheimer Babbler-Szene anwesend. Namentlich begrüßt wurde auch Tim Lux, bei der Stadt für Wirtschaftsförderung zuständig. Manch kleine Geschichte und Anekdote führte im Saal zu Heiterkeit wie der Gaasekuss von Jürgen Manske aus den 60er Jahren. Aus alten Riedroder Kerwereden trug Fabian Kreiling vor, unterstützt von Mundschenk Nils mit flüssiger Nahrung. Zweifellos ist die Kerwe ein respektiertes Kulturgut mit repräsentativen Aufgaben, die selbst ein Fehlen in der Schule ganz offiziell entschuldigen, wie die Geschichte eines Kerwemädels bewies. Aus Bürstadt berichtete Kerwevadder Damiano Brucato wie es dazu kam, dass der HCV die Kerwe organisiert. Rupert Getrost blickt als „Uralt-Kerwevadder“ auf Jahrzehnte Bobstädter Kerwe zurück und hofft, dass die Kerwe bald wieder wie früher bei der Feuerwehr gefeiert wird. Monika Kroker hat schon als Kind mitgefeiert bei der Feuerwehr, war ein Engelche beim Theaterspielen. „Mir gebbe nix“, so begann ihre Anekdote über eine Spendensammlung zugunsten der Feuerwehr vor sehr langer Zeit als fünf Mark noch fast ein Vermögen waren. Früher waren Straßenfeste alljährliche Ereignisse, bis sich nicht mehr genug Leute für die Arbeit fanden. Heute bleiben die wehmütigen Rückblicke lebendig. Vom Scharf-Eck-Fest ist ein dreistrophiges Lied überliefert, das im Saal erinnerungsgeladen wiederauflebte. Richard Lyszcz erzählte vom Volkschor und vom Bubenlachringfest, Reinhard Kilian vom Waldfest der Harmonie und Roland Gündling von der Sängerlust ließ Jahrzehnte der Vereinsfest-Geschichte wiederaufleben. Der Unterschied auch zum Briebelfest des MGV – die Sängerlust feiert ihr Zeltfest immer noch jedes Jahr. Vom schönen Briebelfest, das nach 50 Jahren aufgegeben wurde, erzählte Roland Weinz. Wie so oft, waren die bei Festen aktiven Vereinsmitglieder immer älter geworden und die Jüngeren hatten andere Interessen. Wenn nicht gerade Corona ist, geht es beim SKK rund. Hans Ludwig weiß noch von Zeiten des SKK-Spargelfestes, als 1.100 Broodwerschd gebacke wurden. „Was macht Bürstadt so besonders?“ Eine Frage, die Alfred Koch von der TSG im Grunde rein rhetorisch in den Raum stellte. Begeistert beschrieb er die Gymnastica, ein internationales Turnfest mit jahrzehntelanger Tradition im Drei-Jahres-Rhythmus, das er schon als Kind miterlebte. Stimmung in der TSG-Halle bei Besuchern und Sportlern, auf der Bühne Doppelsalti – Spaß statt trockener Wettkampfstimmung. Warum nur alle drei Jahre, habe er damals gedacht. Später, als Organisator im Leitungsteam, sei ihm das klar geworden. Im nächsten Jahr, ein Jahr später wegen Corona, werden wieder tausend Teilnehmer erwartet. Da er sich mit den Menschen aus aller Welt unterhalten wollte, habe er sein Englisch vervollkommnet. Wie zu hören war, klappt es auch mit dem Bürstädter Zungenschlag. Seine Meinung: „Die Sprache gibt Auskunft über die Nationalität, der Dialekt gibt Auskunft über die Identität“. Humor muss sein, als Dankeschön durften sich die Babbler über eine rote Friedshofskerze und Streichhölzer freuen. Jürgen Manske erklärte: „Wenn euch mol des Licht ausgeht“. Hannelore Nowacki

     

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