Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » „Nordemer Kuckucks“ begeisterten mit Lustspiel in drei Akten
Di., 22. März 2016, 11:37 Uhr
„Oma, mach koa Dummheide“ – Oma mit Eigensinn, wuchtiger Freundin und Verehrer
„Nordemer Kuckucks“ begeisterten mit Lustspiel in drei Akten
Oma Kätche (Tanja Karb) grüßt mit Postkarte aus der Ferne – die Familie und Nachbarin Roswitha (Klaus Engelhardt) staunen. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – „Oma, mach koa Dummheide“, abendfüllendes Mundarttheater und Lustspiel, stand bei den „Nordemer Kuckucks“ zweimal erfolgreich auf dem diesjährigen Spielplan. Ausverkauft war die Kultur- und Sporthalle Nordheim bei der Premiere, fast ausverkauft die zweite Aufführung eine Woche später, am vergangenen Samstag. Wer Spaß haben und lachen will, geht zu den „Nordemer Kuckucks“, das hat schon Tradition. Die Schauspieler, die bei ihren Stücken gemeinsam Regie führen, füllen die Charaktere gefühlsecht aus – und das Publikum bekommt immer etwas zu lachen. Im Original heißt das Stück von Manfred Moll etwas weniger charmant „Alte, mach keine Dummheiten“. Eine besondere Freude für die Theatergruppe war der Besuch des Autors, der aus dem Taunus anreiste. Während der Premiere fotografierte er und ließ allen Mitwirkenden zur Erinnerung ein selbst gestaltetes Fotoalbum zukommen. Zweimal habe der Autor sein Stück schon gesehen, erzählte Kuckucks-Vereinsvorsitzender Stefan Uihlein im Gespräch mit dem TIP, die Nordheimer Version fand er unvergleichlich. Das dürfte nicht zuletzt der Spielfreude und dem freundlichen Nordheimer Dialekt zu verdanken sein. Oma Kätche (Tanja Karb) hat es wirklich nicht leicht mit ihrer Familie. Im Ohrensessel mit geschlossenen Augen sitzend, ist sie hellwach und bekommt unbemerkt mit, was sich im Wohnzimmer zuträgt. Zum Glück hat sie mit Chantal (Simone Gall) eine erfahrene Enkelin mit Freund Kevin (Matthias Walch), die weiß, worauf es ankommt und die Oma zu gegebener Zeit mit ausgehfähigem Glitzerkleid versorgt. Aber da beginnen die Sorgen von Sohn Hoinz Dummbeitel (Willi Krück) und Schwiegertochter Renade (Gabi Haas) erst, denn sie befürchten, dass die Oma Dummheiten macht. Angefangen hat das neue Leben von Oma Kätche schon im ersten Akt durch einen Sexfilm. Hoinz, als Ehemann nicht ganz folgsam und zeitweise wirklich ein nörgelndes Ekel, hatte zudem mit der Tatsache zu kämpfen, dass er seit 26 Jahren eine Tochter hat. Seit der Postbote (Marius Reuter) diese Nachricht überbracht hat, hängt der Haussegen schief, obwohl es doch vor ihrer Zeit geschah, wie Ehefrau Renade eingestehen, aber nicht verzeihen muss. „Ich dacht ich war die Einzig in deinem Lebe“, beklagt sie sich. Alle Freiheiten sind ab sofort für den Gatten gestrichen, er soll ihr aus der Hand fressen. Kann das gut gehen? Doch die Oma weiß Rat. Seit sich ihr netter Nachbar zur Wuchtbrumme Roswitha Rollisch (Klaus Engelhardt) umgebaut hat, geht Oma Kätche frisch aufgebrezelt mit jugendlich gestylter Frisur tanzen, erzählt dem besorgten Sohn aber die Lüge vom Kinobesuch. Das gibt ordentlich Schimpfe, denn es kommt natürlich heraus.
Nachbarin Roswitha bezaubert immer wieder mit neuen Kleidern. Auch Oma Kätche hat sich gemausert – ihr gefallen jetzt Glitzerteile, Leggins und jugendliches Haarstyling. Foto: Hannelore Nowacki
„Ich bin erwachsen“, erklärt sie widerspenstig. Enkelin Chantal versteht, was sie meint. Als ihr Freund Kevin mit Kappe neben ihr auf dem Sofa sitzt und sich in das Gespräch einbringt, wirft ihm Vater Hoinz an den Kopf: „Du gehörst nicht dazu“. Am Ende wird alles gut. Oma Kätche hat beim Tanzen den charmanten Bernard Schamidt kennengelernt, ein feiner älterer Herr mit französischem Zungenschlag. Er bringt früh morgens einen schönen Rosenstrauß und sie rollt den gepackten Koffer ins Wohnzimmer. Manuela Haas sorgte als Souffleuse im großen Kasten vor der Bühne für die Sicherheit des Redeflusses. Zu Beginn beamte Stefan Uihlein einen etwa sechsminütigen Film mit Grüßen von „Hallewart“ Tanja Karb auf die Leinwand, aufgenommen im Sommer am malerischen Ufer des Nordheimer Rheins. So kam der „Hallewart“ zu Wort, obwohl Tanja Karb als Oma Kätche aktiv war. Für den guten Ton in der Halle sorgte Stefan Uihlein mit vereinseigener, digitaler Technik und Unterstützung von Bernd Morew. In den beiden Pausen nutzten die Besucher das Angebot an der Sektbar und ließen sich die frisch belegten Laugenstangen schmecken. Hannelore Nowacki