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  • Fr., 06. Dezember 2013, 11:34 Uhr
    Informationsveranstaltung des ZAKB zur geplanten Windkraftanlage / Kritische Fragen an die Experten zur Standsicherheit, Natur und Wirtschaftlichkeit

    Mit Nachdruck forderten Bürger Auskunft

    ZAKB-Geschäftsführer Gerhard Goliasch informierte die Bürger über den geplanten Ablauf der zweistündigen Veranstaltung. Foto: Hannelore Nowacki


    HÜTTENFELD  – Der Wind zeigte sich am Donnerstagabend von seiner starken Seite, dank Orkantief  Xaver blies auch in Hüttenfeld eine steife Brise. Doch nicht wenige Bürger haben Zweifel, ob der Wind für die geplante Windkraftanlage auf einem Müllberg der ehemaligen Kreismülldeponie für den wirtschaftlichen Betrieb ausreichen würde. Zweifel an der Standfestigkeit hoch oben auf der Müllbergkuppe treiben manche Bürger um, auch befürchten einige Bürger das Einsickern von möglichen Giften ins Grundwasser. Zu diesen und weiteren Themenbereichen stellten mehrere Bürger bei der über zweistündigen Informationsveranstaltung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) den Experten und ZAKB-Vertretern kritische Fragen, die von einer tief sitzenden Skepsis über den Sinn einer solchen Windkraftanlage auf der Deponie zeugten. Mit Nachdruck forderten mehrere Bürger Auskunft. Aus den nun vorliegenden ergänzenden Gutachten zum Natur- und Artenschutz sowie zur Erkundung des Baugrunds und technischen Details der Anlagenerrichtung berichteten vier Referenten der beteiligten Firmen. Eine jeweils zwanzigminütige Fragerunde schloss sich an. Am Ende standen die Referenten für weitere Fragen im persönlichen Gespräch zur Verfügung. Verbandsvorsitzender Erster Kreisbeigeordneter Thomas Metz und ZAKB-Geschäftsführer Gerhard Goliasch begrüßten die nicht ganz hundert Bürger, die der Einladung ins Bürgerhaus gefolgt waren, unter ihnen auch Bürgermeister Gottfried Störmer, Erster Stadtrat Jens Klingler und weitere Vertreter der Lokalpolitik.

    Dr. Jürgen Winkler vom Büro für Umweltplanung in Rimbach stellte die Untersuchungen zur Vogelwelt innerhalb einer Zweitausend-Meter-Zone um die Deponie vor. Dabei ging es um Nahrungsgebiete, Brutgebiete und Flugrouten auch von Rastvögeln, die wie die Kraniche dort durchziehen. 91 Arten wurden im Zeitraum 2012/2013 nachgewiesen, 54 Arten gelten aus naturschutzrechtlicher Sicht als bemerkenswert. In der 500-Meter-Zone leben 61 Arten. Zum Schutz der Vögel sind einige Maßnahmen zwingend durchzuführen, die jedoch noch zu konkretisieren sind. Für Arten wie Neuntöter, Trauerschnäpper oder  Klappergrasmücke sollen Kompensationskonzepte erarbeitet werden. Das Gebiet wird auch von Fledermäusen bewohnt, wie Hans-Joachim Fischer, Geschäftsführer der Spang.Fischer.Natzschka GmbH in Walldorf im Detail aufzeigte. Elf Fledermausarten wurden festgestellt und 5.097 Rufaktivitäten wurden aufgezeichnet, wobei mit 1.834 Rufkontakten die Zwergfledermaus die Rauhautfledermaus mit nur 407 Kontakten überflügelte. Für sechs Fledermausarten, die vermutlich vom Anlagenbetrieb betroffen seien, sei ein artenschutzrechtlich verträglicher Betrieb zu gewährleisten wie Verschließen von Gondelöffnungen und zeitweisen Abschaltungen von April bis Oktober vor Sonnenauf- und Untergang. Am Beispiel der Karlsruher Windkraftanlage auf einem Deponiegelände zeigte Dr.-Ing. Wolfgang Orth, Geschäftsführer der Orth GmbH, Ingenieurbüro für Bodenmechanik Grundbau die Vorgehensweise bei Erkundung und Bau auf. Daten aus Karlsruhe haben mitverarbeitet werden können, das sei „ein Glücksfall“, betonte Orth. Die Sorge von Bürgern, durch die Bohrungen könnte eventuell vorhandenes Gift ins Grundwasser gelangen, sei unbegründet, meinte der Experte, da die Bohrungen abdichtend verfüllt werden.

    Dr.-Ing. Jens Döbbelin, Mitarbeiter der Orth GmbH, nannte technische Daten für die geplante ZAKB-Anlage. Die Standfestigkeit werde durch ein betoniertes Ringfundament mit 4.000 Tonnen Gewicht erreicht, das mit 35 Metern Außendurchmesser wie ein umgedrehter Teller auf der Kuppe aufliege. Der 94 Meter hohe Mast habe einen Durchmesser von sechs Metern und ein Gewicht von 400 Tonnen. Ausgelegt sei die Windkraftanlage auf eine Windgeschwindigkeit von maximal 28 Metern in der Sekunde, dann erfolge die Abschaltung. Erstaunlicherweise stellen Absenkungen der Deponiekuppe von zwei Metern und mehr durch die Bauweise kein Problem dar, wie sich bereits in Karlsruhe gezeigt habe. Dort seien in 14 Jahren keine Nachjustierungen notwendig geworden. An ZAKB-Geschäftsführer Goliasch richteten sich Fragen nach den Kosten. Fünf Millionen Euro solle die fremdfinanzierte Investition kosten, auch finanziere sich die Windkraftanlage durch ihre Wirtschaftlichkeit selbst, versicherte Goliasch. Die Gebührenzahler würden nicht belastet. Ob die Experten die Bedenken vieler Bürger entkräften konnten? Skeptische Mienen zeigten offensichtlich: Nicht jeder war überzeugt worden. Metz dankte den Bürgern zum Abschluss für die sachlich-kritische Diskussion und kündigte die Entscheidung über die Windkraftanlage in der Verbandsversammlung in einem Jahr an. Bis dahin hat die inzwischen genehmigte Windmessanlage Ergebnisse zur Windgeschwindigkeit geliefert.

    Hannelore Nowacki

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