PRÄVENTION: Viel Applaus bei 2. KOMPASS-Sicherheitskonferenz
Mit Sicherheit wohlfühlen in der Stadt
Graffiti-Malaktion des Jugendbeirats mit Tobias Kilian für ein künstlerisch gestaltetes buntes WC-Häuschen im Stadtpark. Archivfoto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Wer einen Kompass hat, weiß wo es lang geht und kann das Ziel direktansteuern. So einen Kompass hat sich die Stadt Lampertheim seit Anfang 2019 mit der Teilnahme an der Initiative KOMPASS zugelegt – mit dem Ziel Kriminalität und Unsicherheitsgefühle einzudämmen. Am Ende, wenn im Rahmen dieses vom hessischen Innenministerium unterstützten Programms die erarbeiteten Maßnahmen und Verbesserungen auf den Weg gebracht sind, wird der Stadt Lampertheim das Sicherheitssiegel verliehen. Ein gutes Stück des Weges dahin ist geschafft, wie die behördlichen Akteure am Dienstagabend bei der 2. Sicherheitskonferenz in ihren Vorträgen und Stellungnahmen deutlich machten. Am geforderten Sicherheitsbericht wird bereits gearbeitet, in den die Sicherheitsanalyse einfließt. Dann muss nur noch das Innenministerium mit seiner Prüfung grünes Licht geben. Leitgedanke ist, dass Sicherheit eine gemeinsame Aufgabe von Bürgerinnen und Bürgern, Polizei und Kommune sei. Die Ergebnisse aus zwei Bürgerbefragungen sind zum Teil umgesetzt, anderes ist in Planung. Bürgermeister Gottfried Störmer begrüßte zur 2. Sicherheitskonferenz die Teilnehmer auf dem Podium sowie die rund zwei Dutzend Akteure im Publikum aus Vereinen und Verwaltung, Lokalpolitik und Beiräten. Wegen der Corona-Regeln waren Abstand und Maske angesagt, am Eingang prüfte der Sicherheitsdienst Impf- oder Testnachweis. Störmer betonte, dass die Kernstadt und Stadtteile an der KOMPASS-Arbeit beteiligt seien und weitere Themen aufgenommen werden können, diese zu finden, „liegt an uns“, damit man sich in Lampertheim noch wohler und sicherer fühlen könne. Katja Sen führte durch den Abend, der durch die jeweils von den beteiligten Akteuren der Verwaltung und Polizei vorgetragenen Informationen lebhaft und abwechslungsreich wirkte und vom Publikum mit Applaus belohnt wurde. Carola Biehal, Ortsvorsteherin von Neuschloß, meldete sich am Ende zu Wort und bedankte sich für „die tolle, gelungene Veranstaltung – machen Sie weiter so“. Die Präsentation und Vorträge sind in der Broschüre zur Sicherheitskonferenz enthalten, die ebenso wie die Projektmappe der Stadt Lampertheim und Broschüren zum sicheren Schulweg bei der Ordnungsbehörde erhältlich sind. Den ausgelegten Sicherheitsfragebogen im Rahmen von KOMPASS bat Sen auszufüllen und ihr zukommen zu lassen. Die Themen Inklusion und die Müllkampagne nannte Sen als Dauerbrenner. In Arbeit sei ein Seniorenwegweiser durch die Straßen der Stadt, in Planung ein Programm für Zivilcourage. Bürgermeister Störmer sprach von einer eindrucksvollen Bilanz an Maßnahmen und Präventionsarbeit. Als Bürgermeister sei er sehr stolz auf das KOMPASS-Team.
Wie sehen die Bürger ihre Stadt?
