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  • Fr., 07. Februar 2020, 08:55 Uhr
    Fünf Stolpersteine zum Gedenken an Familie Frank gelegt – die 7. Stolpersteinaktion 

    Nur einer kam durch und überlebte

    Bürgermeister Gottfried Störmer rief zu einer Minute der Stille zum Gedenken an die jüdischen NS-Opfer auf, die einst in der Wilhelmstraße 67 wohnten. Lynne Ravas (im roten Mantel), Tochter des überlebenden Hans Frank, hörte aufmerksam zu, neben ihr Sohn Seth Ravas und der ältere Bruder Mathew Ravas.  Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Jeder Stolperstein, den Gunter Demnig in Europa, Deutschland und Lampertheim verlegt, erzählt von einem Leben, das meistens mit Verfolgung, Deportation und Ermordung in einem Konzentrationslager endete. Ein Schicksal, das in Nazi-Deutschland und Europa unter Hitler sechs Millionen Juden traf, eine unfassbare Zahl. So viele Millionen Stolpersteine werde er niemals verlegen können, sagte der Demnig anlässlich des Gedenkens an die Familie Frank, die in der Wilhelmstraße 67 beheimatet war, dem letzten selbstgewählten Wohnort. Den 75000. Stolperstein hat der 73-jährige Künstler und Initiator des Projekts Ende Dezember in Memmingen verlegt. Mit dieser 7. Aktion in Lampertheim seit 2007 machen nun 32 Stolpersteine auf das Schicksal von 32 Menschen aufmerksam. In einer Minute der Stille wurde an die Opfer der NS-Zeit gedacht. Auf dem Gehweg glänzen nun fünf Stolpersteine mit Daten, die Anfang und Ende eines Lebens markieren. Doch einer kam durch und überlebte. Hans Frank (Jahrgang 1932), der jüngste Enkel von Bertha Frank (Jahrgang 1878) und Moritz Frank (gestorben 1919), kam in ein Kinderheim und gelangte mit einem Kindertransport über die Niederlande 1939 nach New York City.

    Zum Gedenken wurden weiße Rosen niedergelegt.  Foto: Hannelore Nowacki


    Wie viele andere geflüchtete jüdische Kinder wurde er von einem jüdischen Ehepaar adoptiert und aufgezogen, seitdem heißt er Frederick Rosenbaum. Sein Bruder Werner Frank wurde 1942 deportiert und in Auschwitz ermordet. Sally Frank, dem 1938 die Flucht nach Frankreich gelungen war, wurde dort gefasst, in Dancy interniert und auch in Auschwitz ermordet, ebenso die kranke Großmutter, die 1942 deportiert wurde. Erika Irmgard Frank wurde bereits 1936 verhaftet, kam 1940 ins KZ nach Ravensbrück und wurde 1942 in Bernburg ermordet. Zur Verlegung der Stolpersteine für seine Familie in Deutschland waren seine Tochter Lynne Ravas und ihre beiden Söhne Mathew Ravas und Seth Ravas aus Pittsburgh in Pennsylvania angereist. Die Ehrung durch die Stolpersteine nannte Bürgermeister Gottfried Störmer ein Signal, dass diese Menschen nicht vergessen sind. In der großen Runde, die sich zum Gedenken auf dem Gehweg versammelt hatte, waren die politischen Parteien der Stadtverordnetenversammlung vertreten, Gäste und zahlreiche Bürger, wie Bürgermeister Störmer betonte. Auch Karl Klemm und Volker Ochs, die beiden Autoren des Buches „Der Erinnerung einen Namen geben“, waren gekommen. Ihnen verdankt Lynne Ravas viele Informationen, wie sie im späteren Pressegespräch erzählte, zu dem Bürgermeister Störmer Lynne Ravas, ihre Söhne, die beiden Buchautoren und Stadtarchivar Hubert Simon eingeladen hatte, der bei den historischen Nachforschungen eine tragende Rolle hatte. Ihr Vater konnte nicht reisen, aber er hatte seine Tochter gebeten die Rede zu halten, die sie vor den Stolpersteinen stehend auf Englisch verlas. Luise Stach übersetzte ins Deutsche. Als er 1954 für ein Jahr bei der US-Armee in Vaihingen stationiert war, sei ihm lediglich bewusst gewesen, dass er in Deutschland geboren ist und als sechsjähriges Kind aus der Reichspogromnacht, die er Kristallnacht nennt,  traumatische Erinnerungen hat, auch dass er über Holland in die USA gekommen war, habe er noch gewusst. Erst seine Tochter habe ihn dazu gebracht, sich mit der Familiengeschichte zu beschäftigen. Gearbeitet hatte der Vater bei einem Elektrizitätsunternehmen. Wie Lynne Ravas im Pressegespräch erklärte, habe sie im Alter von zehn Jahren von dieser besonderen Familiengeschichte erfahren, jedoch erst als ihr ältester Sohn Mathew geboren war, hat sie ihren Vater dazu bringen können, sich mit seiner Geschichte zu befassen, schließlich sollte sein Enkel über die Vergangenheit Bescheid wissen. Mittlerweile hat er 10 Enkel und fünf Urenkel, denen die Geschichte vermittelt wird. Er selbst habe immer ein ganz normaler amerikanischer Junge sei wollen, wie die anderen in seiner Schule, er wollte alles vergessen, weiß die Tochter. Kein Gram ließ sich aus den Worten von Frederick Rosenbaum heraushören, vielmehr ist ihm wichtig, dass durch die Stolperstein-Aktion die Geschichte nicht vergessen werde, die sich ansonsten wiederholen könnte. Seinen besonderen Dank richtete er an Stadtarchivar Hubert Simon, der ihm 1998 half, den Familienstammbaum bis ins späte 17. und frühe 18. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Dankbar sei er auch Heinrich Karb, Karl Klemm und Volker Ochs für ihre Geduld und Unterstützung. Gunter Demnig dankt er für seinen Einsatz für dieses Projekt und der Stadt Lampertheim, die diesen Tag noch zu seinen Lebzeiten ermöglicht habe. Lynne Ravas, Lehrerin im Ruhestand, berichtete, dass sie am Holocaust Center in Pittsburgh über den Holocaust lehrt, Kinder und Erwachsene erfahren, was damals passierte, auch über den kleinen Jungen in einem deutschen Waisenhaus erzählt sie ihnen. Wichtig sei ihr, dass jeder Einzelne erkennt mit seiner Entscheidung eine Wahl zu haben, eine Entscheidung, die die Welt verändern kann. Sie helfe das Individuum zu sehen, zu erkennen, dass kleine Dinge helfen können das Leben eines Menschen zu verändern. In Pittsburgh hatte es 2018 ein Massaker in der Synagoge gegeben, auch das erwähnte Lynne Ravas. Als Präsent überreichte Bürgermeister Störmer für Vater und Tochter Bücher über die Judenverfolgung in Lampertheim mit den Worten: „Ihre Spurensuche hat auch uns bereichert“. Hannelore Nowacki

    Gunter Demnig verlegte am Donnerstag Stolpersteine in Erinnerung und zum Gedenken an Familie Frank. Foto: Hannelore Nowacki

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