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Do., 25. August 2016, 22:24 Uhr
VSR-Gewässerschutz hat Proben aus Brunnenwasser untersucht
Mehr Nitrat im privaten Brunnenwasser als zugelassen
Ist das klare Brunnenwasser aus der Tiefe zum Gießen unbedenklich? Das Analyse-Angebot des Labormobils im Mai wurde von zahlreichen Gartenfreunden angenommen. Archivfoto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Man sieht es dem Brunnenwasser nicht an, ob es zu viel Nitrat oder andere schädliche Stoffe enthält, deshalb nutzten viele Bürstädter im Mai das Angebot des Labormobils des Vereins VSR-Gewässerschutz aus Geldern und brachten ihre Wasserproben gegen Gebühr flaschenweise zur Analyse. Die Schlange vor dem Labormobil unter dem Dach der Markthalle riss über zwei Stunden nicht ab. Diplom-Physiker Harald Gülzow konnte einige Untersuchungen sofort durchführen, die meisten Gießwasserproben brauchten mehr Zeit, so dass die Wassernutzer die Ergebnisse etwa drei Wochen später erfuhren. Im Gespräch mit dem TIP hatte Gülzow angekündigt, die komplette Analyse auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Alle drei bis vier Jahre komme er nach Bürstadt, aber schon nach dem vorigen Besuch habe er in den Untersuchungen eine zu hohe Nitratbelastung in den Brunnenwassern nachweisen können, gespannt sei er, wie die Qualität diesmal beschaffen sein mag. Die Ergebnisse liegen dem TIP vor. „Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt“, teilte Gülzow schriftlich mit. In mehr als jeder dritten untersuchten Probe habe die Nitratkonzentration den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) überschritten, den die deutsche Trinkwasserverordnung festlege. Analysiert wurde Wasser aus 44 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Bürstadt und Lampertheim. In einer Brunnenwasserprobe aus Bürstadt fand der Verein sogar 210 mg/l. Auch nicht gut sah es bei Proben in Hofheim mit 121 mg/l Nitrat und in Lampertheim mit 81 mg/l aus. Fazit: Das Wasser dieser Brunnen ist nicht mehr zum Trinken geeignet, auch Fischen im Gartenteich sollte es nicht zugemutet werden. Diese übermäßige Nitratbelastung könne zur Algenvermehrung und schließlich zum Fischsterben führen. Gülzow rät, beim Gießen mit nitratbelastetem Wasser die Düngung mit Stickstoff geringer zu berechnen, um eine unnötige Nitratanreicherung zu verhindern. Wer den Termin am Labormobil verpasst hat, kann eine Brunnenwasserprobe auch mit der Post an den Verein schicken. Gülzow folgert aus den Untersuchungsergebnissen „einen deutlichen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft, da das belastete Grundwasser auch die EU-Nitratrichtlinie nicht einhalte. Der VSR-Gewässerschutz fordert eine Düngeverordnung, die zur Reduzierung der Nitratwerte führt, was der bisherige Entwurf der Bundesregierung zur Novellierung der Düngeverordnung jedoch nicht erreiche. Der VSR-Gewässerschutz begrüße daher die Klage der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof. In der Landwirtschaft müssten geringere Stickstoffüberschüsse durchgesetzt werden, fordert der VSR-Gewässerschutz, Gülle aus Massentierhaltungen, Gärreste aus Biogasanlagen und riesige Mengen an Mineraldünger dürfen weiter auf den Ackerflächen verteilt werden, mehr als die Pflanzen aufnehmen könnten. In den belasteten Regionen regt Gülzow einen Informationsaustausch zwischen Bürgern und Landwirten an. Eine aktuelle Nitratkarte sowie frühere Messergebnisse hat der Verein auf seiner Homepage www.vsr-gewässerschutz.de veröffentlicht. Hannelore Nowacki