Lampertheimer Unternehmer aktiv gegen die Waldzerschneidung durch C-Trasse
„Niemand möchte diese C-Trasse!“
Unternehmerzusammenschluss gegen die Zerschneidungstrasse der Bahn geht erstmals an die Öffentlichkeit. Den bislang 125 Unterschriften könnten noch etliche Folgen, meinen die Initiatoren, die in Bürgermeister Gottfried Störmer einen Verbündeten haben. Im Bild (von links): Hans Meyer-Coconcelli, Peter Liermann, Desiree Freeburn, Maria Maron, Achim Kohler, Carmen Schreckenberger und Bürgermeister Störmer. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die mögliche Entscheidung der Deutschen Bahn für eine Zerschneidungstrasse durch Wald und Felder, an Wohngebieten vorbeiführend, hat nun auch Lampertheimer Unternehmer, Einzelhändler und Gewerbetreibende mit einer klaren Stellungnahme zusammengeführt: „Niemand möchte diese C-Trasse!“ Diesen Standpunkt teilen mittlerweile 125 Unternehmer, immer mehr hatten die Forderung an die Bahn unterschrieben, von der Zerschneidungsvariante Abstand zu nehmen und stattdessen die Trassenbündelung mit den bestehenden Autobahnen voranzutreiben. Auf dem Banner sind die ersten hundert Unterschriften dokumentiert, es dürfen gerne mehr werden, meinten die Initiatoren bei einem Pressegespräch am Donnerstagvormittag zum Einstieg in die Öffentlichkeitsarbeit. Auch das HR-Fernsehen und Rundfunk waren gekommen. An dieser Gesprächsrunde in den Räumen der MKM BauProjekte GmbH nahm Bürgermeister Gottfried Störmer teil, der spontan seine Unterstützung zugesagt habe, teilte Peter Liermann bei der Gesprächseröffnung mit. Die Idee reifte zwischen ihm und dem geschäftsführenden MKM-Gesellschafter Hans Meyer-Coconcelli nach der Lichterkette, als man sich bei einer Veranstaltung wiedertraf, berichtete Liermann: „Eigentlich müsste der Lichterkette etwas folgen“, hätten sie überlegt. Dem eher zufälligen Start der Ideensammlung folgten Taten nach dem Motto „wir tun was“. Auch die Planung der Bahn, im Herbst über den Trassenverlauf zu entscheiden, habe eine Rolle gespielt, erklärte Meyer-Coconcelli. Zur Kerntruppe stieß Achim Kohler, Geschäftsführer einer IT-Firma, der die Bedeutung der Stadt Lampertheim für die zukünftige Entwicklung des Großraums im Schnittpunkt zweier Metropolregionen erläuterte, „wenn die Weichenstellungen entsprechend vorgenommen werden“. Der Ausbau der Infrastruktur sei ein wichtiges Thema speziell in dieser Region, wobei die Unternehmer für eine bessere Anbindung an die größeren Städte wie Mannheim seien, für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs mit einer S-Bahn-Verbindung auf der Riedbahnstrecke, die durch Lampertheim führt und zukünftig nach den Plänen der Bahn neben dem ICE-Verkehr in großem Maße von Güterzügen befahren werden soll, von 140 Güterzügen pro Nacht sei auszugehen. Die S-Bahn würde unter diesen Bedingungen unter die Räder kommen. Störmer legte die Bahn-Prognosen zugrunde, die mit einer Verdoppelung auf 280 Güterzüge auf der Riedbahn pro Nacht rechnen. Einig sind sich Bürgermeister und Unternehmer, dass der Güterverkehr nicht durch Wohngebiete donnern sollte, auch dass man der Bahn mit der Konsens-Trasse eine Alternative anbiete, anstatt zu blockieren. Wie im Landesentwicklungsplan vorgesehen und im Kreis Bergstraße von der Politik und der Lampertheimer Bürgerinitiative BILA einmütig gefordert, wollen auch die Unternehmer diese Konsenstrasse mit der Bündelung an den Autobahnen. Die C-Trasse, die Zerschneidungsvariante durch Wald und Feld, „wäre eine Katastrophe für Lebensraum von Menschen, Tieren, für landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Produktionsstätten“, verbunden mit einer erheblichen Belastung der Menschen in den Wohngebieten Neuschloß, Rosenstock und Europaring. „Eine Standortverschlechterung ist für unsere Unternehmen inakzeptabel“, heißt es in der Stellungnahme. Bereits die seit zehn Jahren geführte Diskussion habe bereits zur Verunsicherung geführt. Die Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter halten und Fachkräfte anwerben, was nur bei einem attraktiven Standort und Lebensraum gelinge. Zurzeit laufe auf Initiative der Stadt Lampertheim eine Auditierung der IHK mit dem Ziel der Zertifizierung als attraktiver Wohnort für Fach- und Führungskräfte, teilte Störmer mit. Kleiner Zeitgewinn für ICEs von unter zwei Minuten durch eine um etwa 3,3 Kilometer kürzere Bahnstrecke mit der C-Trasse oder Erhalt von Lebensqualität, wertvollem Ackerland, Biotopen und Schutzgebieten durch die Bündelung der Bahntrasse entlang der Autobahnen, darum gehe es. Von „Minutenfeilscherei“ der Bahn sprach Bürgermeister Störmer und gab zu bedenken, dass dort seltene Vögel wie der Ziegenmelker leben. „Ich bin sehr froh, dass sich eine bedeutende Gruppe von Menschen mit dem Thema befasst und sich einbringt“, zeigte sich Störmer erfreut. Während die Stadt Lampertheim schon früher Gespräche mit dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geführt habe, wie Störmer betonte, steht die Unternehmerinitiative als „ganz junger Zusammenschluss“ noch am Anfang ihrer Aktivitäten. Die Unternehmer wollen sich Kohler zufolge in Wiesbaden Gehör verschaffen, an Veranstaltungen teilnehmen und „nachhaltig bis zur Entscheidung auf uns aufmerksam machen“. Dem „relativ großen Hebel“ könnten sich „noch etliche anschließen“. Hannelore Nowacki