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  • Di., 26. Juli 2022, 09:22 Uhr
    ERFOLGSGESCHICHTE: Zwischenbilanz nach 100 Tagen E-Rikscha mit 169 Passagieren

    Mobile Erlebnisse und Freude schenken 

    Mit Wind in den Haaren und Glück in den Herzen fuhr Ute Striebinger ein Hochzeitspaar in der geschmückten E-Rikscha zur Trauung. Foto: Familie Kempf/Stadt Lampertheim


    LAMPERTHEIM – Die stadteigene E-Rikscha in Lampertheim, angeschafft aus Fördermitteln des Landes Hessen und Spenden, ist rein technisch gesehen ein Dreirad mit Antriebsunterstützung durch einen Elektromotor und einer gemütlichen überdachten zweisitzigen Sitzbank, ausgestattet mit absenkbarem Fußteil für den bequemen Ein- und Ausstieg. Die Passagiere genießen den freien Blick und schnallen sich der Sicherheit wegen an. Für die Piloten, die ehrenamtlich in die Pedale treten, und für die kostenfrei beförderten Passagiere sind die Fahrten durch die Lampertheimer Innenstadt und Gemarkung ein besonderes, geselliges Erlebnis mit Eindrücken von Stadtleben, Landschaft und Natur. Ziel und Route richten sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Passagiere, die meistens in ihrer Mobilität eingeschränkt und damit auch häufig in ihrer Teilhabe an den schönen Dingen des Lebens eingeschränkt sind. Mit der E-Rikscha wird für sie ein Ausflug in den Biedensand, oder in den Stadtpark, eine Fahrt durch die Stadt, über den Friedhof oder zu einem anderen Ziel möglich. Zur Autoschau am Muttertag in diesem Jahr war Premiere für die stadteigene E-Rikscha. Nach mehr als 100 Tagen war nun Zeit für eine Zwischenbilanz und ein Gespräch mit dem TIP, bei dem der Leiter von Stadtmarketing Dirk Dewald und Pilotin Ute Striebinger von ihren Erfahrungen berichteten. Drei Punkte findet Dewald wichtig: Die „absolute Erfolgsgeschichte“, die überwältigende positive Resonanz der Fahrgäste und den sozialen Ansatz, nämlich Menschen zu mehr Mobilität zu verhelfen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen. Zu den positiven Effekten zählen für Dewald auch, dass die Stadt Lampertheim Ansehen und Bekanntheitsgrad verbessern konnte und als touristisches Ziel in der Region verstärkt in den Blick gerückt ist, ja zum Vorbild für andere Kommunen geworden ist, die sich für das Projekt E-Rikscha interessieren. Nach einem SWR-Fernsehbericht im Mai in der Reihe „Expeditionen in die Heimat“ habe sich die Reichweite der Buchungsanfragen erweitert. Eine Geschichte aus dem wahren Leben erzählt Dewald, die sich gerne in ähnlicher Weise wiederholen darf, daraus macht er kein Geheimnis: Von der Fernsehsendung angeregt, buchte eine Familie aus Neustadt für zwei Personen eine Rikscha-Fahrt, während der Rest der Familie sich in der Stadt umschaute. Und mit dem Besuch bei Oberfeld und Essen bei Steinmetz sei neben dem touristischen auch noch der wirtschaftliche Aspekt bedeutsam. Die nördlichen Mannheimer Stadtteile wie Sandhofen hat Dewald ebenfalls als Einzugsgebiet werbend in den Blick genommen, mit erfreulicher Resonanz wie er bereits feststellte. „Ich bin begeistert, was aus dem Projekt seit Mai geworden ist“. Eine größere Reichweite des kostenlosen Angebots mit  Verbindung von Tourismus und Wirtschaftsförderung will er für Lampertheim erreichen. „Es lohnt sich nach Lampertheim zu kommen“, dieses Gefühl soll sich weiter verbreiten, daran ist auch Ute Striebinger gelegen, die von Anfang an am Projekt beteiligt war. In Lampertheim kennt man sie als Vorsitzende des Seniorenbeirats und als Geopark-vor-Ort-Begleiterin, die von ihrer Stadt begeistert ist. Außerdem hat sie Spaß am Fahrradfahren und Freude an ihren Passagieren, deren Wünsche sie soweit möglich verwirklicht. Trotz Elektroantrieb braucht die 1,11 Meter breite Rikscha auch den Einsatz von Körperkraft, erklärt Pilotin Striebinger, ein Hinweis an alle, die sich für diesen abwechslungsreichen ehrenamtlichen Job bewerben möchten. Dass dieses Angebot der Stadt für die Passagiere kostenfrei ist und die Piloten ehrenamtlich tätig sind, findet sie wichtig als gelebte Bürgerbeteiligung und für die Beziehung zu den Fahrgästen.

    Im August letzten Jahres gab es vergnügliche Ausfahrten im Rahmen der Hessen-Tour 2021 „Radfahren gemeinsam neu entdecken“ mit dem bundesweit tätigen Verein „Radeln ohne Alter“, bei dem die Stadt Lampertheim Mitglied ist. Archivfoto: Hannelore Nowacki


    Die Piloten schenken ihren Fahrgästen Zeit und bekommen ein glückliches Lächeln zurück, diese Erfahrung möchte sie nicht missen. Ein schönes Erlebnis war für sie auch die Hochzeitsfahrt mit hochschwangerer Braut, die sie ins Eheglück kutschierte. Auch Strahlkraft in Richtung Mobilitätswende hin zum Fahrrad erhoffen sich Dirk Dewald und Ute Striebinger, die sich als „fahrradverrückt“ bekennt. Fest steht: Beim Projekt E-Rikscha wird es nie langweilig, darin sind sich die beiden einig. Ein Vehikel auch im Sinne von Inklusion und Integration sei die E-Rikscha, die bei der Interkulturellen Woche eine Rolle spielen werde wie schon die Fahrt mit Senioren zum Feldgottesdienst auf der Bonnaue. Die zwölf Piloten haben zum Stichtag 24. Juli 169 Passagiere gefahren und dabei 744 Kilometer einschließlich Test- , Schulungs- und Überführungsfahrten zurückgelegt. Wenn Angehörige und Freunde der Passagiere die Fahrten auf dem Fahrrad begleiten, sei dies eine gute Idee für ein gemeinsames Erlebnis, betonen Dewald und Striebinger. Beim weitläufigen Kunst- und Hofflohmarkt übernahmen die Piloten Shuttlefahrten und beim Sommerfest der inklusiven Kita Schwalbennest war die E-Rikscha zwanzigmal unterwegs. Einen Rekord fuhr die Rikscha bei der Erdbeerkerwe in Rosengarten mit 79 Runden bei insgesamt 52 Kilometern ein. Regelmäßige Fahrten an festen Tagen in eigener Regie finden für die Bewohner der Senioreneinrichtungen statt. Buchen kann man eine Tour mit der E-Rikscha über die E-Mailadresse: e-rikscha@lampertheim.de Hannelore Nowacki

     

     

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