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  • Do., 23. Mai 2019, 14:13 Uhr
    Großes Interesse an „Kreiselschau“ am Historischen Rathaus 

    Nibelungenstraße zukünftig als „Straße für alle“ 

    Kreiselschau von oben aus dem Historischen Rathaus – zahlreiche Bürger zeigten sich interessiert. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT –  Pünktlich zur „Kreiselschau“ am frühen Mittwochabend hatte sich an der Einmündung der Nibelungenstraße in die Mainstraße eine interessierte Menschenmenge eingefunden, einige Bürger waren schon vorher gekommen und diskutierten über die Planungen, die an den weißen Markierungen auf Gehwegen und Straße in Umrissen zu erkennen waren. Begeistert zeigte sich Hermann Müller von der Idee hier einen „Minikreisel“ zu erbauen. Als Mitglied der Lokalen Partnerschaft (LoPa) war er auch an den Planungen zur Umgestaltung der Nibelungenstraße und zur Verkehrsführung mit Kreisverkehr beteiligt. Skepsis kam bei vielen Bürgern angesichts der engen Raumverhältnisse auf, ebenso waren Stimmen zu hören, die diese Idee gar nicht so schlecht fanden. Planer Carlo Bös von der Mailänder Consult GmbH aus Karlsruhe kannte die Vorbehalte und Meinungen schon aus Gesprächen und Fragen, die Bürger auf der Homepage der Stadt Bürstadt zum Thema Umgestaltung Nibelungenstraße und Kreisel eingebracht hatten. „Wie kommt man auf die Idee?“ sei eine der freundlichsten Gesprächsreaktionen gewesen, denen er im Laufe der Planung begegnet sei. An der mitgebrachten Schautafel beantwortete Carlo Bös zahlreiche Fragen vor Ort. In die Kreiselplanung seien Ergebnisse des Bürgerworkshops sowie Berechnungen aus Verkehrsanalysen eingegangen. Radfahrer dürften schon bislang in die Nibelungenstraße entgegen der Einbahnfahrtrichtung einfahren, doch habe die Beobachtung ergeben, dass dies die wenigsten tun, stattdessen absteigen oder hintenherum am Historischen Rathaus entlang fahren. Zukünftig könnten die Radfahrer einfach auf eigener Spur einbiegen. Fußgänger überqueren die Straße über Verkehrsinseln bei insgesamt guten Sichtverhältnissen am gesamten Knotenpunkten, stellte Bös in Aussicht. Ein Blindenleitsystem gebe es auch. Lastwagen und Busse können die aufgepflasterte Mittelinsel mit einem Durchmesser von vier Metern überfahren. Die Geschwindigkeit im Verlauf der Nibelungenstraße zwischen Marktstraße und Mainstraße werde durch Verschwenkungen reduziert, insgesamt werde die Nibelungenstraße aufgewertet. Bäume, Sitzbänke, optisch abgegrenzte, aber barrierefreie breite Gehwege, eine Fahrradspur, eine wahrscheinlich asphaltierte Fahrbahn, Platz für Auslagen und Außengastronomie nannte Bös als Verbesserungen. Insgesamt werde die bisherige innerstädtische Einbahnstraßen-Verkehrsführung beibehalten. Bürgermeisterin Barbara Schader begrüßte die Bürger am geplanten Kreisel und begründete die Ortswahl: „Wir brauchen ein Gefühl für die Planung, deshalb haben wir Sie hierher eingeladen“. SPD-Fraktionsvorsitzender Franz  Siegl merkte im Gespräch mit dem TIP an, dass die Markierungen zur Sichtbarmachung der Verkehrsführung auf einen Antrag der SPD zurückgingen. Eine  Stunde später fand die Bürgerversammlung zur Umgestaltung der Nibelungenstraße im großen Saal des Bürgerhauses statt, ebenfalls auf Einladung der Stadt Bürstadt. Allerdings nahmen kaum fünfzig Bürger die Gelegenheit wahr, sich umfassend über die Vorplanungen zu informieren, Fragen zu stellen, Antworten von Planern und Verwaltung zu erhalten und in der Diskussion aus ihrer Sicht Hinweise für die Planungen zu geben. In seiner Stellungnahme erläuterte Müller die Sicht der Lokalen Partnerschaft, die alle Anregungen von Bürgern und Geschäftsleuten aufgenommen und an die Planer weitergeleitet habe. Seit zehn Jahren verzichteten die LoPa-Mitglieder auf die ihnen zustehenden Sitzungsgelder und Aufwandentschädigungen. Sein Kompliment an Carlo Bös: „Mit Engelsgeduld haben Sie immer wieder unsere Ideen umgesetzt und uns Laien plausibel gemacht, was sinnvoll ist oder nicht“. Carlo Bös machte deutlich, dass es um eine „Straße für alle Verkehrsteilnehmer“ gehe. In den nächsten Jahren solle die gesamte Nibelungenstraße umgestaltet werden, beginnend mit dem innerstädtischen Teilbereich für mehr Sicherheit und Komfort für Fußgänger und Radfahrer. Die Dominanz des Autoverkehrs solle vermindert werden, mit einer barrierefreien Bushaltestelle an der Mauer, an der zurzeit Schaukästen hängen, bringe den öffentlichen Nahverkehr in die Nibelungenstraße hinein.

