AUSSTELLUNG: Vor 75 Jahren Ende des 2. Weltkriegs – Erinnern an Kriegsopfer aus Biblis im Burg-Stein-Museum
Mehr als Namen auf Gedenktafeln
Bei der Ausstellungseröffnung rief Vereinsvorsitzender Günter Mössinger die Bibliser, Nordheimer und Wattenheimer dazu auf, Unterlagen für die Erweiterung der Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – Tiefe Spuren hatte der 2. Weltkrieg ins örtliche Leben eingegraben, die der Nordheimer Verein für Heimatgeschichte mit der neuen Ausstellung im Burg-Stein-Museum sichtbar machen will. Über die bekannten Listen mit Namen und Daten auf den Gedenktafeln der Friedhöfe hinausgehend, sind bewegende Einblicke in das Leben der Soldaten möglich, die in Biblis und Nordheim lebten, in die Wehrmacht eingezogen wurden und den Krieg nicht überlebten. Seit Kriegsende sind 75 Jahre vergangen, höchste Zeit, wie der Verein meint, mehr über die Gefallenen zu erfahren und das Vergessen zu verhindern. Das Interesse der Enkelgeneration sei bemerkenswert, hob der Vereinsvorsitzende Günter Mössinger in seiner Eröffnungsrede am Sonntag hervor. Zahlreiche Besucher waren gekommen, die mit Maske und auf Abstand achtend die Exponate betrachteten. Christine Dirigo brachte Informationen und Bilder über ihren Opa Friedrich Dirigo in die Ausstellung ein, der als Soldat in Frankreich durch eine Explosion im August 1944 im Alter von 37 Jahren starb. Von Beruf war er Zimmermann. Beate Mattheis hat dem Verein Schriftstücke ihres Onkels Anton Gebhardt gegeben, der ein Kriegstagebuch geführt hat, in dem er von Kampfhandlungen und Eindrücken von Land und Leuten in Ungarn berichtete. Im Alter von 19 Jahren wurde er bei Sewastopol bei einer Flussüberquerung erschossen. Von Nikolaus Gölz ist bekannt, dass er bei seiner Gefangennahme im Juli 1944 in Belgien vom Transportwagen sprang und erschossen wurde. Sein Onkel Walter Amandus Kunz kam als gelernter Schmied viel mit der Luftwaffe herum. Aus Griechenland schrieb er, dass er die Pferde unter Feigen und Palmenbäumen beschlage. Gefallen ist er laut DRK-Suchdienst wahrscheinlich bei Kämpfen zwischen April und 13. Mai 1945 in Kroatien und gilt als verschollen. Schreinermeister Peter Kreider war schon im 1. Weltkrieg Soldat. Bei Gefechten mit Partisanen zwischen Beresino und Minsk ist er wahrscheinlich am 2. Juli 1944 ums Leben gekommen, ein Grab ist nicht bekannt. Sein Enkel und Vereinsmitglied Peter Kreider hat die Unterlagen und Ergebnisse seiner Forschungen für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Diesen Angehörigen sind die Zeugnisse der Vergangenheit zu verdanken, die jetzt als Leihgaben oder Kopien ausgestellt sind. Noch viel mehr Unterlagen und Bilder vermutet der Verein in Schubladen vieler Familien in Biblis, Nordheim und Wattenheim. Daher die dringende Bitte Mössingers an alle, die etwas aufbewahrt haben, diese historischen Schätze für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Denn diese Ausstellung soll in Monatsschritten aufgebaut werden. In den Vitrinen sind Bilder, amtliche und persönliche Schriftstücke zu sehen, die das damalige Geschehen eindringlich vor Augen führen. Die Ausstellung will anschauliche Antworten geben zum Menschen hinter dem Namen. Soldaten aus Biblis waren im Krieg in vielen europäischen Ländern eingesetzt. Feldpost wurde damals verschickt und Briefe mit Briefmarken, die nach der Kapitulation wegen Materialmangels weiterverwendet wurden, jedoch mit geschwärzten Hoheitsemblemen. Eine solche Sammlung ist ebenfalls ausgestellt, zu verdanken dem Verein für Briefmarken und Münzkunde Biblis, dessen Vorsitzenden Dietmar Borries Mössinger seinen Dank aussprach. Ebenso dankte Mössinger den Leihgebern, der Gemeinde Biblis und dem Ausstellungsteam, dem Kurt und Alexander Dinges, Gisela Gibtner, Rüdiger Ried, Kurt Althoff, Standesbeamtin Anne Gaspar angehören. Nachdem Mössinger seinen Appell eindringlich vorgetragen hatte, Material für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, kamen bereits Angebote aus dem Kreis der Besucher. Wer mithelfen will dem Vergessen entgegenzuwirken, kann sich an diese Ansprechpartner wenden: Gisela Gibtner (Telefon 06245/3745 oder gigigibt@gmail.com), Alexander Dinges (Telefon 06245/995983 oder Alexander Dinges@web.de) oder Günter Mössinger (Telefon 06245/5563 oder guenter.moessinger@gmx.de). Oder man kommt einfach zu den Öffnungszeiten ins Burg-Stein-Museum, Rathausstraße 1 in Nordheim, immer am 1. und 3. Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr bei freiem Eintritt. Hannelore Nowacki
Krieg in Biblis: Damals gab es einen militärisch genutzten Flugplatz. Foto: Hannelore Nowacki