Bei der 2. Sicherheitskonferenz war die Polizei vertreten durch den Leiter der Lampertheimer Polizeistation Matthias Seltenreich, Bettina Noll von der Polizeidirektion Bergstraße, Stefanie von Hammel vom Polizeipräsidium Südhessen und Schutzfrau vor Ort Christian Wegerle, die mit Katja Sen von der Ordnungsbehörde das KOMPASS-Team bildet, sowie Bürgermeister Gottfried Störmer und von der Ordnungsbehörde Florian Müller und Leiter Uwe Becher. Foto: Hannelore Nowacki
Aufschlussreiche Antworten ergaben sich aus den beiden Bürgerbefragungen. Dabei benannten die Bürger „Angstorte“ wie den Bahnhof, Unterführungen, Spielplätze und Stadtpark in der Dunkelheit, sie gaben Auskunft über Alltagserfahrungen, Sicherheitsgefühl, Sauberkeit, eigene Betroffenheit von Straftaten und vieles mehr. Angeschrieben wurden 3.800 Einwohner, von 911 Personen (24 Prozent) kam Rücklauf. Auch beim Präventionstag im Stadtpark wurde nachgefragt. An einigen Stellen im Stadtgebiet ist bereits sichtbar, was aus den Analysen umgesetzt wurde, wie mehr Lebensqualität erreicht wird. Licht und Farbe gehören dazu, wie am Beispiel der Unterführung unter die B 44 an der Hagenstraße zu sehen ist. Neue Beleuchtung und künstlerische Graffitis haben hier der Dunkelheit und düsterer Schmutzatmosphäre den Kampf angesagt. In der grünen Erholungsoase des Stadtparks wird es manchem Bürger im Dunkeln unheimlich, mehr Licht schafft Abhilfe und das unordentlich wirkende Äußere des Toilettenhäuschens hat einem bunten Graffiti-Kunstwerk Platz gemacht, das der Jugendbeirat in einer Sonntagsaktion mit Graffiti-Künstler Tobias Kilian geschaffen hat. Bettina Noll vom Polizeipräsidium Bergstraße sprach der Stadt Lampertheim als großes Vorbild im Kreis die Anerkennung aus Sicht der Polizei aus und dankte allen, die in dieser „sehr erfolgreichen Kooperation“ mitwirken, den Vertretern der Vereine und Institutionen, der Parteien und dem KOMPASS-Team der Stadt mit der Schutzfrau vor Ort Christina Wegerle und Katja Sen von der Ordnungsbehörde, deren Ideenreichtum und Arbeit sie bewundere. Bürgermeister Störmer unterstütze diese Präventionsarbeit, was nicht selbstverständlich sei. Stefanie von Hammel vom Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt, die die Kommunen bei KOMPASS betreut und als Schnittstelle bis zum Ministerium fungiert, fasste die Ergebnisse der Bürgerbefragungen zusammen. Die Kriminalität stehe mit 24 Prozent der Nennungen nicht im Vordergrund, viel mehr störe die Bürger mit über 50 Prozent die Rücksichtslosigkeit im Verkehr. Zur Frage der Polizeipräsenz meinte sie, dass zu viel Polizei die Bürger ängstigen würde, ein gesunder Mittelweg müsse gefunden werden. Die genannten Angstorte habe die Polizei begangen, um sich selbst ein Bild zu machen. Im Maßnahmenkatalog seien Realisierung und Zeitrahmen benannt. Florian Müller von der Ordnungsbehörde ließ wissen, zu welchen Zeiten die Stadtpolizei auf Streife ist. Zum Thema Angsträume und Vandalismus im Bahnhofsbereich berichtete der Leiter der Ordnungsbehörde Uwe Becher, dass für dieses akute Problem Maßnahmen jetzt kommen müssten, weshalb es am Mittwoch Gespräche mit der Deutschen Bahn und der Bundespolizei für eine Ordnungspartnerschaft und das Ziel Videoüberwachung wie in Bensheim gebe. Auch das Landeskriminalamtund der hessische Datenschutzbeauftragte seien im Boot. Zur Verkehrslage betonte Becher, Lampertheim sei eine Radfahrerstadt, weit über Landes- und Bundesdurchschnitt, dem müsse Rechnung getragen werden. Das Parkraumkonzept solle Dauerparker aus der Innenstadt vertreiben. Der Planer habe nirgends sonst solche schlimmen Verhältnisse beim Gehwegparken vorgefunden. Aus dem Publikum kamen einige Vorschläge, die Sen in die KOMPASS-Arbeit aufnehmen will. Graffiti-Künstler Tobias Kilian gab zu bedenken, dass viele Jugendliche, die er kennt, beim Anblick von Uniformierten lieber weglaufen und sich nicht beschützt fühlen. Sie sollten in die Kommunikation eingebunden werden, dafür sollten Wege gefunden werden. Bedenklich: Diese Jugendlichen fühlten sich als Ratten behandelt. Petra Brandt, in Vertretung des verhinderten Vorsitzenden des Behindertenbeirats Jochen Halbauer, regte im Sinne von Inklusion an, Plakate und Broschüren durch mehr Kontrast besser lesbar zu machen und die Jugendlichen, die aus Unzufriedenheit randalieren und sich an den besagten Angstorten aufhalten, mit der älteren Generation zur Kommunikation zusammenzubringen. Hannelore Nowacki
Mit der Idee zur Aktion „Heimwegtelefon-Räder“ beteiligte sich der Jugendbeirat für ein besseres Sicherheitsgefühl an KOMPASS. Archivfoto: Hannelore Nowacki