    An der Schautafel vor Ort an der Kreuzung machten sich viele Bürger über den Planungsentwurf für den Minikreisel kundig. Foto: Hannelore Nowacki


    Die Zahl der Parkplätze bleibe erhalten, jedoch parallel zur Fahrbahn, was eine bessere Übersicht und damit mehr Sicherheit bringe. Stellplätze für Fahrräder und Motorräder seien ebenfalls vorgesehen. Das angestrebte Ziel: „Belebung der Innenstadt und Umstieg auf Bus und Bahn“. Der vorgeschlagene Minikreisel habe sich als Lösung mit der besseren Leistungsfähigkeit erwiesen, um Staus an dieser Kreuzung künftig zu vermeiden. Eine Fußgängerampel werde es bei der Post geben. Mit Applaus ging die Bürgerversammlung kurz vor 21.30 Uhr nach fast zwei Stunden zu Ende. Auch danach standen die Planungsexperten von NH Projektstadt, Jürgen Schmitt und Christian Schwarzer, Carlo Bös von Mailänder Consult, Bürgermeisterin Schader sowie die Leiter von Bau- und Ordnungsamt Frank Lindemann und Rainer Stöckel für persönliche Fragen zur Verfügung. Stadtverordnetenvorsteher Ewald Stumpf wünschte den Bürgern am Schluss, dass sie einen guten Eindruck mit nach Hause nehmen. Hannelore Nowacki

    Information

    Wie geht es weiter?

    Jürgen Schmitt, der die Veranstaltung moderierte, ist am Projekt Nibelungenstraße im Rahmen des Städtebauförderungsprojekt „Aktive Kernbereiche“ befasst, Christian Schwarzer betreut das Kernbereichsmanagement. „Die Interessen unterschiedlicher Gruppen müssen zusammengebracht werden – mit möglichst viel Akzeptanz“, fasste Schmitt die große Zielsetzung zusammen, „aber nicht alle Wünsche können zu hundert Prozent erfüllt werden“. Es gehe dabei auch um politische Entscheidungen. Zur Kostenfrage aus dem Publikum teilte Bürgermeisterin Schader mit, dass es zurzeit nur eine Entwurfsplanung sei, enthalten im Gesamtförderbescheid. Mittel seien bereits im Fünf-Jahres-Straßenbauprogrammen vorgesehen. Die LoPa habe ihre Beschlussempfehlung für diese Planungen gesetzt, es liege jetzt in der Hand der Politik zu entscheiden. „Wir können es empfehlen“, zeigte sich Bürgermeisterin Schader überzeugt. Schwarzer wies darauf hin, dass Details und Ausgestaltung wieder mit den Bürgern und Geschäftsleuten beraten werden. Das  Planungskonzept ist seit Mitte Mai auf der Homepage der Stadt Bürstadt (www.buerstadt.de) zur Ansicht veröffentlicht.  Hannelore Nowacki

     

     

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