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  • Di., 23. Januar 2024, 07:30 Uhr
    AUSZEICHNUNG: Heimat- und Carneval-Verein Bürstadt verlieh den Courage-Orden 2024 der Fernsehjournalistin und Kriegsberichterstatterin Katrin Eigendorf

    Mutig mittendrin in Kriegen und Krisen

    HCV-Präsident Patrick Brenner (links) legte der Fernsehjournalistin Katrin Eigendorf den Courage-Orden um, die Urkunde erhielt sie aus der Hand des HCV-Präsidenten Frank Reichmann. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Wie passen Spaß und Frohsinn in der Fastnacht zu Kriegen und Krisen? Zum einen hören Kriege wegen Fastnacht leider nicht auf und Krisen in der Welt bleiben oder es entwickeln sich neue, zum anderen lässt sich mit guter Stimmung viel erreichen. Der Heimat- und Carneval-Verein Bürstadt (HCV) hat am Sonntag mit der Verleihung des Courage-Ordens 2024 an die Fernsehjournalistin und Kriegsberichterstatterin Katrin Eigendorf bewiesen, dass sich Freude und Ernst harmonisch verbinden lassen.

    Seit 1999 berichtete sie zunächst aus Afghanistan, Syrien und Tschetschenien und seit dem Krieg in der Ukraine von dort, aktuell seit dem Hamas-Überfall auch aus Israel - mutig mittendrin, häufig in gefährlicher Mission mitten im Kriegsgeschehen. Dank ihrer Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und Russisch, erworben vor Jahren als Korrespondentin in Moskau, stehen ihr viele Möglichkeiten offen, mit Menschen zu kommunizieren, wie Laudator Volker Bouffier betonte. Bürgermeisterin Schader erinnerte in ihrem Grußwort an den Beginn des Courage-Ordens, als der HCV 1983 gleich groß anstatt klein angefangen habe und den damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher auszeichnete. Mit Katrin Eigendorf habe der HCV eine ausgezeichnete Wahl getroffen – und endlich mal eine Frau. Das neue Goldene Buch der Stadt Bürstadt war bereits für die späteren Widmungen der Ehrengäste aufgeschlagen, für Bouffier war es das dritte Mal.

    Was die Bürgermeisterin mit dem sprichwörtlichen Augenzwinkern zur Bemerkung veranlasste, er sei wohl deswegen gekommen. Bouffier, ganz in seinem Element als mitreißender Redner, konterte später mit Humor: „Eure Bürgermeisterin ist eine mittlere Granate“ und er sei nicht wegen des dritten Mals gekommen. Bürstadt nannte er ein Juwel, Bürstadt sei toll – so etwas sage er zwar überall, „aber hier stimmt’s“. Das Raunen und Klatschen bewies ihm: „Die Stimmung ist gut“. Mit dreifachen Helau-Rufen und hochfliegenden Armen wurden die Redebeiträge bejubelt, hier und da raunte bei gewagten witzigen Aussagen das Publikum nach närrischem Brauch ein AuAuAu. So auch als Landrat Christian Engelhardt in seinem Grußwort Lampertheim als Krisenregion auf die Schippe nahm. Den HCV und die Bürstädter Fastnacht mit dem ehrenamtlichen und kreativen Einsatz das ganze Jahr über und die Jugendarbeit ließ der Landrat hochleben ebenso wie die neue Courage-Ordens-Trägerin.

    Lobrede für Mut und Demokratie
    Als Laudator schwenkte Volker Bouffier nach dem fastnachtlichen Streifzug hin zu ernsten Worten und zum Wirken der neuen Courage-Ordens-Trägerin und. Eine Freude und Ehre sei es, die Laudatio zu halten. Katrin Eigendorf nehme seit 30 Jahren mit ihren Berichten aus Kriegs- und Krisengebieten eine Aufgabe wahr, die für eine Gesellschaft unverzichtbar sei. Aufgabe von Journalisten sei zu beschreiben was ist und die Dinge einzuordnen, denn das Erste, was im Krieg verloren gehe, sei die Wahrheit. Katrin Eigendorf gehe dahin, wo wesentliche Veränderungen geschehen. „Frau Eigendorf, Sie sind eine mutige Frau, das muss man sagen, klug und vielfach ausgezeichnet“. Herz, Anteilnahme und Weitblick zeichne sie aus. Als unerschrockene und freie Journalistin sei ihr viel zu verdanken.

