Schule in den Weschnitzauen hatte die Kinder zum „Tag des Merkens“eingeladen
Merkmeisterin begeisterte die Kinder
Aus zwei Hälften besteht das Gehirn, mit zwei Fäusten lässt es sich veranschaulichen, wie Kursleiterin Margarita Cabodevila den Kindern zeigte. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Lernen ist die Kunst, alles im Gedächtnis zu behalten und ohne Erinnerung funktioniert das Lernen nicht. Aber muss man das Lernen erst lernen? Und lernen Kinder nicht sowieso schneller als Erwachsene? Gedächtnistraining ist doch eher etwas für Senioren – oder etwa nicht? Am Donnerstagvormittag war eine Merkmeisterin in Biblis zu Gast, die im großen Saal des Bürgerzentrums den Kindern der Schule in den Weschnitzauen nicht nur einiges über das menschliche Gehirn erzählte, sondern mit ihnen einen lehrreichen „Grundkurs zum Merkmeister“ durchführte. An dessen Ende erhielt jedes Kind eine Urkunde für erfolgreiches Bestehen. Eine Schulstunde dauerte der Kurs für die ersten und zweiten Klassen, die dritten und vierten Klassen waren neunzig Minuten gefordert. In fröhlicher Stimmung machten sich die Kinder der dritten Klassen nach dem Kurs auf den Rückweg, wenig später stürmten die vierten Klassen, bepackt mit riesigen und schwer wirkenden Ranzen in den Saal. „Legt die Ranzen zur Seite“ forderte Kursleiterin Margarita Cabodevila die Kinder zunächst auf. Die Bewegungsfreiheit in den vier langen Stuhlreihen war nun hergestellt.
Das Gedächtnis zu trainieren machte den Kindern offensichtlich Spaß. Foto: Hannelore Nowacki
„Guten Morgen“ grüßten die Kinder im Chor. Ihre Kursleiterin machte vor, wie man sich zumindest ihren Vornamen gut merken kann – sie heiße wie eine Pizza. Das menschliche Gehirn ist ein ganz erstaunliches Organ, wie die Kinder erfuhren – das Männergehirn wiege 150 Gramm mehr als das leichtere Gehirn der Frauen, das kleiner und kompakter sei – aber dafür viel schneller arbeite. Etwa im Vergleich schnelles Fahrrad zu Dreirad. Das war ein guter Grund zu lachen, doch schnell ging es ernsthaft weiter. Die Mitarbeit der Kinder war geradezu vorbildlich. Alle Kinder machten dann nach Vorgabe Fäuste, so könne man sich die Größenverhältnisse der beiden Gehirnhälften besser vorstellen. Eine körperliche Merkaufgabe folgte mit der Aufzählung von Haare, Mund, Hals, Schultern und Brustkorb, später folgten weitere Merkmale bis zu den Füßen. Kein Problem war es für die jungen Gedächtniskünstler später die richtige Reihenfolge zu wiederholen. Zu den Kursinhalten, die auf der Urkunde vermerkt waren, gehörte das erfolgreiche Einprägen von Vokabeln und der Kniff, wie man Lernstoffe zuverlässig durch Bildergeschichten im Gehirn abspeichert. Wesentlicher Bestandteil des Konzepts dieser Mnemo-Technik ist das effektive Lernen mit Bildern, weil die rechte Gehirnhälfte auf Gefühle, Bilder und Geschichten anspreche, hatte Kursleiterin Cabodevila den Kindern erklärt. Die linke Gehirnhälfte sei für Ordnung und Struktur zuständig – erst wenn beide Hälften miteinander kommunizieren, könne man sich das Gelernte gut merken. Auch das Merken einer Einkaufsliste mit zehn Posten übten die Kinder. Der am selben Tag durchgeführte Elternabend wurde ebenfalls von der Agentur „Die Merkmeister“ geleitet. Hannelore Nowacki