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Fr., 20. November 2015, 00:22 Uhr
Bürgerstiftung Bürstadt richtet Spendenkonto für behindertes Mädchen aus Bobstadt ein / Plätzchenverkauf bei Adventszauber
Mirja – eine kleine Kämpferin auf dem Weg zurück ins Leben
Fröhlich und aufgeweckt verfolgt Mirja (3.v.r.) ihre Vorstellung durch ihre Eltern Nicole Jung (3.v.l.) und Stefan Stock (2.v.r.). Unterstützung erfährt die Familie durch die Bürgerstiftung Bürstadt, vertreten durch deren Vorsitzenden Peter Tschirch (r.) und Hans-Jürgen Brems, stellvertretender Vorsitzender (2.v.l.), die ein Spendenkonto bei der Raiba Ried, vertreten durch Claus Diehlmann (l.) eingerichtet hat. Foto: Benjamin Kloos
BÜRSTADT/BOBSTADT – Wer Mirja sieht, blickt in die freudestrahlenden Augen eines Kindes, entdeckt ein Lächeln, das zu Herzen geht – und doch ist Mirja behindert. Dabei kam das 5,5 Jahre alte Mädchen im Mai 2010 gesund zur Welt, sie war von Anfang an ein freches, aktives Kind, das sich motorisch immer schnell entwickelte. „Wir haben ihren 1. Geburtstag gefeiert, da war noch alles in Ordnung", berichtete Nicole Jung, die Mutter von Mirja. „Eine Woche nach ihrem Geburtstag wurde sie geimpft, eine Standardimpfung gegen Meningokokken, wie sie von Kinderärzten empfohlen wird. Wir hatten vorher nie den Gedanken, dass eine Impfung, die doch Gutes bewirken soll, das Gegenteil bewirken kann", so Nicole Jung weiter, immer wieder unterbrochen von Tränen angesichts der traurigen Geschichte. „Zwei Tage nach der Impfung war Mirja plötzlich nicht mehr so ausgelassen, sie bekam 40 Grad Fieber. Die Ärzte sprachen von einem Infekt, sich plötzlich entwickelten sich Fieberkrämpfe – bis sie im epileptischen Status war. Die Ärzte in der Kinderklinik in Mannheim schickten uns aufgrund schlechter werdener Leberwerte bei Mirja nach Heidelberg auf die Intensivstation. Hier wurden die Werte besser, und wir gingen nach Hause, während Mirja auf der Intensivstation blieb. Wir dachten, sie sei auf dem Weg zur Besserung, doch als wir montags wiederkamen lag sie bereits im Koma." Laut den Ärzten sah zunächst alles nach einer Vergiftung aus, die Gehirnströme wurden gemessen und waren nahezu bei 0. Doch Mirja ist eine wahre kleine Kämpferin: Nach vier langen Tagen wachte sie auf. „Mirja hat gekämpft und seitdem kämpfen wir gemeinsam mit ihr. Sie ist aufgewacht und konnte nichts, weder Sprechen, noch Schlucken und es war kein Erkennen von uns in ihren Augen", ergänzte Stefan Stock, Mirjas Vater. „Sie musste alles wieder von vorne lernen, doch die Therapien brachten keinen Fortschritt. Ein halbes Jahr war ich mit Mirja am Bodensee in Behandlung, danach konnte sie nur den Kopf heben und einen Becher halten. Die Ärzte meinten, es würde wohl so bleiben", so Nicole Jung mit zitternder Stimme. „Wir haben von anderen Müttern viele Tips bekommen, für Therapien, wir gingen zum Reiten und vieles mehr, wir haben alles ausprobiert." Und tatsächlich: Allen Prognosen zum Trotz sind vier Jahre später klare Fortschritte zu erkennen. „Erst spät bekamen wir den Hinweis, dass es an der Impfung gelegen haben könnte. Mirja war vorher nie richtig krank und auch danach nicht mehr, auch die epileptischen Krämpfe sind nie wieder aufgetreten. Ein Zusammenhang mit der Impfung ist da", erläutern die besorgten Eltern. Ein Antrag auf Anerkennung eines Impfschadens wurde gestellt, doch zweimal abgelehnt. „Unsere Klage dagegen läuft. Unser Ziel ist es, dass unser Kind auch dann versorgt ist, wenn wir einmal nicht mehr da sind."
