
LAMPERTHEIM – Warum gibt es jetzt den Aufruf, sich als Mitglied im Behindertenbeirat der Stadt Lampertheim zu bewerben? Und was macht eigentlich der Behindertenbeirat? Erster Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt und der noch amtierende Vorsitzende des Lampertheimer Behindertenbeirats, Jochen Halbauer, erklärten bei einem Pressetermin im Stadthaus am Mittwochmittag das Anliegen. Alle fünf Jahre, wenn auch die Stadtverordnetenversammlung nach der Kommunalwahl neu zusammengesetzt ist, muss laut Satzung auch der Behindertenbeirat neu benannt werden. Was keine allgemeine Wahl ist, sondern ein Auswahlverfahren unter den Bewerbern. Im Auswahlgremium schauen der Erste Stadtrat Schmidt und Vertreter gemeinnütziger Organisationen die eingegangenen Bewerbungen durch. Jeder habe die gleichen Chancen, betont Halbauer, die Stadtverordnetenversammlung beschließe letztlich die Benennung. Ein politisches Mandat wie Stadtverordneter oder Ortsbeiratsmitglied schließt die Mitgliedschaft aus. Im Behindertenbeirat arbeiten acht Betroffene und die Vertreter der sechs gemeinnützigen Organisationen Nieder-Ramstädter Diakonie, Caritas, Lebenshilfe, AWO, VdK sowie die Bewegungssportgemeinschaft BSG zusammen, die ihre Vertreter selbst benennen.
Da immer wieder mal Mitglieder aus verschiedenen Gründen ausfallen, hoffen Schmidt und Halbauer auf viele Bewerbungen, damit der 14-köpfige Behindertenbeirat vollständig bleibt und deswegen die Nachrückerliste gut aufgestellt ist. Wünschenswert wäre, wenn sich Menschen mit Sehbehinderung, eingeschränkter Mobilität, Hörbehinderte oder gehörlose Menschen sowie Menschen mit geistiger und seelischer Beeinträchtigung bewerben – am besten eine bunte Mischung verschiedenen Alters. In Lampertheim gebe es laut Statistik rund 6.900 Menschen mit einem Grad der Behinderung von 10 bis 100 Prozent, die Hälfte mit 50 Prozent. Im Bewerbungsformular „Steckbrief“ werden neben Namen, Geburtsdatum und -ort, die Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und die Arten der Behinderten mit Angabe des GdB und Nachweis durch Behindertenausweis oder versorgungsamtlichem Feststellungsbescheid erfragt. Anzukreuzen ist, ob man selbst schwerbehindert ist oder gesetzlicher Vertreter eines Menschen mit Behinderung – zum Beispiel Eltern eines behinderten Kindes. Eine kurze oder ausführlichere Erläuterung zur Motivation im Behindertenbeirat mitzuarbeiten ist auszufüllen. Bei Fragen und Anforderung des Bewerbungsformulars hilft Jennifer Zintel-Andres vom Fachdienst Soziales unter Telefon 06206/935 210 oder E-Mail an soziales@lampertheim.de gerne weiter.
Was macht der Behindertenbeirat?
Der Behindertenbeirat kümmert sich seit 2015 um die Belange von Menschen mit Behinderung und blickt auf eine beachtliche Erfolgsgeschichte zurück, wie Schmidt und Halbauer gleichermaßen deutlich machten. Das Jubiläum wurde letztes Jahr gefeiert – mit einer beeindruckenden Bilanz. Erster Erfolg war die Rampe am Alten Rathaus. Im Aktionsplan Inklusion der Stadt Lampertheim mit den fünf Arbeitsgruppen habe der Behindertenbeirat mitgearbeitet. Nach dem Auslaufen durch die Förderung Aktion Mensch werde das Netzwerk Inklusion den Aktionsplan ablösen, teilte Schmidt mit, im Haushalt seien Mittel eingestellt, jedoch werde nach Sponsoren gesucht. Seit 2021 ist der 59-jährige Jochen Halbauer Vorsitzender des Behindertenbeirats und bereit, auch die nächsten fünf Jahre mitzuarbeiten. Allen mache es sehr viel Spaß, erzählte Halbauer, man entwickle sich immer weiter, knüpfe Beziehungen bei allen Aktivitäten, Netzwerke entstehen wie zum Beispiel in der Kooperation mit der Volksbühne und Bürgerstiftung. Begeistert berichtet Halbauer von den vielen Projekten: es sei gelungen Livemusik beim Inklusionscafé zu etablieren, eine Attraktion für die Bürger sei das alljährliche Sommerfest mit vielen Kindern im Stadtpark, die Feste müssen organisiert werden. Eine Vielfalt an Möglichkeiten sich zu betätigen, betont Halbauer. Gefragt ist der Rat auch bei privaten Bauvorhaben wie beim neuen Ärztehaus in der Ringstraße. Bei allem gehe es auch um die Barrierefreiheit in den Köpfen. Der Behindertenbeirat berät die Stadtverwaltung und vertritt die Belange von Menschen mit Behinderungen in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Bildung, Sport, Kultur, Freizeit und Mobilität. Weitere Infos und Steckbrief unter www.behindertenbeirat-lampertheim.de.
Hannelore Nowacki
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