
LAMPERTHEIM – Wichtige Weichenstellungen im Leben auch für die nachfolgenden Generationen werden in einem Regionalplan mit einem Planungszeitrahmen von 10 bis 15 Jahren vorgenommen und letztlich von der Regionalversammlung beschlossen. Der noch gültige Regionalplan für Südhessen aus dem Jahr 2010 wird noch so lange gelten, bis schätzungsweise in zwei Jahren der neue Regionalplan in Kraft tritt. Wie werden Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung, die Steuerung des großflächigen Einzelhandels, der Klima- und Naturschutz, die regionale Infrastruktur und viele weitere Entwicklungen bei zum Teil gegensätzlichen Interessen unter einen Hut gebracht? Darum geht es auch bei den Stellungnahmen der betroffenen Kommunen wie auch in Lampertheim. Zur Einreichung der Stellungnahme hatte das Regierungspräsidium Darmstadt eine Frist bis zum 15. Dezember gesetzt. Doch erst am drei Tage zuvor hatten die Stadtverordneten Gelegenheit die Stellungnahme der Stadt Lampertheim zu beraten. Verärgert sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Gernot Diehlmann in seiner Wortmeldung, er halte es für einen ganz großen Fehler. Zudem sei das Thema erst durch seine Nachfrage auf die Tagesordnung gekommen. Dennoch sei Dank der Vorsitzenden aller vier Fraktionen in der Kürze der Zeit über alle politischen Grenzen hinweg eine ergänzende Stellungnahme zustande gekommen, woraus Diehlmann folgert: „Die Demokratie in Lampertheim funktioniert, wir machen einen guten Job“. Einig sind sich alle, dass Lampertheim sich die Entwicklung nicht vom Land vorschreiben lassen wolle, wie dann auch die einstimmige Beschlussfassung bewies. Bereits am 3. November hatte sich der Magistrat zum Entwurf beraten, am 18. November folgte der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss.
Fraktionen wollen mehr Flächen für Neubaugebiete und Gewerbe
„Wir entwickeln unsere eigenen Ideen und nutzen einmal alle 10 bis 15 Jahre die Gelegenheit unsere Ideen zu formulieren“, betonte Diehlmann energisch und stellte die vier ergänzenden Punkte der Fraktionen vor. „Am Sportfeld“ soll ein Wohngebiet entwickelt werden – bei Berücksichtigung des derzeit geltenden 400-Meter-Abstandsgebots von einer Höchstspannungsleitung. Die Ostumfahrung L 3110 zwischen Siedlerhalle und den Seen in der sogenannten Grünzugtrasse soll fortgeführt werden. Jetzt sei die Gelegenheit, die Planung wieder aufzunehmen für einen Lückenschluss zwischen Rosenaustraße und Wormser Landstraße. Im südlichen Hüttenfeld soll ein Wohngebiet entwickelt werden – östlich der L 3111 auf der unbebauten Fläche zwischen der Bebauung südlich der Waldstraße und Waldrand, was einer Fläche von 4 bis 4,5 Hektar entspreche. In Rosengarten soll der Siedlungsbereich nach Osten als „Vorranggebiet Siedlung: Planung“ zwischen der bestehenden Bebauung und dem ehemaligen Kauflandgelände erweitert werden. Ohne Unterstützung von Fachleuten in der Stadtverwaltung gehe es nicht, betonte Diehlmann und dankte der Verwaltung, die mit dem ersten Entwurf eine gute Stellungnahme abgegeben habe. Helmut Rinkel (Grüne) bezog sich auf die „feurige Rede“ seines Vorredners und wies darauf hin, dass der Regionalplanentwurf sich durch die Flächendeckelung für Lampertheim deutlich vom geltenden Regionalplan von 2010 unterscheide: Für Wohnen mit 363 Hektar auf 207 Hektar, für Gewerbe von 348 Hektar auf 210 Hektar verringert. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Klingler kritisierte, dass die Entscheider in Darmstadt und Wiesbaden keinen Bezug zu Lampertheim hätten, vor Ort wisse man um die Potenziale. Lisa Galvagno (CDU) sieht Lampertheim im Vergleich zu anderen Kommunen im Nachteil, die im Regionalplanentwurf Perspektiven bekommen hätten, aber Lampertheim um Jahrzehnte zurückgeworfen würde. „Wir sind ein eigener dynamischer Standort, werden aber wie Niemandsland behandelt“. Bei einem Einwohnerwachstum von 4,8 Prozent sei die Frage „wohin“ bei nur 12 Hektar neuer Siedlungsfläche. Und die ausgewiesenen 6 Hektar für Gewerbe seien nicht einmal nutzbar. Bürgermeister Alexander Scholl (CDU) kündigte an, die Argumente in die Stellungnahme einzuarbeiten. Er könne sie nachvollziehen, hatte aber noch zwei Verständnisfragen in Bezug auf Formulierungen. In der geänderten Fassung ließ Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb (CDU) die Stellungnahme der Fraktionen abstimmen. Bürgermeister Scholl ermutigte mit seinem Appell an alle Fraktionen diesen Weg der Zusammenarbeit weiterzugehen.
Hannelore Nowacki
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