    Ein fröhliches Gemüt und ein ernster Blick gehören zusammen, ist Bouffier überzeugt, auch „Mut und Zuversicht braucht es immer“. Selbst im eigenen Land, was nicht jedem gefallen möge, meinte Bouffier. Ebenfalls Applaus erhielt Bouffier für seine Frage, wann endlich gegen Putin als Kriegsverbrecher demonstriert werde. „Wo ist der Aufschrei, wo die Empörung“, fragte Bouffier kritisch. In Brüssel kümmere man sich um Tomaten. In ihren Dankesworten lobte Katrin Eigendorf zunächst den HCV für seine beeindruckende Leistung, um dann in eindringlicher Rede für Mut und Haltung zu werben: „Mutig ist, für eine Haltung zu stehen“. Und sie erklärt, was sie antreibt: „Die Wahrheit zu berichten“. Demokratie sei nicht selbstverständlich, auch nicht Freiheit. Man müsse verstehen, warum die Menschen an die Front gehen. Nicht dulden dürfe man, dass sich Menschen in Deutschland wie zum Beispiel in Berlin nicht mehr sicher fühlen, wenn sie eine Kette mit Davidstern tragen. Gegen Hass einzustehen sei die Aufgabe aller. Katrin Eigendorf sieht in der Mitte der Gesellschaft diejenigen, die ein menschliches Miteinander, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte möchten. Ihr Appell: „Seien Sie Mensch, seien Sie mutig“.

    Katrin Eigendorf und Laudator Volker Bouffier vor der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Bürstadt, begleitet von Bürgermeisterin Barbara Schader, Landrat Christian Engelhardt (rechts) und dem früheren Ersten Stadtrat Walter Wiedemann (links) sowie dem Landtagsabgeordneten Alexander Bauer. Foto: Hannelore Nowacki


    Mit der HCV-Familie feiern
    Unter den angemeldeten Gästen aus allen Bereichen der Gesellschaft und der Politik waren Vertreter und Abordnungen von Fastnachtsvereinen aus der näheren Umgebung wie der HCV Hofheim und der CC Rot-Weiß aus Lampertheim und von weiter her zum Ordensfest als einer der Höhepunkte der Bürstädter Fastnacht gekommen. Zahlreiche liebliche Tollitäten in weit ausladenden Festroben mit Schleppe bevölkerten das Parkett im Bürgerhaus. Auch junge Nachwuchsprinzessinnen zeigten sich feierfreudig. Vor der Courage-Orden-Verleihung erhielten zahlreiche Gäste den HCV-Jahresorden, unter ihnen eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr, die auf diese Weise geehrt wurden. Mit Spannung erwartete das Publikum den Einzug der Ehrengäste. Dass Volker Bouffier, der frühere hessische Ministerpräsident und Courage-Ordensträger 2023 sein Versprechen wahrmachte und als Laudator für Katrin Eigendorf gekommen war, mache ihn glücklich, sagte der HCV-Vorsitzende Frank Reichmann in seiner Begrüßungsansprache.

    An Bouffiers Seite am Stehtisch vor der Bühne verfolgte das Ehepaar Katrin und Jörg Eigendorf mit Jürgen Ruh vom HCV das Geschehen auf der Bühne. Mit Bürgermeisterin Barbara Schader kamen Landrat Christian Engelhardt, Sonnenbotschafterin Charlotte I. und Stadtprinzessin Annalena I. und die früheren Courage-Ordens-Träger Klaus Schlappner (2003; Fußball-Lehrer) und Markus Merk (2007; ehemaliger DFB-, UEFA- und Weltschiedsrichter). Reichmann dankte der HCV-Familie für ihren überragenden Einsatz und dass der Saal nach der Prunksitzung am Vorabend im Handumdrehen für die Ordensverleihung umgestaltet wurde. Stadtprinzessin Annalena I. rief in ihrem Grußwort zur Organspende auf, um lungengeschädigten Menschen zu helfen, die wie sie selbst Mukoviszidose haben. Während ihrer Regentschaft ist sie mit einer Spendenbox unterwegs. Die HCV-Garden beeindruckten die Gäste mit ihrer rasanten, schön choreografierten Vorführung. Ansonsten bewegten sich die Mädels mit ihren Getränketabletts zu den Gästen elegant durch den Saal. Am Ende konnten sich die Gäste am üppigen kalten Buffet bedienen und die weiteren Angebote mit Fleischbrötchen und Kuchen in geselliger Umgebung und musikalischer Begleitung von Tom Nieber genießen.

    Hannelore Nowacki

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