Spenden für Therapien nötig
„Dieses Schicksal hat uns sehr bewegt", betonte der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Peter Tschirch. „Deshalb waren wir gerne bereit, ein Spendenkonto einzurichten und haben dieses direkt mit einem betrag von 1.000 Euro gefüllt. Wir freuen uns gemeinsam mit der Familie von Mirja über jede Spende, die eingeht. Denn wir möchten, dass dieses liebe und frohe Mädchen Fortschritte macht, damit sie aktiv am Leben teilnehmen kann. Wir als Bürgerstiftung möchten soziale Zwecke unterstützen – und wenn es so etwas wie einen sozialen Zweck gibt, dann ist es Mirja."
Die Spendengelder werden genutzt, um Therapien, die von der Krankenkasse nicht gezahlt werden, zu ermöglichen. So soll Mirja im kommenden Jahr eine Reittherapie sowie eine Petä-Therapie machen. Letztere stammt aus Ungarn und ist dort anerkannt, in Deutschland bisher von den Krankenkassen jedoch nicht.
Auch sinnvolle Hilfsmaterialien wie beispielsweise ein Stehkissen, mit dessen Hilfe Mirja frei und dennoch bequem und gleichzeitig abgesichert stehen kann, werden nicht übernommen und müssen durch Spenden finanziert werden.
Plätzchen für Mirja
Um selbst etwas für Mirja tun zu können und Geld für die Therapien zu sammeln, hat die Oma von Mirja fleißig Plätzchen gebacken und Marmelade gekocht. Die mit dem Spendenkonto versehenen Tütchen mit den weihnachtlichen Leckereien werden nicht nur auf den Wochenmärkten in Rüsselsheim und Mannheim, sondern besonders auch während des Adventszaubers in Bürstadt vom 4. bis 6. Dezember verkauft werden. Dank der Bürgerstiftung Bürstadt konnte ein Stand direkt neben dem Altenheim realisiert werden. Und auch auf dem Weihnachtsmarkt der TG Bobstadt am 13. Dezember werden die Plätzchen und Marmeladen zugunsten von Mirja erhältlich sein.
„Soll normales Leben führen"
In den vergangenen Jahren hat Mirja große Fortschritte gemacht – besonders im motorischen Bereich. „Sprechen kann sie aber leider noch nicht, ob sie es jemals wieder kann, ist nicht vorhersehbar. Wir wissen auch nicht, ob sie uns überhaupt versteht", berichten die Eltern sichtlich bewegt.
Mirjas Familie versucht, ihr ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. „Wir machen alles, was man mit einem gesunden Kind auch machen würde – Mirja ist sehr neugierig und an allem interessiert. So liebt sie es, Achterbahn ohne Loopings und Kettenkarussell zu fahren, selbst wenn uns schon längst übel wird", betonte Nicole Jung.
Und auch der Kontakt zu anderen Kindern ist gegeben, so besuchte Mirja zunächst die Kinderkrippe Villa Kunterbunt und seit August 2013 die Kita St. Peter. Ab Sommer 2016 wird Mirja nach Ladenburg in die Martinsschule gehen, einen Platz haben ihre Eltern bereits organisiert. Und ein privates Geheimnis verrieten die Eltern von Mirja zudem: So wünschen sie sich ein Geschwisterchen für Mirja, denn „wir sind sicher, dass sowohl Mirja als auch ihr Bruder oder Schwester davon profitieren würden." Benjamin Kloos
Info:Die Bürgerstiftung Bürstadt möchte Mirja helfen und hat unter der Nummer IBAN DE27 5096 1206 0100 1605 55 bei der Raiffeisenbank Ried ein Spendenkonto eingerichtet.