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  • Mi., 13. März 2024, 07:16 Uhr
    FRAUEN: Volles Haus zum Internationalen Frauentag im KamÜ mit bereicherndem Unterhaltungsprogramm

    Mütter und Töchter – besondere Beziehungen fürs Leben 

    Yvonne Hotz und Claudia Porpaczy hatten sich für die Interviews wie hier mit Marius Schmidt und Mutter Simone Schmidt tiefgründige Fragen überlegt. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Was ist mit der Gleichberechtigung? Die ist immer noch nicht vollständig erreicht, obwohl schon seit dem 19. Jahrhundert Frauen für ihre Rechte kämpfen. Am „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ oder kurz  Internationaler Frauentag steht seit der Einführung 1975 jedes Jahr am 8. März das Thema Frauen und Gleichberechtigung im Brennpunkt des Interesses, in den Nachrichten, bei Demonstrationen und Veranstaltungen wie am Freitag vor einer Woche in Bürstadt im Haus Kultur am Übergang (KamÜ) mit einem berührenden Dokumentarfilm zur Mutter-Tochter-Beziehung der beiden Filmemacherinnen Yvonne Hotz und Claudia Porpaczy mit dem Titel „Interview mit (m) einer Mutter – Wer Bin ICH durch DICH“ und einem unterhaltsamen Programm mit Interviews, Musik und tiefgründigen Erkenntnissen.

    Auftakt mit Sekt und Wein
    Also weniger ein Kampftag, viel mehr ein bereichernder Abend mit viel Humor und Heiterkeit, Zeit zum Zuhören, Lebensgeschichten und dankbaren Erinnerungen bei freiem Eintritt. Ein Abend, der zu Herzen geht. Mit Sekt und Wein begann der Abend, zum Abschied erhielten die Besucherinnen pralle Blumen aus der Ballonwerkstatt mit Frischegarantie. Über einen ganzen Strauß durfte sich Gleichstellungsbeauftragte Sonja Niederhöfer freuen, die sich bald in den Ruhestand verabschiedet. Die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bürstadt und Lampertheim, Gerasimoula Grigoraki und Sonja Niederhöfer begrüßten die Besucherinnen und Besucher mit einem Ausblick auf das Programm des Abends, mit Interviews nach dem Film, Auftritten des Bürstädter Gesangtalents Chiara Lauricella und einem Gespräch mit der Psychologin, Philosophin und Buchautorin Katharina Ohana. Die beiden Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Bergstraße Nicole Schmitt und Alexandra Schmitt hatten eine Videobotschaft mit Grüßen des Landrats Christian Engelhardt mitgebracht, der dienstlich verhindert war. Auch der Lampertheimer Bürgermeister Gottfried Störmer ließ sich entschuldigen. Männer waren willkommen und auch einige gekommen wie der Bürstädter Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Eberle. Der Erste Stadtrat Marius Schmidt aus Lampertheim war in besonderer Mission anwesend, mit seiner Mutter Simone Schmidt war er für ein Interview auf der Bühne eingeplant wie auch Bürgermeisterin Barbara Schader, die ein Bild ihrer schon früh verstorbenen Mutter Maria Koch auf dem anderen Stuhl platzierte. Filmemacherin Claudia Porpaczy regte an, das große Sparschwein und die aufgestellten Spendenboxen zugunsten des Frauenhauses im Kreis Bergstraße zu füllen. „Frauen haben immer Recht auf ein Leben frei von Gewalt“, betonte Alexandra Schmitt. 

    Ein Abend mit Herz und Blick auf Mängel in der Gleichstellung
    Für Bürgermeisterin Schader ist dieser Tag wichtig, auch im Einsatz für den Weltfrieden. In anderen Ländern sei dies ein Feiertag. Auch die Männer im Raum begrüßte sie und wünschte allen einen wunderschönen Abend. „Heute soll uns mit dem Thema das Herz aufgehen“, kündigte sie an. Erster Stadtrat Marius Schmidt überbrachte die Grüße des Lampertheimer Bürgermeisters. In seiner Ansprache ging er auf die aktuelle Lage der Gleichstellung ein: So sei der Frauenanteil im neuen hessischen Landtag von 37 auf 31 Prozent gesunken. Der „equal pay day“ weise darauf hin, dass es keine Entgeltgerechtigkeit gebe, es gebe den Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen und den „equal care day“, ein Aktionstag nur in Schaltjahren am 29. Februar, um auf die oft unsichtbare Arbeit der Frauen bei der Pflege von Angehörigen, im Haushalt und bei der Kinderbetreuung hinzuweisen und schloss mit der Hoffnung: „Es gibt noch eine Menge zu tun – ich hoffe, dass wir eines Tages kein Schaltjahr mehr brauchen“. 

    Mütter für das ganze Leben
    Nachdem das Publikum die Mütter der beiden Filmemacherinnen im Film mit ihrer Lebensgeschichte kennengelernt hatten, war Gelegenheit Nanny Hotz persönlich auf der Bühne zu erleben. Als Tochter eines ukrainischen Cellisten und einer Clownin war sie im Zirkusmilieu aufgewachsen und mit strengen Regeln konfrontiert, doch Tochter Yvonne konnte ihren eigenen Weg gehen. Die 88-jährige Hellah Porpaczy hatte nicht kommen können. Im Film erzählte sie, die aus dem Wiener Bildungsbürgertum stammte, wie sie aus der Enge ihrer Ehe ausbrechen konnte und sich mit Kunst, Malerei und dem Studium der russischen Sprache befasste. Erlebbar wurde im Film wie die Lebensgeschichten der Mütter auf die Töchter einwirkten. Auch die Mutter-Sohn-Beziehung ist für das Leben von Bedeutung, wie im Interview mit Marius Schmidt und seiner Mutter Simone Schmidt deutlich wurde. Die Familie gehe über alles, erklärt sie und „ich bin sehr stolz auf ihn“ sagt sie über Sohn Marius, der seit jungen Jahren in der Politik ist, Fraktionsvorsitzender seiner Partei war und aktuell Vorsitzender der SPD Bergstraße und Erster Stadtrat ist. Bürgermeisterin Schader sagt von ihrer Mutter Maria Koch, die im Alter von 59 Jahren vor 30 Jahren verstorben ist, sie habe das Fundament für ihr weiteres Leben gelegt. Sie legte Wert auf Bildung und habe sie alles ausprobieren lassen, habe sie immer unterstützt, auch wenn es mal einen kleinen Konflikt gab. „Sie hat mir einen Schatz gegeben, der ist ganz tief in meinem Herzen drin“. Schader erinnert sich an den schönsten Moment mir ihrer Mama einen Tag vor der Geburt ihres Sohnes, als sie ihr über das Haar strich. Zum Abschluss beantworteten in einem Film die Kinder der Kita Zwergenwald Fragen zu Mama und Papa mit erstaunlichen Erkenntnissen. In zwei Bundesländern ist der 8. März ein gesetzlicher Feiertag geworden – in Berlin seit 2019 und in Mecklenburg-Vorpommern seit 2023.  

    Hannelore Nowacki

    Zum Abschluss holte Yvonne Hotz alle Mitwirkenden an diesem Abend auf die Bühne. Foto: Hannelore Nowacki


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