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  • Fr., 04. Juni 2021, 10:34 Uhr
    FREIE WÄHLER BÜRSTADT: Gespräch mit Anwohnern und Investor für Projekt KamÜ

    Mehr Lärm und Belastungen in der Industriestraße?

    Die Freien Wähler Bürstadt (FW) hatten die Anwohner zu einem Vor-Ort-Termin mit Rüdiger Engert eingeladen. Der Eigentümer des alten Speichergebäudes, das Teil der Raiffeisenhallen in der Industriestraße ist, stellte den Anwohnern seine aktuellen Pläne vor. FW-Fraktionsvorsitzender Torsten Pfeil moderierte das Treffen. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – In der Industriestraße geht es eng zu und laut ist es für die Anwohner auch. Der Verkehr drängt sich in beiden Richtungen durch diese Bürstädter Engstelle, die alten Raiffeisenhallen verstärken das Dröhnen der Lastwagen. Was wird passieren, wenn die Raiffeisenhallen einer Wohnbebauung weichen, vor allem aber: Wird es zusätzlichen Lärm und mehr Belastungen für die Anwohner zur Folge haben, wenn Rüdiger Engert sein Vorhaben für „Kultur am Übergang“, kurz und griffig „KamÜ“, umsetzen kann? Die Freien Wähler Bürstadt (FW) hatten bereits vor der Kommunalwahl im Wahlkampf mit den Anwohnern gesprochen und auch danach. Von vielen Bedenken zum „KamÜ“-Projekt und Sorgen haben sie dabei gehört, aber auch Neugier erfahren. Am Mittwochnachmittag fanden auf Einladung der FW mehrere Anwohner und Rüdiger Engert in dessen Gebäudeteil der  Raiffeisenhallen  zu einem Vor-Ort-Termin  zusammen. Damit sollten die Anwohner Gelegenheit bekommen, ihre Bedenken, Sorgen und Anregungen zu äußern, moderiert vom FW-Fraktionsvorsitzenden Torsten Pfeil. Die FW wollten keine Entscheidung in den Gremien treffen, ohne mit den Anwohnern zu reden, betonte Pfeil. Unter den zwanzig Teilnehmern des Treffens waren einige FW-Fraktionsmitglieder und Stadtverordnetenvorsteher Franz Siegl (SPD), der die Fraktionen über die Ergebnisse informieren will, sagte er gegenüber dem TIP.  Das „KamÜ“-Projekt sehe er durchaus positiv, es sei auch in den Konzepten der vier Architekten enthalten, die den Fraktionen ihre Pläne im Juli in einer nicht öffentlichen Sitzung vorstellen werden. Das Grundstück sei im Eigentum der Stadt Bürstadt und Pächter Rüdiger Engert nur im Besitz des Gebäudes, deshalb wolle Engert das Grundstück erwerben. Engert stellte seine Pläne anhand einer Bildpräsentation vor, die Planungsunterlagen lagen aber auch zur Ansicht aus. Ausdrucke zeigten, wie das von außen renovierte Gebäude einmal aussehen könnte. Für Rüdiger Engert, der seinen Agrarmarkt Engert an Nachfolger verkauft hat, spielen beim alten Getreidespeicher, den Raiffeisenhallen, auch emotionale Erinnerungen an seine Kindheit und seinen Großvater eine bedeutende Rolle. Ganze Sommerferien habe er bei seinem Opa im Speicher verbracht, dabei viel aus Gesprächen mit den Landwirten gelernt und miterlebt, wie die Landwirte mit dem Traktor vorfuhren, die Klappe aufmachten und ihr Getreide in den Speicher lief. Für ihn steht fest: „Die Halle muss stehen bleiben, das bin ich meinem Opa und Vater schuldig“. Als er 2007 renovieren wollte, habe ihm die Politik geraten abzuwarten. Vor zwei Jahren habe er einen Architekten mit neuen Planungen beauftragt. Ihm sei klar, dass die Halle ein innerörtlicher Schandfleck ist. „Dazu stehe ich“, sagte Engert, der seinen Frust gegenüber der Politik deutlich machte und betonte: „Ich bin kein Großinvestor“. Bei der Umsetzung seiner Pläne rechne er mit Zuschüssen. Engert machte seinem Ärger Luft - seit zehn Jahren mache er der Stadt Bürstadt Vorschläge, hatte Ideen, zum Beispiel ein Fahrradparkhaus in seiner Halle einzurichten. Stattdessen seien Boxen aufgestellt worden. „Irgendwann muss es rollen“, meinte Engert. Dafür hat er Pläne: Im Erdgeschoss sollen unter anderem ein großes Foyer und einen Freiraum für gemeinschaftliche Nutzung von rund 70 Quadratmetern, Räume für Meetings und Workshops, im Obergeschoss sollen Räume für kreatives Arbeiten, Ateliers für Künstler, Mietbüros als „Workspace“ mit schnellem Internet, ein Veranstaltungsort und ein Yoga-Studio entstehen. Gastronomie mit Außenbestuhlung soll Platz bekommen, ein Vorhaben, das bei den Anwohnern nicht gut ankommt – sie befürchten mehr Verkehrsbelastung, weniger Parkmöglichkeiten für eigene Besucher und Lärm durch feiernde Gäste, die spät abends nach Hause gehen. Zu bedenken gab Claudia Glück, dass auch beim Eisverkauf Leute Schlange stehen. Ihre Meinung: Vorher Bedenken vorbringen, nicht wenn alles gelaufen ist. Eine weitere Sorge zur Gebäudehöhe, die Anton Glück vorbrachte, entkräftete Engert mit dem Hinweis, dass sich an den Konturen nichts ändern werde. Eine Anwohnerin fand die Engerts Ideen toll, aber es komme auf das Gesamtpaket an. Gudrun Schwarz-Brückmann wohnt in der Bahnhofsallee, mit Erfahrung in Neuerungen, sagte in diesem Sinne an Engert gerichtet, es gehe nicht allein um seine Halle, sondern um den Rest. Als Problem wollte FW-Fraktionsvorsitzender Pfeil das Projekt jedoch nicht bezeichnen. 

    Stadtverordnetenvorsteher Franz Siegl meldete sich mit dem Hinweis zu Wort, dass die Hallen auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hätten abgerissen werden sollen, doch momentan sei alles noch offen. Die Gespräche mit den vier Architekten würden Partei übergreifend geführt. Zum Verkehrslärm erklärte Siegl, dass die SPD vor Jahren einen Antrag für eine Einbahnstraßenregelung eingebracht hatte. Die Außenfassade könnte man mit Schalldämmung versehen. Die Belastungen für die Anwohner seien jedenfalls zu minimieren. Dieses Anliegen will auch Pfeil in die kommenden Debatten mitnehmen. Hannelore Nowacki

     

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