PROTEST: Stadt Lampertheim fehlt Geld zur Sanierung eigener Wohnhäuser / Information verspätet und dürftig
Mieter geschockt über Verkaufspläne
Sorge und Zorn brachten die Bewohner der Straße Am Sportplatz bei dem Treffen vor Ort deutlich zum Ausdruck. Albert Schwindt zeigte den Lokalpolitikern das Anschreiben der Stadtverwaltung und berichtete von seinen Gesprächserfahrungen. Foto: Hannelore Nowacki
HOFHEIM – Eine gewachsene Gemeinschaft der Bewohner ist in der kleinen Straße Am Sportplatz über Jahrzehnte entstanden, vielfach wohnten schon die Eltern hier. Die Mieten sind erträglich, niemand will hier wegziehen. Doch dann der Schock – zufällig hörte Albert Schwindt vor etwa drei Wochen auf dem Sportplatz ein Gespräch des Ortsvorstehers Alexander Scholl (CDU) mit. Um den bevorstehenden Verkauf dieser Häuser ging es. Nun setzte Schwindt einiges in Bewegung, hakte beim Ortsvorsteher und der Immobilienverwaltung der Stadt Lampertheim nach, informierte die Nachbarn und trommelte telefonisch zu einem Treffen am Dienstagabend auch Vertreter der vier Parteien CDU, SPD, FDP und Grüne zusammen, die in der Stadtverordnetenversammlung und in den Ausschüssen über Haushaltsfragen und finanzielle Mittel befinden. Einige Lokalpolitiker meinten, sie hätten nur zufällig von diesem Treffen erfahren, da es keine schriftliche Einladung gegeben habe.
Sie trafen auf empörte Mieter, die sich um ihre Zukunft sorgen, die aber auch ihren Zorn über das Vorgehen der Stadtverwaltung kundtaten. Das Empfinden einer unwürdigen Behandlung als Bürger und Mieter war zusätzlich verstärkt worden durch die Art des Anschreibens, das ihnen wenige Tage nach dem Gespräch von Schwindt mit dem Ortsvorsteher und Verwaltung mit der Post vom Fachbereich 65 Immobilienverwaltung ins Haus kam. Die Anschrift „An alle Bewohner“ mit der Sammeladresse Am Sportplatz 2-18 ist zu lesen und nach der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ erfahren die nicht namentlich angesprochenen Mieter „hiermit informieren wir Sie darüber, dass die Stadt Lampertheim plant das oben genannte Objekt zu veräußern“. Um Verständnis wird gebeten, wenn potenzielle Käufer und Makler zur Besichtigung kommen.
Fast dreißig Teilnehmer zählte die Protestversammlung, auch Mieter der weiteren betroffenen Häuser in Hofheim im Eigentum der Stadt, die zum Verkauf angeboten werden sollen, waren gekommen. Dabei geht es um Häuser in der Uhlandstraße, Schulstraße und Lochgasse. Aus der öffentlichen Mitteilungsvorlage 2023/98 vom 27. März, die bei der Protestversammlung kursierte, geht hervor, dass sich der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss (SEBA) am 16. Mai und der Ortsbeirat am 21. Juni mit dem Thema Verkauf befasst hatten. Doch nur für die Gebäude Am Sportplatz liegt bislang das notwendige Verkehrswertgutachten vor. Einen Verkaufserlös von 2,1 Millionen Euro verspricht sich die Stadt. Zu teuer und nicht finanzierbar über den Haushalt wäre die notwendige Sanierung aller Wohnhäuser mit fast 50 Millionen Euro. Ein Sanierungsstau über Jahrzehnte wird eingestanden.
Ortsvorsteher Alexander Scholl versuchte die Wogen zu glätten. Foto: Hannelore Nowacki
Ortsvorsteher Scholl wie auch die anderen Lokalpolitiker vor Ort waren sich einig, dass die Kommunikation schlecht gelaufen sei. Das soll sich nun ändern, Scholl schlägt einen Runden Tisch mit Politik, Verwaltung und Bewohnern vor. Zur rechtlichen Lage meinte er, dass ein zukünftiger Eigentümer die Mietverhältnisse übernehmen müsse. Eine Auskunft, die nicht zur Beruhigung beitragen konnte, wie die Wortmeldungen zeigten. Denn wie es weiter geht, bleibt unklar. Und ob sie nach einer Sanierung die Mieten bezahlen können, bezweifeln einige Bewohner.
Dabei haben einige viel investiert in ihre kleine gepflegte Straße mit den einstöckigen Wohnhäusern, die sich aneinanderreihen – einige mit liebevoll gestaltetem Vorgarten und ordentlich gepflegter Außenansicht. Albert Schwindt gehört zu den Mietern, die hier schon ihr ganzes langes Leben verbracht haben und ihr Wohnumfeld mit eigenen Mitteln und persönlichem Einsatz lebenswert und stilvoll gestaltet haben. Auf der anderen Seite ist ein Gebäude mit neuen Rollläden ausgestattet, auch das aus eigenen Mitteln und eigener Initiative. Anderen Gebäuden gleich daneben sieht man den jahrzehntelangen Sanierungsstau deutlich an, sie stehen teilweise bereits leer oder Flüchtlinge haben hier eine Bleibe gefunden. Auf Unverständnis stößt bei den Anwohnern der lange Leerstand, denn es hätten sich neue Mieter bereitgefunden, die Sanierung selbst zu übernehmen. Hannelore Nowacki