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Do., 27. April 2023, 11:58 Uhr
POST-VAC: Bibliserin Dorina Vanka gründet als Betroffene Selbsthilfegruppe / Erstes Treffen am 4. Mai in Bürstadt
Nach Corona-Impfung plötzlich und dauerhaft krank
Dorina Vanka, selbst durch Post-Vac betroffen, lädt alle Betroffenen zu einer Selbsthilfegruppe ein – das erste Treffen findet am 4. Mai statt. Foto: Benjamin Kloos
BIBLIS/BÜRSTADT – Das Thema Corona hat die Welt lange in Atem gehalten – ein wirksames Mittel gegen das Virus waren dabei besonders auch die Impfungen. Doch auch wenn diese vielen Menschen aktiven Schutz geboten haben, sind sie für andere mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden – nämlich dann, wenn das Post-Vac-Syndrom auftritt. Genau dies ist bei Dorina Vanka aus Biblis der Fall: Seit 18 Monaten ist die 27-jährige Mutter zweier Kinder erkrankt, genauer gesagt nachdem sie Ende November 2021 ihre zweite Impfung gegen Corona erhielt. Seitdem leidet sie unter anhalten Beschwerden, mehr als 30 Symptome kommen dabei zusammen, die schubweise auftreten — unter anderem Atemnot, Herzbeschwerden, Lähmungserscheinungen, Sehstörungen oder auch Ohnmachtsanfälle. Aufgrund der Impfung kam es zudem zu einer Lungenembolie. Jeden Tag sind darüber hinaus täglich starke Blutverdünner nötig, aber auch ohne diese liegt das Risiko bei über 50 Prozent, jederzeit eine Thrombose zu bekommen.
„Am Anfang ging gar nichts, mittlerweile bin ich immer noch sehr von starker Müdigkeit betroffen. Und auch wenn die Beschwerden insgesamt weniger als zu Beginn sind ist es noch lange nicht gut”, betonte Dorina Vanka im Gespräch mit dem TIP. Besonders abends hat sie nach wie vor häufig das Gefühl, zu sterben. Und gerade mit Blick auf ihre Kinder hat die junge Mutter häufig ein schlechtes Gewissen, denn sie kann nicht einfach wie andere Eltern wild mit diesen herumtoben und spielen – dazu sind die Folgen der Impfschäden einfach zu intensiv.
Dabei ist die Bibliserin bei weitem kein Einzelfall: „Es gibt viele Betroffene im Kreis Bergstraße”, weiß Dorina Vanka, die nicht aufgibt: „Viele sind dabei noch schlimmer betroffen und sitzen im Rollstuhl oder sind ans Bett gefesselt.” Heftige Kritik äußert Dorina Vanka an der Medizin und der Politik. Hier fühlen sie und die zahlreichen weiteren Betroffenen im Stich und allein gelassen. Statt Unterstützung zu erhalten, gibt es immer wieder Verleumdungen der Impfschäden, Betroffene müssen selbst mit ihrer Situation klar kommen.
Dorina Vanka selbst war bereits bei sehr vielen Ärzten und wird ebenfalls nach wie vor von den meisten nicht ernst genommen, im Gegenteil, es wird immer wieder bestritten, das es Impfschäden überhaupt gibt. „Es wird oft auf die Psyche geschoben. Am Anfang hat mir niemand geglaubt, selbst meine Familie hat gebraucht bis sie die Tatsachen erkannt hat. Es geht 90 Prozent der Betroffenen so. Ich hatte das Glück, nach Monaten und langen Kampf, bei dem mir niemand geglaubt hat, jetzt Ärzte zu kennen, die mich unterstützen.
Doch viele Betroffene kommen nicht mit ihrer Situation klar und sind jetzt ein bis zwei Jahre krank. „Keiner hilft, keiner kann sagen wann und ob es überhaupt jemals wieder mit den Symptomen endet. Man wird durch diese Situation traurig und verzweifelt”, erläuterte Dorina Vanka sichtlich emotional. Durch die Tatsache, dass niemand die Betroffenen ernst nehme, trauen sich viele nicht mehr, etwas zu sagen – oder sind dazu einfach gesundheitlich nicht in der Lage.
Neue Selbsthilfegruppe
Damit Betroffene nicht mehr alleine sein müssen und sich gegenseitig austauschen können, hat sie nun die Selbsthilfegruppe „Hilfe mit Herz – für Post Mac und Long Covid” gegründet, auch damit sich alle gegenseitig unterstützen können. Unterstützung bei der Organisation erhält sie dabei durch die Caritas, welche die neue Gruppe auch bereits auf der Internetseitehttps://selbsthilfe-bergstrasse.de eingetragen hat.
Das erste Treffen findet am Donnerstag, 4. Mai, um 15 Uhr in der Waldgartenstraße 25 in Bürstadt statt. Geplant ist, dass weitere Treffen alle 14 Tage mittwochs stattfinden, genaue Termine werden aber noch mit allen interessierten Betroffenen abgestimmt. Eine Anmeldung für das Treffen ist nicht erforderlich, Dorina Vanka steht bei Fragen und für Anregungen gerne per E-Mail an dorina1995v@outlook.de zur Verfügung.
„Wir sind lange krank, die Zeit läuft den Betroffenen davon. Hilfe und Anerkennung aus Politik und Medizin sind dringen nötig”, mahnt Dorina Vanka und hofft auf rege Beteiligung, um den von Post Mac Betroffenen Unterstützung, aber auch eine Stimme geben zu können.
Unterstützung durch Landrat Engelhardt
Landrat Christian Engelhardt begrüßt die Gründung der Selbsthilfegruppe: „Ich werde bereits seit einiger Zeit von Menschen aus unserem Kreis auf das Thema angesprochen und finde die Beschäftigung mit diesem Thema richtig und wichtig! So möchte ich gerne für die entstehenden Selbsthilfegruppen werben. Sowohl ‚Long Covid‘ wie auch das ‚Post Vac-Syndrom‘ beeinträchtigen Menschen in ihrer Lebensführung erheblich und dabei nicht nur die betroffenen, sondern auch deren Angehörigen. Wir haben es hier mit einer sehr komplexen Gemengelage zu tun haben, sowohl aus medizinischer und juristischer, als auch aus gesellschaftlicher Sicht. Persönlich halte ich es für wichtig, dass die Menschen, die nach einer Corona-Schutzimpfung nachweislich gesundheitliche Beeinträchtigungen erfahren müssen, Hilfe erhalten. Vor allem für die fachkundige Beratung und Unterstützung dieser Menschen sollten ausreichende Ressourcen wie zum Beispiel die Ambulanz der Universitätsmedizin Marburg, aufgebaut werden.“ Benjamin Kloos