VEREIN FÜR HEIMATGESCHICHTE: Gelungene Eventführung an der Burg Stein
Nordheimer Geschichte auf besondere Art erlebt
Die Aktiven des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim luden zu einer besonderen Führung ein. Foto: oh
NORDHEIM – Erstmals seit längerer Zeit fand an der Ausgrabungsstätte des Zullestein/Burg Stein im Steiner Wald in Biblis-Nordheim wieder eine Kostümführung statt. Bürgermeister Volker Scheib, der mit dem Fahrrad kam, begrüßte die zahlreichen Gäste und gab seiner Freude Ausdruck, dass die Aktiven des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim wieder an ihre alte Tradition der Eventführungen anknüpften, die durch Dammbauten, Corona und geänderte Zufahrtsmöglichkeit zum Erliegen kam. Bewährte und neue Darsteller gaben zeitgenössisch gewandet, Einblicke in die reiche Geschichte der weithin einmaligen Anlage. Der römische Centurio (Alexander Dinges) berichtete über die Gründung des militärischen Ländeburgus um das Jahr 370 nach Christus. Der Mönch des Klosters Lorsch (Günter Mössinger), ließ die Zeit Karl des Großen und seiner Nachfolger lebendig werden, als die gefürstete Reichsabtei Lorsch den Burgus mit Königshof und Grafenburg zu einem florierenden Handelsort mit Hafen umbaute. Ritter Jakob von Stein (Kurt Dinges) um 1240 erzählte vom Übergang an den Bischof von Worms, der hier den Handelsort wieder zu einer seiner Burgen umgestaltete, die der Bischof mehrfach besuchte. Danach ging es weiter zur Amtskellerin Glaser(Ursula Diaz), deren Gatte 1618 die Verwaltung der Kellerei Stein mit ihren Ortschaften Lampertheim, Hofheim, Nordheim und zeitweise Bobstadt übertragen war. Der 30 jährige Krieg hat der bisher unbesiegten Festung Burg Stein Anno 1621 schwere Wunden zugefügt. Hauptmann Cordoba (Rüdiger Ried) mit Capitano (Mario Diaz) mit ihren Einheiten haben mit List die Burgbesatzung überwältigt. Das wollte Kurpfalz nicht hinnehmen. In Erwartung des Pfälzer Gegenangriffswurden hastig errichtete Schanzen mit Erdbastionen für die spanischen Kanonen errichtet. Erfolgreich konnten sie sich 10 Jahre lang auf der Burg behaupten, bis die Schweden kamen. Da verließen sie 1631 fluchtartig die Burg und steckten sie in Brand. Das war noch nicht das endgültige Aus für die uralte Anlage. Der Jäger und Zöllner (Christopher Wetzel) erzählte von seinem Zuhause, wenn auch der Kern der Burg eine Ruine war, so stand in der Vorburg noch das Jägerhaus mit Stall, Scheune, Brunnen und allem was dazugehört. Im Jahr 1802 wurde Kurmainz und das Fürstbistum Worms aufgelöst und ihre Ländereien hier dem Landgrafen von Hessen übergeben. Der Förster erwarb das alte Jägerhaus und hat es in Nordheim an der Ecke Altrheinstraße / Wormser Straße wieder aufgebaut, wo es heute noch steht. Die vielen Gäste wurden vorbildlich vom Burgwirt (Jens Bitsch) verwöhnt, während Frau von Maudach (Gisela Gibtner) die Teilnehmer von Station zu Station geleitete.
Frau Dr. Eva Bambach von der Stiftung Welterbestätte Kloster Lorsch, erläuterte die App: „Das Murmeln der Geschichte im Zullestein“. Diese auf das eigene Handy aufgeladen ermöglicht zu jeder Zeit eine private Führung an der Anlage, unterlegt mit lebendigen Hintergrundgeräuschen aus der jeweiligen Epoche. Zusätzlich hat sie noch ein Holzmodell eines Weschnitzkahns und Nachbildungen historischer Werkzeuge mitgebracht.
Prof. Dr. Karl Härter vom Geschichtsverein Heppenheim, erläuterte das jetzt angelaufene gemeinsame wissenschaftliche Forschungsprojekt der Unis Frankfurt, Heidelberg und Darmstadt um zu klären, welchen Veränderungen die Weschnitz in der Rheinebene durch Einflüsse des Menschen in früheren Jahrhunderten ausgesetzt war. Von den Forschungen werden auch neue Erkenntnisse zu ihrem Unterlauf hier an der Burg Stein erwartet.
Abschließend gab Frau Marisa Scaglione, Einblicke in ihre Forschungen zur touristischen Aufwertung der Burg Stein, zu der sie in Zukunft eine verstärkte Einbindung der Anlage in die Welt des Internets sah. zg